Wettkampf mit Computerspielen : Wird E-Sport olympisch?

Virtuelle Wettkämpfe: E-sports könnten bald olympisch werden. in Korea sind sie bereits ein Massenphänomen.

Benjamin Brown
Sitzfleisch ist Trumpf. Gamer-Sport wird auch in Deutschland immer beliebter.
Sitzfleisch ist Trumpf. Gamer-Sport wird auch in Deutschland immer beliebter.Foto: Christian Grube/Imago

Jubelnde Zuschauer stehen in den Straßen Seouls, der Hauptstadt Südkoreas, Läufer tragen stolz eine Fackel vorbei: Es handelt sich um den Fackellauf im Vorfeld der Olympischen Spiele. Normal, alles so wie immer? Nicht ganz. Denn zum ersten Mal tragen auch E-Sportler die Olympische Fackel – die fünf Spieler des Strategiespiels „League of Legends“. Es ist ein Zeichen dafür, dass E-Sports in der Welt des etablierten und traditionellen Sports so langsam angekommen sind.
E-Sports, das ist der sportliche Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen. Das „E“ steht für „electronic“. Bei den Wettbewerben sitzen die Teilnehmer vor einem Bildschirm, steuern das Geschehen mit Mouse und Tastatur. Die bekanntesten Spiele, im E-Sport als „Disziplinen“ bezeichnet, sind Strategie-Spiele wie „Dota 2“, „League of Legends“ oder „StarCraft“, Ego-Shooter-Spiele wie „Counter-Strike“ und „Halo“ und Sportsimulationen wie das Fußballspiel „FIFA“. Organisierte Turniere gibt es seit den 1990er Jahren, lange Zeit wurde der Sport als kleine Nischen-Veranstaltung verstanden. Doch E-Sports werden immer populärer. Und anerkannter. Bei den 2018 Asian Games in Jakarta werden E-Sports erstmals zur Schau gestellt, vier Jahre später sollen sie bei den Spielen in Hangzhou als offizielle Disziplin vertreten sein.
Nun zeigt sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) sogar gewillt, den elektronischen Sport als olympische Disziplin zuzulassen. Man könne so das Interesse junger Leute wecken. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris könnten die E-Sportler ihr Debüt geben. Vom IPC, dem Paralympischen Komitee, gibt es hierzu allerdings noch keine Position – dennoch sind die Weichen für eine erfolgreiche Integration der Sportart gestellt. So gibt es bereits eine „International e-Sports Federation for the Differently Abled“ (IeSA), also einen E-Sports-Verband für Menschen mit Behinderung, der 2011 gegründet wurde.
Dass eine Behinderung sogar Auslöser für eine erfolgreiche E-Sports Karriere sein kann, zeigt die Geschichte des Berliners Kuro Salehi Takhasomi, der sich in der Gaming-Welt „KuroKy“ nennt. Takhasomi hat eine körperliche Behinderung, er hat sehr schwache Beine. So verbrachte er als Kind viel Zeit sitzend vor dem PC. Heute gehört er zu den erfolgreichsten E-Sportlern der Welt. Neben seinem Ruhm hat Takhasomi mit seiner Leidenschaft für das Spiel „Dota 2“ ein Vermögen verdient: 2017 gewann sein Team ein Turnier in Seattle. Das Preisgeld betrug über neun Millionen Euro. „KuroKy“ profitiert davon, dass E-Sports immer populärer und damit verstärkt kommerzialisiert wurden.
Ob E-Sports in Zukunft wirklich paralympisch sein werden, hängt davon ab, ob das Internationale Paralympische Komitee sieht, was die Fans des Videospielens und die IeSA darin sehen: Eine Möglichkeit gemeinsam Spaß zu haben, gegeneinander anzutreten und dabei Freiheit und Gleichberechtigung auszuleben.
Dass die E-Sports Fackelläufer ausgerechnet in Südkorea ihr Debüt feiern durften, ist kein Zufall. Südkorea gilt als Hochburg des E-Sports, Millionen begeisterte Fans fiebern bei täglichen Live-Übertragungen im Fernsehen mit und tausende Besucher füllen die Arenen bei Turnieren, bei denen das Land zahlreiche Titel holt – auch dank der besonderen staatlichen Förderung der Athleten durch die „Korea e-Sports Association“. Während man sich in Deutschland noch fragt, ob es überhaupt ein Sport ist, sind E-Sports in Südkorea gesellschaftlich anerkannt und schon lange ein Massenphänomen.
Und obwohl es noch keine konkreten Pläne gibt, E-Sports zu einer paralympischen Disziplin zu ernennen, war Pyeongchang bereits Schauplatz des modernen Wettkampfes: Das „Pyeongchang e-Sports Festival“ fand im vergangenen Dezember im Olympiagelände statt. Wenn das mal kein Vorzeichen ist.

Benjamin Brown, 20, ist Nachwuchsreporter der Paralympics Zeitung.

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