Zweite Fußball-Bundesliga : Union und Dresden sind ziemlich beste Gegner

Letzter Spieltag und eine besondere Konstellation: Der 1. FC Union könnte seinen Ex-Trainer Uwe Neuhaus in die Abstiegsrelegation schießen.

Alter Bekannter. Uwe Neuhaus war sieben Jahre lang Trainer bei Union. Foto: Kahnert/dpa
Alter Bekannter. Uwe Neuhaus war sieben Jahre lang Trainer bei Union. Foto: Kahnert/dpaFoto: dpa

Eine Sache will André Hofschneider sofort klarstellen. Abschenken werde der 1. FC Union Berlin das Spiel gegen seinen guten Freund Uwe Neuhaus nicht. „Für 90 Minuten sind wir Gegner und wir fahren dorthin, um zu gewinnen“, sagt der Berliner Trainer vor dem letzten Pflichtspiel der Saison bei Dynamo Dresden am Sonntag (15.30 Uhr, Sky). Dass es für die von Neuhaus trainierten Sachsen bis zum Schluss gegen den Abstieg geht, ändere für Union nichts. „Du hast vorher 33 Spieltage Zeit, um alles zu regeln. Da ist es nicht unsere Aufgabe, an den Gegner zu denken“, sagt Hofschneider. Zumal sein Team den 3000 Berliner Fans, aber auch „der sportlichen Fairness und den anderen Mannschaften“ im Abstiegskampf gegenüber verpflichtet sei, das Spiel ernst zu nehmen.

Um im Vorfeld erst gar nicht in die Versuchung zu kommen, sich über das anstehende Duell auszutauschen, haben Neuhaus und Hofschneider ausnahmsweise auf ihr wöchentliches Telefonat verzichtet. Bei Union arbeiteten sie von 2007 bis 2014 zusammen, Neuhaus als Cheftrainer, Hofschneider als sein Assistent. Seitdem halten sie regelmäßig Kontakt, nur in dieser Woche nicht. „Das hatten wir vorher so vereinbart und da haben wir uns dran gehalten“, sagt Neuhaus, der Hofschneider beim 1:0-Sieg der Dresdner im Hinspiel das Debüt vermasselte.

Große Überraschungen wird es zwischen den zwei Freunden auch ohne Kommunikation kaum geben, dafür kennen sie sich zu gut. Zwar ignorierte Neuhaus in der Pressekonferenz alle Fragen nach der möglichen Aufstellung oder der taktischen Ausrichtung, Hofschneider ist sich aber ziemlich sicher, wie Dynamo auftreten wird. „Ich glaube, dass sie zu ihrem altbewährten 4-3-3 zurückkehren“, sagt Unions Trainer. „Sie spielen zu Hause und werden versuchen, uns früh unter Druck zu setzen.“ Je länger das Spiel dauert, desto eher könne die hitzige Atmosphäre im mit mehr als 30 000 Zuschauern ausverkauften Stadion aber lähmend auf die Heimmannschaft wirken, glaubt Hofschneider. „Der Druck ist auf jeden Fall klar verteilt.“

Für Union geht es nach dem wichtigen Sieg gegen Bochum vor einer Woche nur noch um die Endplatzierung – im besten Fall können die Berliner trotz der schwachen Saison noch Fünfter werden, im schlechtesten Elfter – und um die damit verbundenen Einnahmen aus der TV-Vermarktung. Nach Wochen der Anspannung konnten die Union-Profis endlich kurz abschalten und sich vor allem mental erholen. „Im Training habe ich eine gewisse Lockerheit gespürt und hoffe, dass die Mannschaft das auf dem Platz umsetzt“, sagt Hofschneider, der auf seinen besten Torschützen Steven Skrzybski (Muskelfaserriss im Oberschenkel) verzichten muss.

Von Lockerheit kann bei Dynamo in der aktuellen sportlichen Lage naturgemäß nicht die Rede sein. „Es geht um die Zukunft des Vereins“, sagt Neuhaus. Im Vorjahr erreichten die Dresdner als Aufsteiger hinter Union Platz fünf, nun droht die Abstiegsrelegation. Mit einem Punkt wären die Sachsen gerettet, bei einer Niederlage müssten sie darauf hoffen, dass Fürth (in Heidenheim) oder Braunschweig (in Kiel) nicht gewinnt. Über die Ergebnisse auf den anderen Plätzen werden sich Neuhaus und sein Trainerteam permanent informieren, „wir wollen den Klassenerhalt aber aus eigener Kraft schaffen“. Wer dabei auf der gegnerischen Trainerbank sitzt, wird Neuhaus zumindest für 90 Minuten ziemlich egal sein.

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