Weltelite in Berlin : Darts-Ballermann am Ostbahnhof

Das Bier fließt, die Menge grölt: Erstmals hat ein Premier League Darts-Spieltag in Berlin stattgefunden. Das Ergebnis ist für die 12.000 Fans zweitrangig - sie machen Party.

Peter Wright sorgt für Stimmung in Berlin.
Peter Wright sorgt für Stimmung in Berlin.Foto: promo

Man trägt Perücke in der Arena am Ostbahnhof. Bevorzugt mit rotem oder grünem Irokesenschnitt. Die extravagante Frisur ist das Markenzeichen von Peter Wright, einem der besten Dartspieler der Welt. Seine Fans sind zahlreich erschienen, manche auch in wright-typischen knallbunten Hosen. Der Schotte gehört zu den zehn Protagonisten der Premier League Darts. Das Preisgeld liegt bei umgerechnet über 900.000 Euro.

Erstmals findet ein Spieltag in Deutschland statt, 12.000 Fans sind dabei. So viele wie noch nie in der Geschichte des Verbandes Professional Darts Corporation (PDC), das teilt der Mann am Hallenmikro zu Anfang mit. Und erntet lautes Gejohle. Rekorde sind immer gut. Die Zuschauerzahl ist fast viermal höher als im Alexandra Palace in London, dem Ally Pally, Kultstätte für alle Freunde dieses Sports. Deutschland erlebt seit einiger Zeit einen Boom. Da erscheint es nur logisch, dass die PDC die versiertesten Pfeil-Künstler in Berlin vorbeischickt.

Ballermann-Atmosphäre in Friedrichshain

Als es losgeht, sind die Getränkestände im Gang noch gut gefüllt, mit geölter Stimme singt es sich leichter. Das eingespielte Liedgut bringt Ballermann-Atmosphäre nach Friedrichshain. Gefeiert wird jeder. Von jedem. Die Jungs von der „Barney Army“ – Fans des Niederländers Raymond van Barneveld – freuen sich über gelungene Würfe des Australiers Simon Whitlock. Und Gäste mit schottischen Fahnen – Anhänger von Gary Anderson – jubeln für den Niederländer Michael van Gerwen.

Warten auf 180: 12.000 Zuschauer kamen an den Ostbahnhof.
Warten auf 180: 12.000 Zuschauer kamen an den Ostbahnhof.

Darts ist Spitzensport, aber natürlich auch Party. „Mein Kostüm ist in der Wäsche“ steht auf einigen T-Shirts. Kostüme gehören zum guten Ton. Vor allem im Innenraum an den Tischen. Da tanzt der leicht aus der Jahreszeit fallende Weihnachtsmann neben der lebensgroßen Tequilaflasche. Ordner an den Eingängen zu den Blöcken sorgen dafür, dass alles seine Richtigkeit hat. Das Einhorn muss genauso seine Karte vorzeigen wie Superman und der Hund mit den Plüschohren. Im Oberring, wo die Bühne sehr weit weg ist, sind Kostüme seltener. Dort wird gefachsimpelt: „Wer macht es?“, fragt jemand vor dem Spiel von van Barneveld gegen Rob Cross. „Van Barneveld“, lautet die Antwort. „Gegen Cross? Der ist doch Weltmeister.“ Am Ende hilft van Barneveld auch die Sympathie der Halle nicht, er verliert 3:7.

„Wir sollten wieder nach Berlin kommen.“

Das war zuvor bei Mensur Suljovic anders. Der Österreicher hat früher in Deutschland in der Bundesliga bei der Mannschaft Dartspub Walldorf gespielt, war öfter zu Spielen in Berlin. Damals vor 100 Zuschauern, darunter viele Angehörige der Akteure. Gegen Gerwyn Price aus Wales feiert er mit 7:3 den ersten Sieg in der Premier League. Suljovic weiß gar nicht, worüber er sich mehr freuen soll: Über die Punkte für die Tabelle oder die Unterstützung von den Rängen. „Sie haben so oft meinen Namen gesungen, da darfst du gar nicht verlieren“, sagt der 45-Jährige.

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Es geht auf 23 Uhr zu, der Boden im Innenraum zeigt deutliche Spuren verschütteter Getränke, die Stimmung ist bestens. Als letztes treten Wright und Anderson zum schottischen Duell an. Wright führt 6:3, das spannendste Spiels des Abends endet aber nach zwölf Durchgängen 6:6. Anderson bringt den abschließenden Pfeil im Bullseye unter, sein Gegner klatscht anerkennend. Beide verlassen lächelnd die Bühne. „Es war brillant, eine fantastische Atmosphäre“, bilanziert Wright: „Wir sollten wieder nach Berlin kommen.“ Das dürften seine perückten Fans ähnlich sehen

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