Sport : Zum Sieg rotiert

Hitzfeld lässt Bayerns Stürmer häufig wechseln

Klaus Raab[München] Ingo Schmidt-Tychsen

Die Frage war eigentlich nur nett gemeint. Ob die Bayern nach dem Sieg in Berlin etwas relaxter in die Spiele gegen Madrid und Bremen gehen könnten, wollte jemand von Uli Hoeneß wissen. Der Bayern-Manager ließ den Fragesteller nicht einmal ausreden: „Beim FC Bayern ist nie etwas relaxt.“ Nur ein paar Schritte entfernt von Hoeneß stand Roy Makaay. Der Stürmer plauderte am Samstagabend vor dem Mannschaftsbus der Bayern über das Spiel gegen Hertha. „Das hat richtig Spaß gemacht heute.“ Makaay wirkte dabei sehr entspannt – Hoeneß wird ihm das wahrscheinlich trotzdem nicht übel nehmen. Erstens hatte Makaay ein Tor erzielt, und zweitens ist der 31-Jährige von Natur aus eher gelassen.

In der zurückliegenden Woche war Makaay nicht so lässig. Am vergangenen Samstag gegen Wolfsburg durfte er überraschend erst einmal auf der Bank Platz nehmen – geplaudert wurde deshalb erst einmal nicht. Nach seinem Treffer in Berlin ist Makaay wieder entspannt und Hoeneß das Gegenteil. Das sind nur zwei Indizien dafür, dass die Bayern zurück gefunden haben zu sich selbst. Vor allem im Angriff scheinen sich die Münchner Profis erholt zu haben von der Krise. Gegen Berlin trafen zwei Stürmer (Lukas Podolski und Makaay). Beim 2:1-Sieg über Wolfsburg holte Claudio Pizarro einen Elfmeter heraus, den Podolski verwandelte. Das Siegtor gegen Bielefeld vor drei Wochen erzielte Makaay. Trainer Ottmar Hitzfeld hat mit seinem Amtsantritt Anfang Februar eine Rotation im Angriff eingeführt, die seine Stürmer offenbar motiviert. In den fünf Bundesligaspielen unter Hitzfeld durfte nur zweimal das gleiche Stürmerpaar beginnen. „Ich möchte den Konkurrenzkampf ein bisschen anheizen“, sagte Ottmar Hitzfeld dazu. „Wir haben vier Topstürmer.“

Makaay, mit zwölf Toren der erfolgreichste Münchner Angreifer, wurde selbst nach seiner Einwechslung gegen Wolfsburg von Hitzfeld kritisiert: „Mir haben die 20 Minuten gegen Wolfsburg nicht gefallen, als er reinkam. Da muss es brennen. Und das habe ich nicht gesehen.“ Makaay hat das offensichtlich angestachelt – gegen Hertha war er auf dem gesamten Platz unterwegs. Podolski dagegen wird von Hitzfeld ganz behutsam mit Lob aufgebaut – der 21-Jährige kann mit Kritik nicht so viel anfangen, er braucht offenbar Nestwärme, um sein Potenzial ausschöpfen zu können.

Makaay und Podolski haben sich mit dem Spiel in Berlin einen Vorteil gegenüber Roque Santa Cruz und Pizarro erarbeitet und dürften am Mittwoch in der Champions League gegen Real Madrid zum Einsatz kommen. Pizarro wurde in Berlin eingewechselt, Santa Cruz ist momentan die Nummer vier in der Rotation. Beide sind zudem körperlich angeschlagen. In der vergangenen Woche brachte Santa Cruz deshalb einen Vereinswechsel ins Gespräch. „Wenn Bayern nun neue Spieler für die Offensive verpflichten möchte und mir die Chance gibt, den Verein zu verlassen, möchte ich das nutzen“, sagte er. Der 25-Jährige Paraguayer hat noch einen Vertrag bis 2009. Demnächst wolle er mit Uli Hoeneß darüber sprechen.

Ob die die Münchner Stürmer tatsächlich wieder zu alter Stärke gefunden haben, wird sich erst am Mittwoch gegen Madrid zeigen. So einfach wie gegen Hertha wird es dann wahrscheinlich nicht.

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