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Zweite Runde im DFB-Pokal : RB Leipzig überrollt Wolfsburg – Verl schafft die Sensation

RB Leipzig spielt Wolfsburg an die Wand, auch Bremen kommt souverän weiter. Die größte Überraschung gelingt dem SC Verl. Die Spielberichte:

Leipzig wie es jubelt und lacht. RB zeigte in Wolfsburg eine starke Leistung und landete einen ungefährdeten Sieg.
Leipzig wie es jubelt und lacht. RB zeigte in Wolfsburg eine starke Leistung und landete einen ungefährdeten Sieg.Foto: dpa

In der zweiten Runde des DFB-Pokals gab es am frühen Mittwochabend vier Begegnungen. Die Berichte der Spiele, die bereits nach 90 Minuten beendet sind und nicht in die Verlängerung gehen.

VfL Wolfsburg - RB Leipzig 1:6 (0:1)

Mit einem furiosen Tor-Feuerwerk hat RB Leipzig die beeindruckende Pflichtspielserie des VfL Wolfsburg in dieser Saison brachial beendet und das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht. Der Finalist der vergangenen Spielzeit fertigte am Mittwochabend dank einer exzellenten zweiten Halbzeit die Niedersachsen in deren Stadion mit 6:1 (1:0) ab. Nach einem Eigentor durch Wolfsburgs Jeffrey Bruma in der 13. Minute machten Marcel Sabitzer (55.), Emil Forsberg (58.), Konrad Laimer (61.) und Timo Werner (68./88.) den höchsten Sieg der Sachsen im DFB-Pokal perfekt.

Die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann machte mit dem engagierten und in der zweiten Halbzeit auch spielerisch absolut überzeugenden Auftritt zudem einen Schritt aus der Krise nach zuletzt vier Meisterschaftsspielen ohne Sieg. Wolfsburg kassierte vor 17 705 Zuschauern indes wettbewerbsübergreifend die erste Saison-Niederlage, den Ehrentreffer erzielte Wout Weghorst in der 89. Minute.

Die spätabendliche Ansage an die RB-Mannschaft nach der enttäuschenden Niederlage beim SC Freiburg zuletzt zeigte in Sachen Einstellung von Beginn an die erhoffte Wirkung. Nagelsmanns Startelf ging entschlossen in die Zweikämpfe und ließ die Wolfsburger nicht zur Entfaltung kommen. Spielerisch boten beide Teams trotz ihres Potenzials zunächst aber wenig

Dazu passte auch das Tor der Leipziger gegen erschreckend wirkungslose Wolfsburger. Nach einer Ecke flankte Forsberg vors VfL-Tor, dort versuchte es zuerst Nationalspieler Marcel Halstenberg, dann dessen Abwehrkollege Dayot Upamecano. Beide trafen den Ball aber nicht richtig, dennoch landete dieser irgendwie bei Willi Orban, dem Abwehrchef, der ebenfalls mit aufgerückt war.

Vom RB-Kapitän prallte der Ball ab und Wolfsburgs Bruma bugsierte ihn ins Tor. Zwei Minuten später verpasste Werner mit einem Kopfball den zweiten RB-Treffer - zu weit weg vom Tor, zu schwach. Die Zuschauer sahen in den ersten 45 Minuten zwei Mannschaften mit mehr Makeln in als Schönheitsmomente.

Die Wolfsburger konnten auch das frühe Verletzungs-Aus von Orban nicht nutzen. Der RB-Kapitän musste nach nicht mal einer halben Stunde raus, ein Problem am linken Knie. Ein Gegner war nicht beteiligt gewesen.

Für Orban kam Stefan Ilsanker zum Saisondebüt. Und der verhinderte mit der Fußspitze unmittelbar nach dem Wiederanpfiff den Ausgleich der Wolfsburger durch Josip Brekalo. Kurz danach rettete RB-Keeper Yvon Mvogo, er durfte anstelle von Stammkeeper Peter Gulacsi ins RB-Tor. Dann ging es so schnell, wie es die Fans vom RB-Fußball gewohnt sind. Sabitzer, Forsberg, Laimer, Werner - ein Fünferpack und die bis dahin ungeschlagenen Mannschaft von Oliver Glasner, die vor anderthalb Wochen in Leipzig in der Liga ein 1:1 erreicht hatte, war entzaubert.

Werder Bremen - 1. FC Heidenheim 4:1 (4:1)

Das war mehr als ein Klassenunterschied: Der sechsmalige Cupsieger Werder Bremen ist problemlos ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Der Tabellenzwölfte der Fußball-Bundesliga gewann am Mittwochabend gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim dank einer starken ersten Halbzeit überlegen mit 4:1 (4:1). Der Gegner in der nächsten Runde wird am kommenden Sonntag ausgelost.

Nach zuletzt vier Unentschieden in Folge sorgen Milot Rashica (6.), Leonardo Bittencourt (11.), Davy Klaassen (19.) und Marco Friedl (41.) für den hochverdienten Sieg des Teams von Trainer Florian Kohfeldt, der mindestens die Prämie in Höhe von 702.000 Euro wert ist. Der Gegentreffer durch Marc Schnatterer (45.+1/Handelfmeter) blieb folgenlos.

