So sieht die neue WM-Taktik aus

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WM 2014 : Die neue Taktik des Joachim Löw

Die Startelf soll den Gegner von Anfang an intensiv bearbeiten, nach der Pause beginnt dann Phase zwei mit frischen Kräften. „Die ersetzen nicht einfach nur einen Spieler“, sagt der Bundestrainer. „Die haben die Aufgabe, der Mannschaft neue Energie zu geben. Im Zweifelsfall machen diese Spieler den Unterschied aus.“ Löw spricht von Spezialkräften, die den Gegner empfindlich treffen können. „Es ist ein Vorteil, wenn man noch mal nachlegen kann.“

Gerade in der Offensive verfügt Löw über etliche Optionen. Theoretisch kann er nach einer Stunde seine zweite Sturmreihe aufs Feld schicken. „Hier bei der WM werden Spiele hinten heraus entschieden“, sagt Kapitän Philipp Lahm. „Da wird es wichtig sein, dass Spieler von der Bank kommen und dann voll auf dem Platz sind.“ So wie gegen Kamerun eine Woche vor dem Abflug nach Brasilien, als der eingewechselte Lukas Podolski das 2:1 des eingewechselten André Schürrle vorbereitete. Im letzten Test gegen Armenien wurden sogar vier der sechs Tore durch Einwechselspieler erzielt.

Der Bundestrainer besitzt auch die Möglichkeit, durch gezielte Wechsel sein System umzustellen. Gegen die Portugiesen könnte er zum Beispiel mit einer falschen Neun im Sturm beginnen, um deren kantige Innenverteidiger in stete Bewegung zu versetzen – und dann Miroslav Klose bringen, der die Sache als Vollstrecker zu Ende bringt. So ähnlich hat es auch Pep Guardiola bei den Bayern gehalten. Der Spanier besitzt nicht unbedingt ein Faible für den klassischen Stoßstürmer, trotzdem hat er Mario Mandzukic immer wieder von der Bank gebracht, wenn das Spiel seiner Mannschaft klemmte.

Fleißiges Wechseln könnte für Löw auch zu einem wichtigen Mittel der Mannschaftshygiene werden. „Wir haben Spieler, die es in ihren Vereinen nicht gewohnt sind, auf der Bank zu sitzen“, sagt Philipp Lahm. Das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden und nicht nur aus Mitleid für ein paar Minuten aufs Feld zu dürfen, streichelt das eigene Ego. Löw jedenfalls spricht den Einwechselspielern „eine ganz besondere Verantwortung“ zu. „Es ist keine Strafe, wenn ich nicht immer von Minute eins an auf dem Platz bin“, sagt er. „Es ist vielleicht sogar manchmal ein Vorteil, von der Bank zu kommen.“ Man muss anschließend nur das entscheidende Tor erzielen.

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