Die Leistung von Berlin wird auch gegen Chelsea nicht reichen

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Wieder nur Zweiter : Bayern leverkuselt

Aber natürlich geht in den für sie so betrüblichen Stunden der Blick nach vorn. "Wir haben ja noch ein großen Ziel", wie Trainer Jupp Heynckes sagt. Das Finale der Champions League kommenden Samstag in München gegen den FC Chelsea. Die Aussicht auf diesen Titel lässt die Schmach vom Samstag etwas erträglicher erscheinen, gleichwohl droht den Bayern der GAU – eine gänzlich titellose Spielzeit. Erinnerungen werden wach an Bayer Leverkusen, an jene Mannschaft, die vor genau zehn Jahren ganz dicht vor drei Titelgewinnen stand. Erst wurde die Meisterschaft am vorletzten Spieltag verspielt, es folgte das verlorene Pokalfinale und schließlich der Knockout im Finale der Champions League gegen Real Madrid. Am Ende blieb der Mannschaft nicht die Anerkennung für den tollen Fußball, den sie bis dahin geboten hatte, sondern nur Spott, Vize-Kusen eben. Tatsächlich leverkuseln nun die auch die Bayern.

Unsere Fotostrecke mit den Stimmen zum Finale:

Die Stimmen zum Pokalfinale
Bundestrainer Joachim Löw (im Bild rechts an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Bundespräsident Joachim Gauck): "Ich hätte so ein Ergebnis nie erwartet. Vor allem wegen der zweiten Halbzeit war der Sieg verdient. Gegen die Bayern sind die Dortmunder immer bissig. Am kommenden Wochenende werden die Bayern gegen Chelsea aber eine Riesen-Reaktion zeigen."Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
12.05.2012 23:55Bundestrainer Joachim Löw (im Bild rechts an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und...

Nach dem Spiel von Berlin deutet zunächst nichts darauf hin, dass die Münchner den FC Chelsea bezwingen werden. Das könne nach Ansicht Rummenigges nur dann klappen, „wenn alle heute bereit sind, sich kritisch zu hinterfragen, warum, wieso, was ist heute Abend passiert, dass wir ein solches Spiel in dieser Art und Weise und mit diesem Ergebnis verloren haben“. Nur so hätte der Klub eine Chance, den wichtigsten Titel, der im Klubfußball zu vergeben ist, zu gewinnen. Jupp Heynckes spricht die Probleme und Schwächen seiner Mannschaft kurz an. „Wir haben defensiv eine katastrophale Leistung gebracht“. Insbesondere seine Verteidiger hätten „atypisch“ gespielt und sich dadurch selbst unter Druck gesetzt. Vor allem jene drei Spieler, die für das große Finale am kommenden Samstag gesperrt sind: David Alaba, Luiz Gustavo und Holger Badstuber.

So stimmten sich die Fans auf das Endspiel ein:

Fußballfieber in Berlin
Bayern München und Borussia Dortmund spielen am Samstagabend den Sieg im DFB-Pokal. Zuvor brachten sich die Fans der beiden Mannschaften in der Stadt schon einmal in Position.Alle Bilder anzeigen
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12.05.2012 19:17Bayern München und Borussia Dortmund spielen am Samstagabend den Sieg im DFB-Pokal. Zuvor brachten sich die Fans der beiden...

Doch die Bayern haben das Spiel nicht nur in der Defensive verloren. Sie waren behäbiger, in ihren Bewegungen und in ihren Gedanken. Wenn die Dortmunder im Zweifelsfall immer den vertikalen Pass spielten, schoben die Bayern den Ball quer, oder aber sie hielten ihn viel zu lange, wie Robben und Ribéry. Vor allem ohne Ball in den eigenen Reihen waren die Dortmunder fleißiger, williger und mutiger. Das bewiesen sie auch nach Spielschluss, als sie siegestrunkenen und angeführt von Kevin Großkreutz mit einer riesigen BVB-Fahne in den Händen die Absperrungen überwanden und die Treppe rauf zum Marathontor stürmten. Jürgen Klopp stand unten auf dem Rasen und sah dem Treiben seiner Jungens nach.

Während die Dortmunder die Nacht nur wenige Meter von den Bayern entfernt in einer ehemaligen Techno-Disco durchtanzen, ist es bei den Münchner noch stiller geworden. Rummenigge schließt seine kleine Ansprache in bedächtiger Tonlage: „Da ist etwas, um was ich die Mannschaft sehr herzlich bitte, und auch im Prinzip verlange: dass am nächsten Samstag mit Leidenschaft und Willen und auch mit der Aggressivität gespielt wird.“

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