Den Bremern gelang in der Anfangsphase vor 38 663 Zuschauern so gut wie alles. Die Gäste, die in der Vorsaison das Pokal-Viertelfinale erreicht hatten, wirkten völlig überrumpelt und kamen mit dem Tempo des Bundesligisten überhaupt nicht zurecht. Rashica traf aus gut 20 Metern mit einem schönen Schlenzer, Bittencourt schloss den nächsten mit viel Druck vorgetragenen Angriff überlegt ab.

Beim Treffer von Klaassen fälschte Oliver Hüsing, der wie seine drei Teamkollegen in der Heidenheimer Viererkette einst im Werder-Trikot gespielt hatte, den Schuss des Niederländers unhaltbar für seinen Torwart Vitus Eicher ab. Erst kurz vor der Pause nahm Werder merklich das Tempo raus, dennoch traf Friedl nach Vorarbeit von Klaassen.

FCH-Kapitän Schnatterer sorgte kurz vor der Halbzeitpause dafür, dass Bremen auch im elften Pflichtspiel dieser Saison nicht ohne Gegentor blieb. Friedl hatte den Ball zuvor gegen den Arm bekommen. Nach dem Wiederanpfiff spielte Werder weniger stürmisch und verwaltete die Führung souverän. Michael Lang traf mit dem Kopf nur die Latte (48.). Bremens Yuya Osako feierte bei seiner Einwechselung (68.) sein Comeback nach anderthalb Monaten Verletzungspause.

1. FC Kaiserslautern - 1. FC Nürnberg 6:5 (1:1, 2:2) n.E.

Der 1. FC Nürnberg hat sich trotz seiner Favoritenrolle aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Der Zweitligist unterlag am Mittwochabend in einem kuriosen Zweitrundenspiel beim abstiegsbedrohten Drittligisten 1. FC Kaiserslautern mit 5:6 (2:2, 1:1) im Elfmeterschießen. Den letzten Treffer im Elfmeterschießen erzielte Kaiserslauterns Andri Runar Bjarnason. FCK-Keeper Lennart Grill parierte im Anschluss den Versuch von Tim Handwerker.

Die Torhüter schrieben vor 21 714 Zuschauern die Geschichten des Spiels: Weil sich Nürnbergs Keeper Patric Klandt verletzte, als das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft war, musste Enrico Valentini nach 116 Minuten zwischen die Pfosten. Einen Elfmeter parierte er jedoch nicht.

Fast wäre zuvor Grill zur tragischen Figur des Spiels geworden. Der U21-Nationalkeeper übersah in der 89. Minute den hinter ihm lauernden Michael Frey, der ihm den Ball vom Fuß nahm und zum 2:2 ins leere Tor schob. Zwei Elfmetertore von Timmy Thiele (8./74.) brachten die Pfälzer zuvor jeweils in Führung. Den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich hatte Lukas Jäger (15.) erzielt.

Die Pfälzer ziehen damit erstmals seit der Saison 2014/2015 wieder ins Achtelfinale des Pokalwettbewerbs ein und sind in diesem Jahr der letzte verbliebene Drittligist. Nürnberg scheiterte letztmals vor drei Jahren in der zweiten Runde.

SC Verl - Holstein Kiel 8:7 n.E.

Der SC Verl hat als zweiter Regionalligist überrascht und nach einem Elfmeter-Krimi das Achtelfinale im DFB-Pokal erreicht. Die Ostwestfalen bezwangen den Zweitligisten Holstein Kiel nach neun Runden im Elfmeterschießen mit 8:7 und zogen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in die Runde der letzten 16 ein. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Zum Helden im Elfmeterschießen wurde Torhüter Robin Brüseke, der die Schüsse von Emmanuel Iyoha und Phil Neumann parierte. Das 20 Jahre alte Eigengewächs Jan Schöppner verwandelte entscheidend.

1980 hatte Verl schon einmal die dritte Runde erreicht, diese wurde damals aber mit 32 Mannschaften ausgespielt. Die enttäuschenden Kieler verpassten den sechsten Einzug ins Achtelfinale den zweiten in Folge.

U21-Nationalspieler Janni Serra hatte Kiel in Führung gebracht (13.). Nico Hecker (45.+1) war für die Ostwestfalen aus Verl erfolgreich, die zuvor den Erstligisten FC Augsburg mit 2:1 ausgeschaltet hatten und neben dem am Dienstag gegen Bundesligist Köln erfolgreichen 1. FC Saarbrücken einziger Viertligist in der zweiten Runde waren. In der kommenden Saison muss Verl im DFB-Pokal allerdings zuschauen. Durch ein 1:4 beim Oberligisten RSV Meinerzhagen ist der SC im Westfalenpokal in der ersten Runde ausgeschieden.

Die Gastgeber, die für das Spiel in der mit 5 153 Zuschauern ausverkauften Sportclub Arena mobile Flutlichtmasten aufstellen mussten und deren Trainer Rino Capretti am Morgen noch an einer Realschule in Gütersloh unterrichtet hatte, verkauften sich von Beginn an teuer und waren in der ersten Halbzeit mindestens ebenbürtig. Nach der Pause übernahm Kiel die Kontrolle, doch auch Verl blieb mit Tempo und Leidenschaft immer gefährlich.

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