• Zuschauer beim Fußball in Corona-Zeiten: Es braucht einen Mittelweg zwischen Gedränge und kompletter Leere

Zuschauer beim Fußball in Corona-Zeiten : Es braucht einen Mittelweg zwischen Gedränge und kompletter Leere

Beim Spiel in Belgrad dichtgedrängt, in München leere Ränge: Warum nicht eine schrittweise Zulassung von Fans im Stadion? Der deutsche Fußball könnte davon profitieren.

20.000 Fans, dicht an dicht - wie hier in Belgrad sollte es noch nicht zugehen. Wie kann ein Mittelweg aussehen? 
20.000 Fans, dicht an dicht - wie hier in Belgrad sollte es noch nicht zugehen. Wie kann ein Mittelweg aussehen? Foto: Darko Vojinovic/dpa

Die Bilder hätten unterschiedlicher kaum sein können. Hier, im Stadion Partizana, standen rund 20.000 Fans eng an eng, die sich im Nebel der bengalischen Feuer beim Stadtduell zwischen Partizan Belgrad und Roter Stern (1:0) die Kehlen aus dem Leib schrien. Und da, in der Münchner Arena, waren über 75.000 Sitzplätze leer beim DFB-Pokalspiel zwischen den Bayern und Eintracht Frankfurt (2:1). Zu hören waren in München nur das Ploppen des Balles sowie die Rufe der Spieler und der Trainer. Im Widerhall des riesigen Stadions verstärkte dies noch die bedrückende Stimmung. In Belgrad lebte der Fußball, in München war er tot – atmosphärisch.

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Tatsächlich ist ja die Frage nach Leben und Tod gerade der Grund für die Geisterspiele. Wo viele Menschen zusammenkommen, besteht die Gefahr, dass sich das heimtückische Coronavirus verbreitet. Nun schätzt ganz offensichtlich jedes Land dieses Risiko anders ein. In Serbien und Ungarn sind Zuschauer unter Auflagen wieder zugelassen. Sie sollen einen Mindestabstand von einem Meter und mehr einhalten. Doch einen heißblütigen Partizan-Fan beim Torjubel an die Abstandsregel zu erinnern, erscheint so aussichtsreich wie den Piusbrüdern das Beten zu verbieten.

Es ist legitim, sich für schrittweise Zulassung von Zuschauern auszusprechen

Trotz des abschreckenden Beispiels aus Belgrad ist es legitim, dass sich viele Fußball-Funktionäre für eine schrittweise Zulassung von Zuschauern in den Stadien aussprechen. Es kann einen Mittelweg zwischen Belgrad und München geben. Warum nicht unter zahlreicher und strenger Beobachtung von Ordnern eine bestimmte Anzahl an Zuschauern – sagen wir mal ein Drittel des Fassungsvermögens – zulassen?

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Die Gefahr, dass sich das Virus unter diesen Bedingungen verbreitet, dürfte um ein Vielfaches geringer sein als zum Beispiel in den seit Wochen geöffneten Kaufhäusern. Zumal, bei allem Respekt, den Fans hierzulande im Vergleich zu jenen aus Serbien ein bisschen das Heißblütige abgeht. Der Fußball in Deutschland hat jedenfalls die Chance verdient, dass er wieder lebendiger wird. Falls er sie nicht nutzt, kann er ja schnell wieder sediert werden.

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