Zwischen Investoreneinstieg und Saisonstart : Alles bleibt anders bei Viktoria 89

Der Fußball-Regionalligist hat eine schwierige, weil sehr kurze, Vorbereitung hinter sich. Mit dem potenziellen Investor laufen die Gespräche noch.

Jörg Goslar, hier noch bei Hildesheim, trainiert jetzt Viktoria 89.
Jörg Goslar, hier noch bei Hildesheim, trainiert jetzt Viktoria 89.Foto: imago

Die aktuellen Temperaturen legen einige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung nah: Eis essen, an den See fahren, in den Biergarten setzen. Fußball spielen gehört nicht in diese Reihe. Aber Hitze hin oder her, die Saison in der Regionalliga Nordost beginnt und daher muss das Training irgendwie durchgezogen werden. „Die Umfänge sind geringer, eine Belastung mit 100 Prozent ist schwer möglich“, sagt Rocco Teichmann, der Sportdirektor von Viktoria 89.

Das dürfte auch die Konkurrenz betreffen, aber die ist größtenteils in einer anderen Situation. „Nur vier Wochen Vorbereitung mit einer komplett neuen Mannschaft sind schon schwierig. Eine Woche mehr bis zum Saisonstart wäre nicht schlecht gewesen“, sagt Teichmann vor dem ersten Spiel am Samstag bei Budissa Bautzen. Der ursprüngliche Trainingsauftakt war verschoben worden, zunächst stand ein anderer Termin an: Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. Juni wurde mit riesiger Mehrheit die Ausgliederung der ersten Männermannschaft beschlossen. Somit ist der Weg frei für den Einstieg der Vermarkterfirma Advantage Sports Union des chinesischen Milliardärs Alex Zheng. Aus dem Verein heißt es, dass die Gespräche noch nicht endgültig abgeschlossen seien. Dies könne bis Herbst dauern.

Nur noch sechs Mann aus der Vorsaison sind da

Als die Ausgliederung durch war, ging es zumindest sportlich zügig weiter: Jörg Goslar, der zuletzt den VfV Hildesheim in der Regionalliga Nord trainiert hatte, beerbte Thomas Herbst. Der Klub gab die Verpflichtung vieler neuer Spieler bekannt. Was auch nötig war, da nur sechs Akteure aus der vorigen Saison übrig sind. Vorerst letzter Neuzugang ist Aykut Soyak vom Drittligisten SC Paderborn. Unter den Neuen sind noch mehr Spieler mit Dritt- oder Regionalligaerfahrung. Laut Teichmann laufen Gespräche mit weiteren möglichen Zugängen.

Nach der aufsehenerregenden Mitteilung des Investoreneinstiegs Ende Mai war spekuliert worden, dass Viktoria schon in dieser Saison – in der es einen direkten Aufsteiger in die Dritte Liga gibt – mit viel Geld angreifen wird. Das ist nicht der Fall. Um den Titel spielen andere, beispielsweise Wacker Nordhausen, das Freitagabend mit einem 1:1 (0:1)-Unentschieden gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC die Saison eröffnete. Von den fünf Berliner Vereinen tritt zum Auftakt nur die VSG Altglienicke zu Hause an, am Samstag um 13.30 Uhr im Jahn-Sportpark gegen Rot-Weiß Erfurt. Die Partie des Berliner AK gegen den Bischofswerdaer FV 08 ist auf den 19. August verlegt worden, da der Rasen im Poststadion derzeit nicht bespielbar ist.

Oben mitspielen! Oder doch unten?

Bei Viktoria ist zum dritten Mal binnen eines Jahres alles anders. Vorige Saison sollte um den Aufstieg gespielt werden. Im Winter folgte die Korrektur, begleitet von einer deutlichen Reduzierung der finanziellen Aufwendungen. Dann ging es nur um den Klassenerhalt. Und nun, nach einem fast kompletten Austausch des Kaders? „Ich schäme mich nicht, oben mitzuspielen, wenn es die Entwicklung hergibt. Aber ich schäme mich auch nicht gegen den Abstieg zu spielen, wenn es am Ende erfolgreich ist“, sagt Teichmann.

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