Zu viele Gegentore für die Eisbären : Torhüter ohne Rückhalt

Nach drei Niederlagen mit insgesamt 16 Gegentoren bemängelt Trainer Serge Aubin die Leistungen seiner Torhüter. Das ist gewagt. Ein Kommentar.

Selbst reingelegt. Maximilian Franzreb bei einer unglücklichen Abwehr, die zu einem Gegentreffer in Schwenningen führte.
Selbst reingelegt. Maximilian Franzreb bei einer unglücklichen Abwehr, die zu einem Gegentreffer in Schwenningen führte.Foto: Eibner/Imago

16 Gegentore in drei Spielen, das ist im Eishockey eine trübe Marke. Die Eisbären sind betroffen und getroffen, drei Niederlagen in Folge haben die Berliner nach ihrem langen Zwischenhoch in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hingelegt.

Nach dem 4:5 beim Tabellenletzten Schwenningen am Sonntag sagte der unzufriedene Trainer Serge Aubin nun, dass es kein Geheimnis sei, dass sich sein Team auf der Torwartposition steigern müsse. Das heißt mehr oder weniger: Unsere Torhüter sind zu schlecht, wir brauchen einen neuen Mann. Eine erstaunliche Aussage, ist es doch ein Trainer-Wagnis, dem eigenen Torwart keinen Rückhalt zu geben.

„Never criticize your wife or your goalie“

Ein ehemaliger Trainer der Eisbären hat einmal gesagt: „Never criticize your wife or your goalie“. Der erste Teil des Spruchs impliziert ein schräges Frauenbild, aber im zweiten Teil steckt ein Stück Wahrheit drin. Der Torwart bekleidet eine sensible Position im Mannschaftssport, er spielt ein anderes Spiel als seine Mitspieler, die vor allem an erzielten Toren gemessen werden.

Ein Torwart verhindert Tore und sein Wert und seine Stärke lassen sich mit allen Fangquoten der Welt nicht so gut belegen wie der Erfolg eines Stürmers. Ein Torwart ist der letzte Mann auf dem Eis. Wie sich ein Torwart gibt, wie er ich verhält – das strahlt auf das ganze Team aus. Was ein Torwart in jedem Fall braucht, ist Rückhalt von oben.

Bei den Eisbären haben sie darauf in dieser Saison weitgehend verzichtet. Sebastian Dahm, der erfahrene dänische Nationaltorwart, durfte mit der ersten Saisonniederlage am zweiten Spieltag kritisiert werden, ohne dass der Trainer sich schützend vor ihn gestellt hätte.

Die Welt ist eine Scheibe. Für Eisbären-Torhüter Sebastian Dahm (l.) aber eine mit dünnem Eis.
Die Welt ist eine Scheibe. Für Eisbären-Torhüter Sebastian Dahm (l.) aber eine mit dünnem Eis.Foto: Andreas Gora/dpa

Allein Sportdirektor Stéphane Richer hat Dahms Verpflichtung verteidigt. Der Goalie stand von Anfang an in der Saison ungeschützt unter Druck, trotzdem hat der Däne gute Spiele hingelegt.

Aber er war wohl mental nicht stark genug, von den drei jüngsten Niederlagen hat Dahm zwei eingeleitet und wurde dann entnervt ausgewechselt. Bei der dritten Niederlage am Sonntag in Schwenningen stand Maximilian Franzreb im Tor.

Einen von fünf Gegentreffern legte er sich selbst ins Netz, bei den anderen vier konnte er bei aller Liebe nichts machen. Und: warum sollte Franzreb, der als kaum eingesetzter Reservetorwart schon 23 Jahre alt geworden ist, in guter Form sein, wenn seine Entwicklung seit Jahren nicht gefördert wird?

Serge Aubins Kritik an den Torhütern ist nicht unberechtigt, aber öffentlich geäußert ist sie auch nicht klug. Eines ist klar: Sollten die Eisbären nun noch einen neuen Torwart verpflichten, sind sie gut beraten, sich öffentlich hin hinter zu stellen – auch nach einem schwachen Spiel. Denn jede öffentliche Kritik macht einen Torwart im Normalfall schwächer und nicht stärker.

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