Zum Tod von Hans Günter Winkler : Der Mann mit Halla

Hans Günter Winkler war einer der erfolgreichsten Springreiter überhaupt und sorgte 1956 für eine Sternstunde des deutschen Sports. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

Hans Günter Winkler wurde 91 Jahre alt.
Hans Günter Winkler wurde 91 Jahre alt.Foto: Horst Ossinger/dpa

Natürlich ist es dieser legendäre Auftritt, sind es diese Bilder von Stockholm. Diese Szenen, die sich für ewig in die Köpfe der Menschen einbrennen: Ein Pferd trägt seinen angeschlagenen Reiter ins Ziel – zu olympischem Gold.

Hans Günter Winkler hatte sich in der ersten Runde der Einzel- und Mannschaftsentscheidung an der Leiste verletzt. Er konnte eigentlich nicht mehr auf sein Pferd steigen, er hatte sich schwer an der Leiste verletzt. Er tat es trotzdem, seine Mannschaft wäre sonst aus der Wertung gefallen. Und seine Stute Halla trug ihn ins Ziel, ohne einen einzigen Abwurf, fehlerlos. Zu zwei Mal Gold. Das war 1956, zwei Jahre nach dem Weltmeistertitel im Fußball und es war der zweite große sportliche Erfolg der noch jungen Bundesrepublik, der die Menschen mitriss.

Hans Günter Winkler war ein typisches Kind seiner Zeit. Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg, er war in Gefangenschaft, konnte aber fliehen und in Kronberg im Taunus fand er eine Anstellung als Stalljunge. Dort brachte er Mitgliedern der US Army das Reiten bei, unter ihnen war auch der damalige Militärgouverneur Dwight D. Eisenhower – von 1953 bis 1961 dann Präsident der Vereinigten Staaten. Winkler, dessen Vater Reitlehrer war, begann derweil mit dem gerade im Lande aufkommenden Springreiten und nahm Ende der Vierziger Jahre an ersten Turnieren teil. Schon 1950 ritt er mit Halla, er durfte dann aber an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki nicht teilnehmen. Weil er – aus heutiger Sicht nicht vorstellbar – wegen seiner Anstellung im Reitstall nicht als Amateur galt. Erst im Herbst 1952 wurde Winkler in den Amateurstatus versetzt und durfte so an Weltmeisterschaften (1954 und 1955 gewann er die) und Olympia in Stockholm teilnehmen. Nach seinen zwei goldenen Olympiamedaillen von 1956 kamen bis 1976 noch drei goldene Medaillen (eine weitere davon mit Halla), einmal Bronze und zum Abschluss 1976 noch einmal Silber dazu.

Der große Auftritt. Hans Günter Winkler und Halla holen Gold bei den Olympischen Spielen 1956.
Der große Auftritt. Hans Günter Winkler und Halla holen Gold bei den Olympischen Spielen 1956.Foto: dpa

Hans Günter Winkler wurde somit einer der erfolgreichsten Springreiter überhaupt und zudem war er in Deutschland bis in die späten Siebzigerjahre hinein sehr prominent – wenn auch der Fankult um den Herren mit dem kantigen Gesicht und den ovalen Brillengläsern eher vornehm zurückhaltend ausfiel.

Seine Stute Halla starb im Jahr 1979 im hohen Alter von 34 Jahren. In der Nacht zum Montag ist nun Hans Günter Winkler gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

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