Wintersport : Grüne Wiesen zur falschen Zeit

Der Wintersport spürt den Klimawandel – der deutsche Nachwuchs leidet schon darunter.

Catharina Hopp
Weit und breit kein weiß an der Piste. In tieferen Lagen dürfte das in den kommenden Jahren Normalzustand werden.
Weit und breit kein weiß an der Piste. In tieferen Lagen dürfte das in den kommenden Jahren Normalzustand werden.Foto: Swen Pförtner/dpa

Skispringen in Titisee-Neustadt am kommenden Wochenende: abgesagt. Zu warm, zu regnerisch. Der Weltcup der Ski- und Snowboardcrosser im Montafon in Österreich nächste Woche: geht nicht, zu wenig (Kunst-)Schnee. Skirennen im französischen Val d’Isère am übernächsten Wochenende: gecancelt – aus allen bisher genannten Gründen. Die Biathleten fallen etwas aus dem Rahmen, ihre Rennen vom Mittwoch mussten wegen Nebels auf Donnerstag verschoben werden. Das ist durchaus normal in einer Sportart, die nun einmal draußen stattfindet.

Aber wie sieht es mit Wärme und Regen aus? Täuscht der Eindruck, oder häufen sich die Probleme, Stichwort: Klimawandel? Ralph Eder, Sprecher des Deutschen Ski-Verbands (DSV), will sich nicht festnageln lassen. Wettersituationen seien im Wintersport nichts Neues. „Entweder haben wir zu wenig Schnee, oder zu viel. Im letzten Jahr war es eher zu viel.“ Eine Veränderung im Klima sei dennoch deutlich spürbar: „In den Dörfern fallen die kleinen Lifte weg, das macht die Nachwuchsarbeit nicht leichter.“

Die Prognosen der Klimaforscher sind besorgniserregend

Folgt man den Prognosen vieler Klimaforscher, dürfte es bald nur noch einige wenige Stützpunkte und Wettkampfstätten geben, weit oben auf Gletschern. Professor Stephan Pfahl von der Freien Universität Berlin arbeitet mit seinen Kollegen an Klimamodellen und -prognosen. Er geht davon aus, dass es künftig viele Lagen mit wenig Schnee und wenige mit sehr viel Schnee geben wird. „Allgemein lässt sich sagen, dass die Temperatur in den Mittelgebirgen deutlich häufiger über null Grad liegen wird. Dementsprechend fällt der Niederschlag eher als Regen und Beschneiung ist bei Plusgraden auch nicht effektiv.“ In hohen Alpenlagen ist es etwas komplexer, sagt Pfahl: „Wenn es dort nicht mehr ganz so kalt ist, sondern die Temperaturen sich der Null annähern, dabei aber im Minusbereich bleiben – dann gibt es mehr Niederschlag. Und das bedeutet in dem Fall: mehr Schnee.“ Diese Lagen könnten vom Klimawandel also sogar profitieren.

Beim DSV hat man natürlich auch diverse Reports und Vorhersagen studiert. Dabei sind vor allem sehr lokale Auswertungen interessant, sagt Verbandssprecher Eder: „Es gibt Phänomene gegen den Trend. Der Volksmund spricht von ’kalten Löchern’ auf den Nordseiten von Bergen oder Tallagen, in denen sich ’Kaltluftseen’ bilden können. Da beschneit man einmal und kann wochenlang fahren.“ Auch auf seine drei wichtigsten Winterstützpunkte in Berchtesgaden, Garmisch-Partenkirchen und Ruhpolding sieht der Verband aufgrund ihrer jeweiligen Lage keine größeren Probleme zukommen. Ansonsten ist Kreativität gefragt: „Dieses Jahr konnten wir bis August super auf Schweizer Gletschern trainieren“, erzählt Eder. Also ging es für die Leistungsträger in die Schweiz. „Aber mit dem Nachwuchs können wir das natürlich nicht machen.“

Problematisch ist das vor allem für die alpinen Abfahrer. Ihre Pisten müssen besonders gut präpariert sein. Ohne Schnee geht da nichts. Deutlich entspannter können Biathleten und Skispringer in die warme Zukunft schauen. Die einen können zur Not auf Rollski fahren, die anderen auf Matten landen. Das geht auch bei fünf Grad plus und Regen. Ob das dann allerdings noch annähernd so viele Zuschauer interessiert wie jetzt, darf bezweifelt werden. Nicht umsonst wird ja auch auf Schalke im Ruhrgebiet tonnenweise Schnee angekarrt, wenn die Biathleten auflaufen.

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