WM-Kolumne : Als die Schweden das 3:0 erzielten ...

Unser Kolumnist sagt voraus, was in Deutschland passiert, wenn die Nationalelf am Samstag verlieren sollte.

Frank Lüdecke
Jogi Löw würde bei einer Niederlage gegen Schweden wohl erstmal abtauchen.
Jogi Löw würde bei einer Niederlage gegen Schweden wohl erstmal abtauchen.Foto: dpa

… hatte Jogi Löw das Stadion bereits verlassen. Das Tor war eine Kopie des zweiten gewesen. Kimmich musste irgendwie die Anweisungen falsch verstanden haben. Jedenfalls hatte er sich vorne erneut bei einem Dribbling verheddert und fehlte nun hinten. Hummels schrie noch: „Zurück! Zurück!“ Aber Boateng signalisierte, so schnell ginge das nicht mehr. Es entstand eine Überzahl, die Schweden machten das clever. Wohin Löw geflüchtet war, wusste niemand.

In den sozialen Medien war die Hölle los. Dass sich das deutsche Team in der letzten Viertelstunde redlich mühte, interessierte niemanden mehr. Dabei gab es noch ein paar schöne Ansätze. Der geblockte Freistoß von Özil etwa, oder dass der eingewechselte Gomez nach einer Ecke beinahe zum Kopfball gekommen wäre.

Nach dem Schlusspfiff überschlugen sich die Ereignisse. Im Fernsehen erlitt Oliver Kahn einen Tobsuchtsanfall. Mit Schaum vor dem Mund brüllte er: „Grüppchenbildung! Scheiß-Grüppchenbildung!" Dem widersprach ein DFB-Sprecher über Twitter. Von Grüppchenbildung könne keine Rede sein. Die Mannschaft sitze geschlossen im Flieger nach Frankfurt. Man bitte um Verständnis, aber unter diesen Umständen könne das noch ausstehende Spiel gegen Südkorea nicht mehr absolviert werden.

Von Löw fehlt jede Spur

In Frankfurt kam die Maschine nie an. Sie wurde nach Albanien weiter geleitet. Das war zwingend notwendig geworden, weil aufgebrachte Fans in der Mainmetropole zunächst die DFB-Zentrale verwüstet hatten und dann marodierend zum Flughafen weiter gezogen waren. Der Flugverkehr von und nach Frankfurt musste vorübergehend eingestellt werden.

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Deutschland gegen Schweden - das erste Finale
Deutschland gegen Schweden - das erste Finale

In einer Fernsehansprache begründete Angela Merkel sachlich und ruhig die Verhängung des Ausnahmezustandes. Sie bat um Verständnis und Mäßigung. In vier Jahren in Katar könne ein neuer Anlauf genommen werden. Sie versprach, auch wieder die Spielerkabine aufzusuchen.

Alice Weidel warnte auf ihrer Homepage, wenn wir noch mehr Flüchtlinge ins Land ließen, würden wir uns nicht mal mehr für die nächste EM qualifizieren. Eine Frau namens Barley erklärte in der „Tagesschau“, sie sei Justizministerin, und die Bürger sollten bitte von Klagen gegen den DFB oder einzelne Spieler absehen. Sportliche Niederlagen seien nach dem deutschen Strafrecht nicht justiziabel.

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Podolski 'ganz entspannt': Keine Angst vor Schweden
Podolski 'ganz entspannt': Keine Angst vor Schweden

Gerüchten zufolge bat Erdogan einigen deutschen Nationalspielern politisches Asyl an. Marvin Plattenhardt war nicht darunter. Das konnte man mit Gewissheit sagen, denn ein RTL-Team hatte ihn einen Tag später bei einem Friseur in Tirana ausfindig gemacht. Der Herthaner, der den Vorzug vor Hector erhalten hatte, machte kein schlechtes Spiel, blieb aber leider ohne Ballkontakt. Er sagte, für ihn sei die WM eine tolle Erfahrung gewesen, insgesamt hätte er sich die Sache aber anders vorgestellt.

Von Jogi Löw fehlte auch am Tag danach noch jede Spur. Es wurde behauptet, er habe das Traineramt niedergelegt und halte sich derzeit in Südamerika auf. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Morgen soll die mit Spannung erwartete TV-Diskussion bei Anne Will stattfinden: „Wird die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs überschätzt?“ Es diskutieren die Experten Johann Lafer, Udo Walz und Gloria von Thurn und Taxis.

Unser Kolumnist Frank Lüdecke.
Unser Kolumnist Frank Lüdecke.Foto: Derdehmel

Frank Lüdecke ist Kabarettist und begleitet die Bundesliga immer montags mit einer Kolumne im Tagesspiegel. Hier schreibt er im Wechsel mit Nadine Angerer, Jens Hegeler, Sven Goldmann, Roman Neustädter, Philipp Köster und Harald Stenger.

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