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Wintersport : Dominik Paris gewinnt die Hahnenkamm-Abfahrt

Der Italiener Dominik Paris hat die legendäre Abfahrt in Kitzbühel gewonnen. Josef Frestl sicherte sich einen starken siebten Platz auf der "Streif".

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Richtung Tagessieg: Der Italiener Dominik Paris gewann am Freitagmittag auf der Streif
Richtung Tagessieg: Der Italiener Dominik Paris gewann am Freitagmittag auf der StreifFoto: dpa

Fast nichts war so wie sonst am Tag der Hahnenkamm-Abfahrt in der Gamsstadt. Kein Mega-Stau durch Kitzbühel, die Anzahl der Feierbiester hielt sich tagsüber auch in Grenzen, ebenso die der Zuschauer. Die Wetterprognose hatte die Veranstalter des berühmtesten Skirennens der Welt genötigt, die Abfahrt kurzfristig einen Tag nach vorne zu ziehen, also am gestrigen Freitag und nicht wie sonst in Kitzbühel üblich an diesem Samstag stattfinden zu lassen. Dass mit Weltstar Arnold Schwarzenegger außerdem ein Dauergast aus den vergangenen Jahren fehlte, lag aber womöglich nicht an der Verschiebung. Vielleicht ahnte er einfach, dass es wieder nichts werden würde mit einem Sieg eines Landsmanns. Zum fünften Mal in Serie stand kein Österreicher ganz oben auf dem Podest.

Ferstl durfte auf eine Überraschung hoffen - kurz

Eine Weile musste die Skination sogar befürchten, dass schon wieder ein Piefke schneller sein würde. Als Josef Ferstl mit Nummer vier startete, waren bereits zwei Österreicher im Ziel. Der eine, Hannes Reichelt, hatte 2014 für den letzten Abfahrtserfolg seines Teams auf der Streif gesorgt, der andere, Matthias Mayer, wurde 2014 Olympiasieger in dieser Disziplin. Aber der Deutsche setzte sich unter dem Raunen und anerkennenden Beifall der Zuschauer vor die beiden und nahm Platz auf dem Stuhl des aktuell Führenden. Ein wenig erinnerte die Situation an das Jahr zuvor, als Thomas Dreßen mit Bestzeit im Ziel abgeschwungen hatte. Damals waren die Favoriten allerdings bereits im Ziel, dieses Mal standen die meisten noch oben. „Freilich habe ich gehofft, dass es für ihn so ausgehen könnte wie für mich letztes Jahr“, sagte der Streif-Sieger von 2018, der nach seinem Kreuzbandriss das Rennen als Zuschauer verfolgen musste.

Josef Ferstl hatte nach seinem Lauf Grund zur Freude.
Josef Ferstl hatte nach seinem Lauf Grund zur Freude.Foto: Leonhard Foeger/Reuters

Ferstl durfte ein paar Minuten lang auf eine Überraschung hoffen, 40 Jahre nach dem zweiten Hahnenkamm-Sieg seines Vaters Sepp Ferstl. Dann unterbot Beat Feuz die Zeit um 0,90 Sekunden. Der Schweizer war im Jahr davor bereits als Gewinner gefeiert worden, ehe ihn Dreßen noch die goldene Gams, die Trophäe für den Schnellsten, entrissen hatte. Auch dieses Mal blieb ihm auf der anspruchsvollen Piste, auf der der für Schweden startende Alexander Köll als einziger schwer gestürzt ist, nur der zweite Platz, denn Dominik Paris aus Italien war noch einmal zwei Zehntelsekunden schneller. „Ich weiß nicht, ob der heimlich trainiert hier oder was der macht“, sagte Ferstl über den Sieger, der bereits 2013 und 2017 das Hahnenkamm-Rennen gewonnen hatte. Das österreichische Leiden linderte Otmar Striedinger, zumindest etwas, er schob sich noch vor auf den dritten Platz.

Dezimiertes DSV-Team bietet einen guten Gesamteindruck

Für Ferstl reichte es am Ende zu Rang sieben, sein bestes Ergebnis in Kitzbühel und sein bestes in einer Weltcup-Abfahrt seit gut vier Jahren. In Abwesenheit der verletzten Dreßen und Andreas Sander (ebenfalls Kreuzbandriss) hat der 30-Jährige vom SC Hammer die Führungsrolle in der deutschen Speed-Mannschaft angenommen. „Wir sind zwar um die Hälfte reduziert, aber das heißt nicht, dass wir nichts können“, sagte Ferstl.

Nicht nur er sorgte dafür, dass auch die diesjährige Kitzbühel-Abfahrt dem Deutschen Skiverband in guter Erinnerung bleiben wird und die Trainer zudem optimistisch auf den Super-G am Sonntag blicken können. Dominik Schwaiger vom WSV Königssee landete trotz eines schweren Fehlers auf dem 17. Platz – ebenfalls sein bestes Abfahrtsresultat. Und mit dem Allgäuer Manuel Schmid als 28. holte auch der dritte DSV-Starter Weltcup-Punkte.

Die dezimierte Mannschaft macht derzeit das Beste aus ihrer Situation. „Den Strudel“, sagte Ferstl, in den die Techniker um Felix Neureuther und Stefan Luitz nach ein paar Rückschlägen zuletzt geraten waren, „haben wir gut umgangen und kämpfen weiter, dass wir da nicht reinkommen“. Während sich Ferstl auch schon in den vergangenen Jahren in den Top Ten bewegt hatte, wenngleich nicht so oft wie in dieser Saison, machten Schwaiger und Schmid dagegen einen Sprung. Beide arbeiteten sich zuletzt in die Gruppe der besten 30 Skirennläufer vor und dürfen nun auf einen weiteren Höhepunkt hoffen. Vermutlich können sie bereits in einer Woche den erfahreneren Kollegen Ferstl zur Ski-WM nach Are begleiten..

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