Zweite Liga : 1. FC Union: Abschied vom Aufstieg

Der 1. FC Union braucht nach sieben sieglosen Spielen ein Erfolgserlebnis. An Trainer André Hofschneider wird zumindest aktuell noch nicht gerüttelt.

Land unter, Kopf runter. André Hofschneider, Köpenicker Hauptmann.
Land unter, Kopf runter. André Hofschneider, Köpenicker Hauptmann.Foto: dpa

Gerade im Profisport gibt es zuweilen eine deutliche Diskrepanz zwischen interner und externer Sicht. Das ist aktuell auch beim 1. FC Union zu beobachten. Während Fans und Medien nach sieben Spielen ohne Sieg nicht besonders viele Gründe für Optimismus sehen, scheint das bei den Verantwortlichen des Zweitligisten anders zu sein. „Klar hängen wir unseren Ansprüchen hinterher“, sagt Sportgeschäftsführer Lutz Munack, „wichtig ist aber, genauso weiterzumachen, weil ich den Weg für richtig halte.“

Vom Aufstieg redet rund um die Alte Försterei zwar niemand mehr, ob sie bei Union den Ernst der Lage wirklich erkannt haben, bleibt aber fraglich. Die Berliner sind der Abstiegszone mittlerweile näher als den Plätzen, die sie vor der Saison angepeilt hatten. Zum Relegationsplatz sind es nur fünf Punkte, wobei Darmstadt 98 sogar noch ein Spiel weniger hat. Ganz nach unten gucken will Union aber nicht. „Wir sind nicht in der Nähe der Aufstiegsplätze, da zieht sich die Ernüchterung bei uns durch alle Etagen. Ich sehe uns aber nicht im Abstiegskampf“, sagt Munack.

Dem Sportchef ist anzumerken, dass er Trainer und Mannschaft in dieser brisanten Phase den Rücken stärken will. Öffentliche Kritik an den eigenen Mitarbeitern ist bei Union ohnehin verpönt. Den Trainerwechsel von Jens Keller zu André Hofschneider habe er nicht bereut, der Kader sei für die angestrebte spielerische Variabilität ausgelegt, sagt Munack – und überhaupt: „Wir haben zwei Standardtore sowie ein Abseitstor kassiert und selbst viele Chancen vergeben.“ Damit hat Munack durchaus recht, noch ist die sportliche Situation nicht dramatisch. Wie schnell sich ein Negativtrend bei einer mit großen Ambitionen gestarteten Mannschaft verselbstständigen kann, hat aber der Abstieg von Energie Cottbus in die Regionalliga vor anderthalb Jahren gezeigt.

"Die Ergebniswende ist schwieriger als erwartet"

Dass der erhoffte Effekt durch den Trainerwechsel nicht eingetreten ist, ist offensichtlich. „Jede Maßnahme bedarf einer fairen Zeit, um zu wirken. Die Ergebniswende zu schaffen, ist aber schwieriger als erwartet“, sagt Munack. Ein weiterer Trainerwechsel sei jedoch keine Option. „Wir wollen mit André die nächsten Spiele gewinnen und da zitiere ich Uli Hoeneß: ‚Wir haben keinen Plan B.’“

Für Hofschneider und dem Team zählt momentan das Auswärtsspiel und Munack ist optimistisch, dass in Bielefeld die Wende gelingt. Alle weiteren Aufgaben – wie die Personalplanung für den Sommer, wenn einige Spieler den Verein verlassen könnten – vertagt Unions Sportchef auf die Zeit nach dem Saisonende. Dann wollen die Berliner auch wieder nach oben schauen. „Das Ziel Bundesliga ist nicht vom Tisch. Dass es sich in dieser Saison nicht mehr realisieren lässt, ist schade. Rückschläge gibt es im Sport halt“, sagt Munack. Erst muss Union dafür sorgen, dass aus dem aktuellen Rückschlag kein Debakel wird.

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