Hansa verliert, die Fans sind betrübt

Seite 2 von 2
Willmanns Kolumne : Hansa Rostock und das Fanproblem
Frank Willmann

Hansas Fanbeautragter Joachim Fischer, genannt Schuppe.
Hansas Fanbeautragter Joachim Fischer, genannt Schuppe.Foto: Frank Willmann

Suptras ist Fanlyrik. Ein Wortspiel aus Supporters und Ultras. Die Rostocker waren bis vor kurzem in der Ultraszene berühmt und berüchtigt für ihren kreativen und stimmgewaltigen Support. Schuppe hat hier viel zu bereden. Die Suptras empfinden sich als  Stolz Hansas.

Die Hauptbaustelle Schuppes ist die fehlende Tribüne, die allen Fans eine Heimat gibt. Schuppe arbeitet an einem Konzept für die Zukunft. Doch er muss Kompromisse machen. Der Verein hat klare Vorstellungen, die Polizei auch. Sie wollen ein sicheres Stadion. Die Suptras wollen ihre Tribüne. Zwischen all den Interessensgruppen steht Schuppe. Im Spagatschritt versucht er zu vermitteln, Alternativen aufzuzeigen, am Althergebrachten zu rütteln. Das schafft Kritiker bei allen Fraktionen. Gerüchte werden gestreut, gegen die Schuppe ankämpfen muss. Wir treffen an diesem Abend viele Leute, die Schuppe auf die Schulter klopfen, ihn umarmen und ihm "Weiter so!" zurufen. Sie sind der Treibstoff für Schuppes Tun. Das 1:0 für Hansa fällt. Der Jubel der trotzigen Ultras gerät dürftig. Wir gehen weiter, zu den Auswärtsfans. Nicht viel zu tun für Ordner und Polizei. Mehr Polizisten als Fans im Gästeblock. Die elf Aufrechten stehen ganz unten im Block und vermeiden Blickkontakte in Richtung Hansafans. Nach dem Spiel sorgt Schuppe dafür, dass sie zügig von Polizei und Ordnern zu Taxen gebracht werden. Die elf behalten Rostock in guter Erinnerung.

An der Haupttribüne stehen in langer Reihe die Rollies der Behindertengruppe. Es gibt Platz für 75 Rollies. Zu jedem Spiel kommen zwischen 20 und 60 Rollstuhlfahrer, für günstige fünf Euro Eintritt. Einer lässt sich den Kümmerling reichen. Schuppe hat für viele ein Wort, schüttelt Hände, klopft auf Schultern.

In die nächste Kurve kommen wir in der Halbzeit. Hier steht der Nachwuchs, aber auch viel buntes Volk. Inzwischen ist sie für die Stimmung im Stadion zuständig. Zwei Vorsänger machen Alarm, etwa die Hälfte des Blocks fällt mit ein und treibt die müde wirkende Hansakogge nach vorn. Das 1:1 fällt. Der dunkle Block der Suptras ist hier nicht zu hören.

Wir erreichen die dritte Fanecke. Hier stehen viele ältere Fans und Leute, die sich einfach nur einen günstigen Stehplatz leisten können. Organisierten Support gibt es nicht, manchmal stimmt einer spontan etwas an, wenn die Masse Lust hat, stimmt sie ein. Freilich ist ein beständiges Grummeln zu hören, was sich zu einem ernüchterten Miniorkan steigert, als Ingolstadt das 2:1 erzielt. Wieder wird Schuppe von allen Seiten angesprochen. Zwischendurch klingelt ein paar Mal das Telefon, Schuppe sprintet kurz los, um kleinere Zwistigkeiten zu klären und Problemzonen zu befrieden.

Hansa verliert an diesem Abend das wichtige Spiel gegen Ingolstadt. Betrübte Fans machen sich auf den Heimweg zu ihren Lieben oder auf in die Kneipe, um Trost zu finden. Schuppe ist noch immer im Einsatz und besucht eine junge Fangruppe. Enttäuschung auch dort, aber auch Vorfreude. Auf das nächste Auswärtsspiel in Braunschweig. Schuppe wird dabei sein. 

Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

5 Kommentare

Neuester Kommentar