Sport : Zwei Posten weniger

Handball-Manager Hildebrandt schwer unter Druck

Hartmut Moheit

Berlin - Frank Bohmann wartete vergebens, Bernd-Uwe Hildebrandt kam nicht zum verabredeten Gespräch mit dem Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. „Ich denke, er hatte anderes im Kopf“, entschuldigt Bohmann den Manager des SC Magdeburg zunächst, fügt dann aber hinzu: „Ich werde nun sehr schnell das Gespräch mit ihm suchen.“ Der Grund für die Eile: Hildebrandt, auch Vorsitzender der Handball-Bundesligavereinigung, hat gestern seinen Rücktritt als Manager des Bundesligisten SC Magdeburg erklärt. Wenige Stunden später präsentierte Magdeburgs Präsident Rolf Oesterhoff den neuen Manager Holger Kaiser. Am kommenden Dienstag soll der 41-Jährige, der derzeit noch als Trainer und Manager beim Zweitligisten Ahlener SG angestellt ist, die Nachfolge Hildebrandts antreten.

Der 48-jährige Hildebrandt, hat zugleich auch noch den Olympiastützpunkt Halle/Magdeburg geführt. Am Freitagabend ist Hildebrandt dann auch von seinem Amt als Leiter des Olympiastützpunktes suspendiert worden. Zuvor ist offensichtlich derart unter Druck geraten, dass er einer Abberufung durch die Gesellschafterversammlung der Magdeburger Handball GmbH zuvorgekommen ist. „Das ist kein Schuldgeständnis, ich möchte nur Schaden vom Klub abwenden“, sagt Hildebrandt dem Tagesspiegel.

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt aufgrund einer anonymen Anzeige von Mitte Dezember 2006 gegen Verantwortliche der Handball GmbH wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und weiterer Straftaten. Hildebrandt ist Geschäftsführer der GmbH. So sollen die Besucherzahlen bei Bundesligaspielen des SCM nach unten korrigiert worden sein, und die zusätzlichen Einnahmen eine schwarze Kasse gefüllt haben. Daraus sollen Spielergehälter bezahlt worden sein. Bernd-Uwe Hildebrandt, der sich zunächst „als Opfer einer Kampagne“ sah, sagt dazu: „In die Bördelandhalle gehen 7000 Zuschauer, in der Presse standen doch manchmal sogar 8000. Mehr möchte ich nicht sagen.“

Für die Profi-Handballer des SC Magdeburg könnte der Vorgang noch weitreichende Konsequenzen haben. Im Falle der Bestätigung des Anfangsverdachts, wofür umfangreiches Beweismaterial vorliegen soll, besteht die Gefahr, die Lizenz für die nächste Saison zu verlieren. „Die Unterlagen werden wir uns genau ansehen. Steuerschuld wäre ein schwerer Verstoß“, sagt Bohmann.

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