Zwei Wochen vorm ersten Pflichtspiel : Das sind die Baustellen von Hertha BSC

Für den neuen Hertha-Trainer Ante Covic gibt es noch einiges zu tun. Eine Analyse nach dem Sieg im Testspiel gegen Fenerbahce Istanbul.

Vedad Ibisevic und Dedryck Boyata (r.) kämpfen um den Ball.
Vedad Ibisevic und Dedryck Boyata (r.) kämpfen um den Ball.Foto: dpa

„Wir haben keine Zeit zu verschenken“, sagt Ante Covic, der neue Trainer von Hertha BSC. Das stimmt wohl. Etwas mehr als zwei Wochen sind es nur noch bis zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison. Wer sich aber in diesen Tagen das Training des Berliner Fußball-Bundesligisten Tagen anschaut, entdeckt noch viel Arbeit an fußballerischen Basics und weniger mannschaftstaktische Übungen. Auch den drittletzten Test in der Vorbereitung nutzte Covic nicht vorrangig dazu, seiner vermeintlichen Stammelf die Möglichkeit zum Einspielen zu geben. Beim 2:1-Erfolg gegen Fenerbahce Istanbul in Hartberg spielten am Donnerstagabend je zwei Teams je eine Halbzeit. So bleiben vor dem Auftakt im DFB-Pokal am 11. August gegen den Bayern-Regionalligisten VfB Eichstätt immer noch einige Fragen. Wir haben uns an Antworten versucht.

Wer ersetzt Valentino Lazaro?

Zumindest diese Frage scheint so gut wie geklärt. Dodi Lukebakio, vorige Saison an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen, ist der Spieler, den sich Hertha als Ersatz für den Österreicher Lazaro (zu Inter Mailand) ausgeguckt hat. Mit dem 21 Jahre alten Belgier, der schnell und torgefährlich ist, sollen sich die Berliner bereits geeinigt haben; mit seinem Verein, dem FC Watford, allerdings noch nicht. Eine Ablöse um die 20 Millionen Euro ist im Gespräch. Wenn alles gut läuft, könnte Lukebakio sogar noch im Trainingslager in Stegersbach zur Mannschaft stoßen.

Allerdings hat Lazaro nicht nur die offensive Außenbahn bespielt. Deutlich häufiger ist er in der vergangenen Saison als rechter Verteidiger aufgelaufen. Diese Vakanz will Hertha erst einmal mit internen Mitteln auffangen. Neben Peter Pekarik, der allerdings im Moment verletzt ist, kommen Lukas Klünter und Mathew Leckie für die Außenseiterrolle in der Viererkette in Frage. Manager Michael Preetz hält beide für „Kandidaten, die Lazaros Abgang auffangen können“. Ante Covic sprach beiden sein Vertrauen aus, wobei Leckies Auftritt gegen Fenerbahce einige Zweifel hinterließ, während Klünter sowohl das 1:0 durch Daishawn Redan als auch das 2:0 von Vedad Ibisevic vorbereitete. Herthas Trainer sieht für die Position erst einmal keinen gesteigerten Bedarf – weil die Situation im Grunde nicht anders sei als vor einem Jahr. „Da hat auch keiner mit Tino als rechtem Verteidiger gerechnet“, sagte Covic.

Wie wird die Innenverteidigung aussehen?

Dass der junge Florian Baak zu den Spielern gehörte, die nicht mit ins Trainingslager im Burgenland reisen durften, war alles andere als eine Überraschung. Für den 20-Jährigen dürfte es schwer bis unmöglich werden, seinen bisher drei Bundesligaeinsätzen in der kommenden Saison weitere hinzuzufügen. Das liegt nicht zuletzt an seiner Position: Baak ist Innenverteidiger. Für dieses Ressort verfügt Trainer Covic mit Niklas Stark, Karim Rekik, Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha über vier Kandidaten, die alle den berechtigten Anspruch haben, Stammspieler zu sein. Im von Trainer Covic bevorzugten 4-3-3-System gibt es allerdings nur zwei Planstellen.

