• Zum 70. Geburtstag von Waldemar Cierpinski: Zwei Olympiasiege und drei legendäre Reportersätze

Zum 70. Geburtstag von Waldemar Cierpinski : Zwei Olympiasiege und drei legendäre Reportersätze

Marathon-Legende Cierpinski holte zwei Olympiasiege für Deutschland – und wurde berühmt durch die Sätze eines Reporters. Heute wird er 70 Jahre.

Going for Gold. Cierpinski beim Zieleinlauf bei den Olympischen Spielen 1980. Schon vier Jahre zuvor war er in Montreal als Erster angekommen. Foto: Sven Simon/Imago
Going for Gold. Cierpinski beim Zieleinlauf bei den Olympischen Spielen 1980. Schon vier Jahre zuvor war er in Montreal als Erster...Foto: imago images/Sven Simon

Die berühmtesten drei Sätze seiner langen Reporterkarriere schickte Heinz Florian Oertel dem Jubilar als Geburtstagsgruß von Berlin nach Halle – und wünschte Waldemar Cierpinski dann noch „alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen“. Selbst kann der 92-Jährige nicht zur Party des zweimaligen Marathon-Olympiasiegers in die Saalestadt kommen. Aber Oertel wird an diesem Montag an seinen Freund denken, der seinen 70. feiert. „Und ich würde es noch einmal sagen: Liebe junge Väter oder angehende – haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages Waldemar! Waldemar ist da!“

Mit diesen drei Sätzen hatte er Cierpinski und sich selbst am 1. August 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau ein kleines Denkmal gesetzt. Auch das erste Goldrennen des Marathonläufers – 1976 in Montreal – hatte Oertel kommentiert.

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„O weh, dachte ich – schon 70?“, schreibt Cierpinski im Vorwort seines Buchs „Nennt Eure Söhne Waldemar“. Auf 64 reich bebilderten Seiten schildert er seine beiden Goldläufe – und die Begegnungen mit 19 Wegbegleitern, DDR-Olympioniken der Sommer- und Winterspiele 1976 und 1980. Eine berührende Widmung kommt von Äthiopiens Wunderläufer Haile Gebrselassie. Der MDR drehte eine Dokumentation („Legenden“) über Cierpinskis Deutschland-Tour, der Film ist über die Mediathek abrufbar.

„Diese Begegnungen haben mich sehr berührt“, sagt Cierpinski über seine Tour durch den Osten der Republik, die ihn bis auf die Insel Rügen zu Bob-Olympiasieger Meinhard Nehmer führte. „Da hat sich gezeigt, dass Menschen, die im Sport groß geworden sind, auch heute noch ihren Mann oder ihre Frau stehen.“

Die geplante ganz große Party mit rund 150 Gästen in der Hallenser Kulturinsel muss wegen Corona ausfallen. Jetzt erst recht, dachte Cierpinski wohl – und feiert nun gleich mehrfach: Montagvormittag in seinem Hallenser Sportgeschäft mit Bekannten und Geschäftsfreunden, abends dann im erweiterten Familienkreis, am Mittwochabend mit seiner Fußballtruppe. „Das wird ganz gemütlich mit 20 Leuten. Ich gebe auch einen aus – aber erst nach dem Training“, meint der Marathon-Mann, der seit 40 Jahren „zwei- bis dreimal in der Woche“ Fußball spielt.

Mehr als 250 000 Kilometer ist Cierpinski in seinem Leben gelaufen

Nach der Tour von Erfurt bis zum Kap Arkona hat Cierpinski nachgerechnet. „Mit diesem Lauf hat mein Tacho jetzt die 250 000 gelaufenen Kilometer überschritten. Und auch diesmal fielen mir nicht alle Kilometer leicht“, schreibt er in seinem Buch. Mehr als 250 000 Kilometer, das sind 6000 Marathonläufe.

Wie damals alles anfing? Cierpinski muss lachen. „Als Kind habe ich geboxt, geturnt und war leidenschaftlicher Angler. Ich konnte aber auch ganz schnell laufen“, erzählt er. „Dann sagte mein Vater: Jetzt ist Schluss mit lustig – entscheide dich für eins!“ Der Junge wählt das Laufen, die Leichtathletik – der Startschuss für seine erfolgreiche Sportkarriere.

Schon mit 14 feiert Cierpinski seine ersten Siege – im Drei-Kilometer-Ehrgeizrennen gegen den Schulbus. „Ich war meist vor dem Bus zu Hause!“ Auch viele 500-Meter-Läufe zum Eismann, der am Ende des Dorfes läutete, hat er damals gewonnen. Der Lohn: eine Kugel Eis.

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Bis heute ist der Ostblock-Boykott von 1984 das Negativ-Erlebnis seines Sportlerlebens. „Ich wollte zum dritten Mal nach den Sternen greifen!“, verrät Cierpinski, der in seiner Wettkampfkarriere „27 oder 28“ Marathonläufe à 42,195 Kilometer absolviert hat – sowohl sein Debüt im Jahr 1974 als auch den letzten (1985) im slowakischen Kosice. Unglaublich: Mit seinen 2:09:55 Stunden von Montreal ist der Hallenser bis heute die Nummer sechs der DLV-Bestenliste.

Ehefrau Maritta hatte ihren Mann einst zum Wechsel von der Hindernis- auf die Marathonstrecke überredet, seit 47 Jahren sind die beiden ein Paar. Stolz ist der Vater auch auf Sohn Falk, der selbst ein Top-Marathonläufer und guter Triathlet war. „Wir halten immer noch den inoffiziellen Familien-Weltrekord im Marathon“, erzählt Cierpinski Senior. Ihre Bestzeiten addiert: 4:23:25 Stunden. (dpa)

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