Sport : Wir glauben an den Nikolaus

Stefan Hermanns

Peter Pander, der Manager von Borussia Mönchengladbach, ist derzeit wirklich nicht vom Glück begünstigt. Am Samstag aber, nach der 13. Niederlage seiner Mannschaft im 24. Spiel der Saison, ist dem Glücklosen zumindest eine hübsche Formulierung geglückt. „Jeder Spieltag, der an uns ohne einen Dreier vorbeiläuft, macht die Lage natürlich prekärer“, hat Pander gesagt, und dieser Satz enthüllt zumindest das unterschwellige Problem der Gladbacher. Offensichtlich glauben sie immer noch, dass der Spieltag eine Art Nikolaus ist, der Woche für Woche mit einem großen Sack vorbeikommt und seine Geschenke über die Liga bringt. Mit fünf Siegen und 18 Toren sind die Borussen bisher recht dürftig bedacht worden.

Alle unten punkten, nur die genügsamen Gladbacher nehmen klaglos, was scheinbar für sie bestimmt ist: Sie haben sich in der Vorrunde ohne Murren eine unappetitliche Diskussion um ihren Trainer Jupp Heynckes aufdrängen lassen, und weil sie immer so schön brav waren, bekommen sie jetzt zum Dank die Personalie Stefan Effenberg geschenkt. Der frühere Gladbacher hat ganz nebenbei erwähnt, dass er seinem alten Verein in der Not natürlich gerne helfen würde, was die des Panders überdrüssigen Gladbacher Fans gleich als günstige Gelegenheit begriffen haben, den ungeliebten Sportdirektor endlich loszuwerden. „Kommt Effe?“, hat die „Bild am Sonntag“, die vermeintliche Stimme des Volkes, gestern gefragt.

Das Gift wirkt also schon. Und das liegt vor allem daran, dass Borussias Präsidium es wieder einmal versäumt hat, sich solche Einmischungen entschieden zu verbitten und das Angebot des gelangweilten Florida-Urlaubers Effenberg als das zu bezeichnen, als was es zu bezeichnen wäre: als lächerlich. Wahrscheinlich wollte der Verein seinen alten Freund Effenberg nicht endgültig vergraulen. Aber was hat Borussia eigentlich für Freunde, die in einer solchen Situation ausschließlich ihren eigenen Vorteil im Sinn haben?

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