Stark und Boyata sind Rechtsfüßer, Rekik und Torunarigha Linksfüßer. Aus jedem Duo könnte also idealerweise einer zum Einsatz kommen – und einer müsste draußen bleiben. Gegen Fenerbahce lief Stark in der ersten Halbzeit als Sechser im Mittelfeld auf. Was wie die Lösung eines Luxusproblems aussah, dürfte eher eine Ausnahme bleiben dürfte. Wahrscheinlicher ist nach den bisherigen Eindrücken die Variante Stark/Boyata als Pärchen in der Innenverteidigung. Von dem belgischen Neuzugang, der von Celtic Glasgow gekommen ist, ist Covic einigermaßen angetan. Herthas Trainer lobt die gute Zweikampfführung des 28-Jährigen, seine Präsenz und seinen – trotz Sprachproblemen – Willen zur Kommunikation. Innerhalb der Mannschaft zeigt sich Boyata sehr aufgeschlossen und bereits erstaunlich gut integriert, zudem lässt sich bei den kleinen Spielformen im Trainingslager erkennen, dass er trotz seiner Statur kein tumber Brecher ist, sondern den Ball durchaus pfleglich behandeln kann.

Wer wird sich im Mittelfeld durchsetzen?

Eduard Löwen ist zwar als Vize-Europameister mit der deutschen U 21 nach Berlin gekommen, trotzdem dürfte sich Herthas bisher teuerste Verpflichtung (sieben Millionen Euro) den Sommer ein bisschen anders vorgestellt haben. Bei der Junioren-EM in Italien stand er nicht eine Sekunde auf dem Platz, trotzdem hat er den Start der Vorbereitung bei seinem neuen Klub verpasst, weswegen Löwen seinen Kollegen und Konkurrenten aktuell ein wenig hinterherhechelt. Mit der Belastung hat er noch deutlich zu kämpfen, zudem fehlt ihm im Moment erkennbar die spielerische Leichtigkeit. Und auch wenn Trainer Covic dem 22-Jährigen, der gegen Fenerbahce erstmals für seinen neuen Klub spielte, „einen enormen Willen“ bescheinigt, droht Eduard Löwen zu Saisonbeginn ein ähnliches Schicksal wie zuletzt bei der U 21: Er wird wohl erst einmal zuschauen müssen.

Das liegt auch daran, dass die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld ähnlich groß ist wie in der Innenverteidigung. Für drei Plätze in Covics bevorzugtem 4-3-3 gibt es insgesamt sieben Kandidaten: Marko Grujic und Ondrej Duda dürfen als gesetzt gelten; bleiben, neben Löwen, noch Arne Maier, Per Skjelbred, Sidney Friede, der nach seiner erfolgreichen Leihe nach Belgien Lust auf mehr hat, und Vladimir Darida. Der Tscheche hat zuletzt, unter anderem wegen diverser Verletzungen, keine Rolle mehr gespielt, wirkt in der Vorbereitung aber frisch und motiviert wie lange nicht. Gut möglich, dass er, zumindest zu Saisonbeginn, in der Startelf auftaucht.

Wer wird Stoßstürmer?

Ante Covic will bei Hertha BSC einiges verändern. Eins aber bleibt, wie es war. Der neue Kapitän heißt wie der alte Vedad Ibisevic. Überhaupt fällt auf, dass der neue Trainer oft die Nähe zu Ibisevic sucht, mit dem er sich in seiner Muttersprache verständigen kann. Auch Davie Selke, Ibisevics größtem Konkurrenten um den einzigen Platz im Sturmzentrum, scheint das nicht verborgen geblieben zu sein. Der sonst so extrovertierte Selke wirkt in diesen Tagen eher zurückhaltend, und öffentlich reden will er schon mal gar nicht. Wahrscheinlich ahnt er schon, dass er dem zehn Jahre älteren Ibisevic erst einmal den Vortritt wird lassen müssen. Allerdings wirkt Selke im Training sehr entschlossen, eifrig im Pressing, wenn auch nicht immer glücklich im Abschluss. Auch gegen Fenerbahce blieb er trotz einer guten Gelegenheit ohne Treffer. Gerade im Abschluss besitzt Ibisevic seine Stärke. Manager Preetz erlebt den Bosnier „wahnsinnig fokussiert und wahnsinnig ehrgeizig“ – vor allem dann, wenn sich das Geschehen vor dem gegnerischen Tor abspielt. So wie bei seinem 2:0 gegen Istanbul.

So spielte Hertha gegen Fenerbahce:

1. Halbzeit: Jarstein – Leckie, Boyata, Rekik, Plattenhardt – Grujic, Stark – Duda – Esswein, Selke, Kalou.

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2. Halbzeit: Kraft – Friede, Skjelbred, Torunarigha - Klünter, Darida, Dilrosun, Löwen, Mittelstädt – Ibisevic, Redan

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