Zu viel Emotion in der Bundesliga : Der Fußball braucht endlich neue Regeln

Fußball ist hochemotional, weshalb Platzverweise nicht mehr zeitgemäß sind. Und überhaupt: In diesem Sport muss sich noch viel mehr ändern. Eine Glosse.

Auf dem Fußballplatz wird zuweilen mehr geredet als gespielt. So kann es nicht weitergehen.
Auf dem Fußballplatz wird zuweilen mehr geredet als gespielt. So kann es nicht weitergehen.Foto: dpa

Im Fußball wird mal wieder debattiert. Erst taten das die Spieler auf dem Platz mit den Schiedsrichtern. Nach Ansicht Letzterer jedoch viel zu oft, weshalb sie neuerdings lieber Karten zücken, als sich auf Diskussionen einzulassen. Und deshalb reden nun die Trainer. Statt mit ihren Spielern über deren Verhalten allerdings lieber über das der Schiedsrichter. Kann ja auch nicht sein, dass die eine Regelverschärfung erst ankündigen und sie dann tatsächlich auch umsetzen.

Auffällig dabei ist, dass wie auch immer geartete Meinungsverschiedenheiten zwischen Spielern und Unparteiischen in anderen Sportarten längst nicht so extrem ausgelebt werden wie im Fußball.

Was uns nun zu einem Vorschlag wie dem von Handball-Schiedsrichter Lars Geipel führt. Der regte in der "Rheinischen Post" an, Spieler künftig nur noch temporär und nicht mehr dauerhaft vom Platz zu stellen. Borussia Mönchengladbachs Alassane Plea hätte sich demzufolge beim Spiel in Leipzig für ein paar Minuten außerhalb des Platzes abkühlen können und wäre danach komplett resozialisiert wieder aufs Spielfeld zurückgekehrt.

Nettospielzeit, Shoot-Out und vier Viertel statt zwei Halbzeiten

Und weil das so schön klingt, könnten die Fußball-Oberen doch gleich noch über ein paar weitere Regeln aus anderen Sportarten nachdenken. Sie haben sie ja selbst schon ins Spiel gebracht.

Ralf Rangnick beispielsweise fände eine Nettospielzeit toll, in der wie im Eishockey die Uhr bei jeder Unterbrechung angehalten wird. Und auch Marco van Basten ist Eishockey-Fan, jedenfalls liegt dieser Schluss nahe. Der frühere Weltklassestürmer würde gern das Unentschieden abschaffen. Sollte es nach 90 Minuten keinen Sieger geben, könnte der ja in einem Shootout ermittelt werden. Der Spieler würde mit dem Ball am Fuß auf den Torwart zulaufen, was natürlich viel cooler ist als ein läppisches Elfmeterschießen.

Aber es geht noch mehr: Warum eigentlich noch zwei Halbzeiten spielen, wo vier Viertel doch viel mehr Zeit für Werbung zwischendurch lassen? Im Hockey geht das schließlich seit ein paar Jahren auch.

Dazu wird der sowieso umstrittene Videobeweis wieder kassiert und durch "Coaches Challenges" ersetzt. Wie im American Football werfen die Trainer dann mit einem roten Lappen um sich, wenn sie eine Szene noch einmal überprüft wissen wollen. Und weil der US-Sport ja derart milliardenschwer ist, braucht es dringend Play-offs und vielleicht ein Meisterschaftsendspiel, das der Einfachheit halber "Super Ball" genannt werden könnte.

Das kann man alles machen. Auch über die Abschaffung von Abseits ließe sich reden, die Hälfte der Bevölkerung versteht das ja angeblich ohnehin nicht. Das reformierte Spiel könnte so auch gleich umbenannt werden. Am besten alle paar Jahre. Nicht, dass am Ende noch der Stoff für Diskussionen ausgeht. Übrigens: Im Rugby darf nur der Kapitän einer Mannschaft mit dem Schiedsrichter sprechen. Dass es dem Sport an Emotionen mangelt, wurde ihm trotzdem noch nie vorgeworfen.

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