Zwischenruf aus dem Gästeblock : Dirk, dein Herzilein ist weinrot!
Andreas Gläser

Mein Gegenüber gab sich für meinen Geschmack nicht flott genug zu erkennen. Ziviler Polizist oder politisierender Hausmeister, ich verhielt mich in diesem Quiz abwartend, sportlich und fair. Ob ich mit oder ohne Uniform den Staat schützen wolle? Oh je. Wenn er vom Ministerium für Staatssicherheit war, musste er mir das zwar nicht auf dem Alexanderplatz per Megaphon erklären, aber bitte doch wenigstens laut und deutlich im persönlichen Gespräch. Diese Apparatschiks hatten oft kommunikative und intellektuelle Defizite. Für einen jungen kritischen Menschen, der noch halbwegs an die DDR zu glauben wagte, regelrecht erschreckend.

Bei der Stasi war ich dann doch drei Jahre, und zwar alle zwei Wochen im Rat des Stadtbezirks für Innere Angelegenheiten, für jeweils eine Stunde, um meinem Ausreiseantrag Nachdruck zu verleihen. Das Thema NVA hatte sich somit für mich unvermittelt erledigt, was wohl untypisch war. Ich hielt die Füße still. Ja, ich bin mitschuldig an Tschernobyl. Während der Wende funktionierten die alten Tricks. Viele Apparatschiks wurden erfolgreiche Glasperlenhändler. Meinetwegen.

Immer wieder haarsträubend ist aber, wer wem was vorwirft. Dieser Tage steht die Frage im Raum, ob der amtierende Präsident des 1. FC Union weiterhin tragbar sei. In meinen Augen ist Dirk noch der volksnahe Unterfeldwebel. Sein Verein, ich meine jetzt den Köpenicker Fußballclub, steht meinem Verein nicht nur geografisch sehr nahe. Warum das dauernde Gezeter? Wahrscheinlich ist unter hunderten von Fußballclubs und Betriebsportgemeinschaften der DDR der 1. FC Union derjenige, der am meisten am Erfolg des BFC Dynamos partizipierte.

In den ´80ern sicherten die Ex-BFCer Seier, Sträßer, Hirsch und Trieloff dem 1. FC Union nicht nur aus sportlicher Fairness den Klassenerhalt, sondern sorgten bald auch für deren erfolgreichste Saison des Jahrzehnts. 1986 zogen Sträßer und Co. mit Union in das FDGB-Pokalfinale ein, in fünf aufeinander folgenden Spieljahren wurden ehemalige BFCer die erfolgreichsten Torschützen bei Union. Ja, ich weiß, 1973 wechselte Lauck vom Absteiger Union zum Hoffnungsträger BFC, und 1977 stahl ein Jugendlicher aus Prenzlauer Berg einem Kind aus Köpenick eine Club Cola.

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