Zum Start der Deutschland-Tour : Zwischen Afri-Cola und Zukunft

Ab Donnerstag rollt die Deutschland-Tour durch vier Bundesländer. Was für Profis lächerlich wirkt, macht Sinn für die Zukunft des Radsports. Ein Kommentar.

Thürigen freut sich. In Erfurt endet die Deutschland-Tour am Sonntag.
Thürigen freut sich. In Erfurt endet die Deutschland-Tour am Sonntag.Foto: dpa/pa

Am Donnerstag rollen sie los. In Hannover startet die Deutschland-Tour, unter anderem mit Emanuel Buchmann und mit Geraint Thomas. Der Ravensburger Buchmann fuhr in diesem Jahr bei der Tour de France immerhin auf Rang vier. Thomas war Zweiter, im Jahr zuvor triumphierte der Waliser sogar auf den Champs-Élysées in Paris als Tour-Sieger. Zwei prominente Teilnehmer also, die da in den kommenden vier Tagen über insgesamt rund 700 Kilometer durch kleine Teile von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen streifen, bevor dann am Sonntag das Finale in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt stattfindet. Mit vier Etappen schon eine Rundfahrt? Vier Wochen nach der Tour-Tortur mutet dieses Kurzprogramm eher wie ein Ausrollen für Radprofis an, zumal es kaum Steigungen im Streckenprofil gibt. Da stellt sich die Frage nach dem Sinn so eines Deutschland-Tourchens.

Erst im vergangenen Jahr wurde die Deutschland-Tour wiederbelebt, nach ihrem Ableben im Jahr 2008. Überhaupt ist die Historie der Rundfahrt durch Deutschland ein Flickenteppich. 1911 hieß es bereits "Quer durch Deutschland" für die besten Radfahrer, seitdem firmierte das Konstrukt unter 14 verschiedenen Namen (Der beste davon war sicher die "Internationale Afri-Cola-Rundfahrt", 1960 bis 1962) und kam in gut 100 Jahren auf nur 31 Auflagen. Diese Geschichte spricht nicht dafür, dass so eine Radtour durchs Lande in Deutschland Sinn macht. Genauso wenig wie der momentane Eifer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Rundfahrt zu pushen. ARD und ZDF übertragen nämlich wieder lang und breit. Nach langer Sendepause im Doping-Sumpf des Radsports, der in Deutschland wieder salonfähiger geworden ist. Jedenfalls bis zum nächsten großen Dopingfall.

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Viele Menschen im Lande haben aufgrund der vielen Dopingfälle eine gespaltene Beziehung zum professionellen Radsport, der Sport hat aber trotzdem sehr viele Fans und Aktive. Nach dem gut angekommenen Tour-de-France-Start 2017 in Düsseldorf hatte sich die Deutschland-Tour auch ihre Neuauflage verdient, wie der Radsport sich immer wieder mal eine neue Chance verdient: Denn es sind nicht die Profis, die zwischen Hannover und Erfurt um ihre Zukunft kämpfen, sondern die vielen kleinen Klubs an der Basis. Für die sind größere Nachwuchsrennen enorm wichtig und die gibt es im Rahmen der Tour von der "Jedermann Tour" bis zur "Mini Tour" - dann, wenn noch nicht alle an der Strecke zuschauen. So gesehen ist der Deutschland-Tour zu wünschen, dass sie auch in der Zukunft ins Ziel kommt und ihre nächste Chance nutzen kann - für die Basis des Sports in Deutschland, aus der ja auch ihre Spitze wächst.

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