Sport : Wikinger in Sapporo

Die Nordische Ski-WM wirft in Japan Rätsel auf

Marc Beyer

Sapporo - Mit der richtigen Technik ist heute alles möglich, selbst ein Skispringen mitten in der Stadt. Der ältere Herr hat jedenfalls mächtig gestaunt, als er das Plakat sah, mit dem in Sapporo für die nordischen Weltmeisterschaften geworben wird. Ungläubig stand er vor dem Bild, das so geschickt bearbeitet war, dass der Auslauf der Okurayama- Schanze nahtlos überzugehen schien in den Odori-Park im Herzen von Sapporo. Er schien ernsthaft besorgt zu sein, gleich könnte Gregor Schlierenzauer neben ihm landen.

Wenn er den österreichischen Skispringer Schlierenzauer denn gekannt hätte. Den Menschen in Sapporo ist diese Veranstaltung fremd geblieben. Bis zum abschließenden Wochenende haben es die Veranstalter nicht geschafft, ihnen das Großereignis nahe zu bringen. Hoffnung auf Besserung bestand schon zur Wochenmitte nicht mehr. „Sehr unzufrieden“ sei sie, sagte die Fis-Generalsekretärin Sarah Lewis. Man hatte sich beim Ski-Weltverband viel mehr erwartet von dieser ersten WM in Asien.

Von großartigem Flair war auch wenig zu spüren. „Welches Flair?“, entgegnet Axel Teichmann, der mit der Langlaufstaffel am Freitag nur Platz vier belegte. Die Langläufer haben, abgesehen von einzelnen Weltcups, nur bei Olympia und WM die Gelegenheit, vor größerer Kulisse aufzutreten. Sie hatten sich auf den Sapporo-Dome gefreut, der ihnen als seit Wochen ausverkaufte Arena und als ein völlig neues Erlebnis annonciert worden war. „Die, die da waren, haben mächtig Radau gemacht“, bestätigte Tobias Angerer. Nur: Es waren eben nicht viele da. Von den knapp 30 000 Zuschauern bei der Eröffnungsfeier verschwand die Hälfte vor dem ersten Wettbewerb. Am Dienstag verloren sich beim Langlauf gerade noch 850 Menschen in der Halle, die meisten von ihnen Europäer, die sich mit Elchgeweihen, Wikingerhelmen und Tirolerhüten auf den langen Weg gemacht hatten.

So hat die WM wenigstens schöne Bilder in die Welt geschickt. Folkloristisch betrachtet war das Aufeinandertreffen der japanischen Gastgeber und ihrer Besucher aus fernen Ländern durchaus reizvoll. Japan hat durchaus Eindruck auf seine Gäste gemacht. „Diese Etikette“, staunte der amerikanische Langläufer James Southam. Selbst wenn es nur um das Bezahlen mit der Kreditkarte geht, sind ihm die Japaner formvollendet korrekt erschienen: „Bei uns wird sie einfach nur hingeworfen.“ Den Australier Paul Murray faszinierte die Hilfsbereitschaft: „Stehst du 30 Sekunden verloren rum, erscheint jemand mit einer Karte.“

Sapporo war für sie ein großartiges Erlebnis. Aber da sprachen sie als Touristen. Nicht als Sportler.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben