• Wenig Personal in wichtiger Woche: Alba Berlin und die Probleme mit den Ausländerregelungen

Wenig Personal in wichtiger Woche : Alba Berlin und die Probleme mit den Ausländerregelungen

In der Woche des Pokalfinals plagen Alba Berlin arge Verletzungssorgen. Weil zu viele deutsche Spieler ausfallen, könnten Kaderplätze leer bleiben.

Leonard Brandbeck
Mittendrin: Malte Delow, Jonas Mattisseck und Lorenz Brenneke (von links nach rechts) sind bei Alba zurzeit besonders gefragt.
Mittendrin: Malte Delow, Jonas Mattisseck und Lorenz Brenneke (von links nach rechts) sind bei Alba zurzeit besonders gefragt.Foto: Imago

Die drei Jungs – der eine noch Teenager, die anderen beiden kaum älter – hatten am Sonntag zusammen in der Arena am Ostbahnhof einen hübschen Nachmittag verbracht. Vor Alba Berlins Duell mit dem Bundesliga-Konkurrenten BG Göttingen hatten sie erst ihren früheren Mitspieler Bennet Hundt wiedergetroffen, sahen danach einen souveränen 96:71-Sieg ihres Teams und standen dann auch noch über eine halbe Stunde nach Spielende in der Halle, als dort nur noch ein paar Kinder mit ihren Eltern warteten.

Für die schrieben sie Autogramme und machten Fotos. Jonas Mattisseck, 20, Lorenz Brenneke, 20, und Malte Delow, 18, hatten schließlich vorher noch selbst für Alba auf dem Parkett gestanden. Auf die drei jüngsten Spieler aus Albas Kader kommt es zurzeit besonders an. Denn bei den Berlinern ist wieder einmal die Verletzungsplage ausgebrochen.

Die personelle Situation bei Alba Berlin ist ungewiss

Aktuell fehlen dem Team von Trainer Aito Garcia Reneses vier Spieler: Stefan Peno arbeitet nach seiner langwierigen Knieverletzung weiterhin an seiner Rückkehr, Tim Schneider muss nach einem Bandscheibenvorfall passen, Kenneth Ogbe setzt wegen einer Gehirnerschütterung aus, und Johannes Thiemann verletzte sich am Tag vor dem Spiel gegen Göttingen im Training an der Schulter. Im Duell mit den Niedersachsen humpelte dann auch noch Makai Mason vom Feld, der sich unglücklich den Fuß vertreten hatte.

So bekam Alba am Sonntag nicht einmal die zwölf Plätze im Spieltagskader gefüllt – obwohl theoretisch mehr als zwölf Spieler zur Verfügung gestanden hätten. Das hat mit den Ausländerregelungen der Basketball-Bundesliga (BBL) sowie einer offenbar sehr speziellen Form von German Angst zu tun, die sich gerade bei Alba auszubreiten scheint.

Acht Spieler mit deutschem Pass stehen in Albas 17er-Kader. Doch die fallen gerade der Reihe nach aus. Durch die Verletzungen von Schneider, Ogbe und Thiemann blieben bereits gegen Göttingen nur noch fünf von ihnen übrig, und nach Masons Unglück könnte sich die Zahl sogar auf vier reduzieren.

Kopfsache: Für Alba Berlin und Trainer Aito Garcia Reneses steht eine wichtige Woche an.
Kopfsache: Für Alba Berlin und Trainer Aito Garcia Reneses steht eine wichtige Woche an.Foto: Andreas Gora/dpa

Mindestens sechs deutsche Spieler müssen jedoch auf nationaler Ebene auf dem Spielberichtsbogen stehen, so sehen es die Regeln der BBL vor. Die fehlenden Plätze im Kader muss Alba also unbesetzt lassen, mehr als sechs ausländische Profis sind nicht erlaubt.

Gegen Göttingen wären etwa Martin Hermannsson oder Kresimir Nikic einsatzfähig gewesen, mussten sich das Spiel jedoch in zivil anschauen. Dafür erhielten die beiden Perspektivspieler Brenneke und Delow ihre Chance.

In der Euroleague wäre das alles kein Problem. Dort entfallen solche Ausländerregelungen. Doch ausgerechnet in dieser Woche gönnt sich die europäische Elite eine Pause, und Alba ist nur national gefordert. Bereits am Dienstag (19 Uhr/Magentasport) sind die Berliner beim Bundesliga-Konkurrenten aus Ulm zu Gast – und am Sonntag wartet dann mit dem Pokalfinale in eigener Halle gegen Oldenburg die Chance auf den langersehnten Titel.

Alba Berlins Spielplan im Februar

  • 2.2. – BBL: Oldenburg – Alba Berlin 93:88
  • 4.2. – Euroleague: Olimpia Mailand – Alba Berlin 96:102
  • 6.2. – Euroleague: Alba Berlin – Real Madrid 97:103
  • 9.2. – BBL: Alba Berlin – Göttingen 96:71
  • 11.2. – BBL: Ulm – Alba Berlin (19 Uhr)
  • 16.2. – Pokalfinale: Alba Berlin – Oldenburg (20.30 Uhr)
  • 20.2. – Euroleague: Zenit St. Petersburg – Alba Berlin (18 Uhr)
  • 27.2. – Euroleague: Alba Berlin – Anadolu Istanbul (20 Uhr)

„Natürlich ist das hart gerade“, sagt Marco Baldi. „Wir sind jetzt schon am Anschlag.“ Albas Geschäftsführer befürchtet eine schwere Woche. Weil Ulms Ligaspiel am Sonntag gegen Bonn aufgrund der Sturmgefahr abgesagt wurde, hat Albas kommender Gegner seit 18 Tagen kein Spiel mehr bestritten. Die Berliner haben in dieser Zeit sechsmal auf dem Parkett gestanden.

„Da müssen wir jetzt noch mal durchbeißen“, sagt Jonas Mattisseck. „Und dann haben wir ein paar Tage Zeit – für uns vergleichsweise viel Zeit –, um uns auf das Pokalfinale vorzubereiten.“

Die ist auch dringend nötig, damit Albas Chancen steigen, das wichtigste Spiel der bisherigen Saison nicht wieder nur mit elf Spielern bestreiten zu können. „Jeder will dieses Finale spielen“, weiß Baldi, fügt jedoch hinzu: „Wir wissen jetzt nicht, wer auflaufen kann, ob wir mit unserem großen Kader überhaupt hinkommen.“ Zumindest für drei junge Herren stehen die Chancen auf den nächsten hübschen Sonntag in der Arena am Ostbahnhof nicht schlecht.

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