Der Tagesspiegel : Spur & Lasur

Bilder von Marc Schmitz und Jennifer Oellerich.

Festhalten. Auf „Radiation # 02“ bannt Marc Schmitz Farbverläufe. Foto: Galerie Seitz
Festhalten. Auf „Radiation # 02“ bannt Marc Schmitz Farbverläufe. Foto: Galerie Seitz

Wasser, das vom Himmel fällt, ist Jennifer Oellerichs Obsession – ganz gleich, ob als milder Mairegen, hitziges Sommergewitter oder trostloser Graupelschauer. „Am 6. Regentag“ (2900 Euro) heißt eine neue Skulptur, die einzige mehrdimensionale Arbeit der Ausstellung „Avalanche“. Dafür hat sie Holzplatten mit Bitumen bestrichen und dem Regen ausgesetzt. So entstanden auf dem nachgiebigen Material Spuren, die an Nasa-Aufnahmen von Mondlandschaften erinnern. Die Bitumenplatten wurden in Keramik abgeformt und zu einem meteoritenähnlichen Gebilde montiert. Dieses irritiert jedoch durch seine geometrische Form, die Ecken und Kanten. Oellerich, Jahrgang 1974, kontrolliert den Zufall, vermischt Raumfahrt-Assoziationen mit urwüchsigem Material.

In ihren Arbeiten reibt sie sich, so sagt sie, „am Streben nach Kontrolle über die Naturgewalt, dem dazugehörigen Scheitern und an der Illusion des Fortschritts“. Die Werke sind spannungsvoll, feinnervig und unaufgeregt. So auch die jüngste Serie „Wohnzimmerikonen“ (2012), aus der zwei Arbeiten zu sehen sind. Dabei fotografiert sie Wasserschäden an Wohnzimmerwänden und überträgt diese in den Siebdruck. Das Ergebnis erinnert an Aufnahmen mit dem Elektronenmikroskop oder an Supernova-Abbildungen.

Während Oellerich die flüchtige Energie des Wassers einfängt, flutet Marc Schmitz seine Ölbilder mit ungeahnter Transparenz und Leichtigkeit. Immer wieder überzieht er die Leinwand mit Farbschichten oder gießt Terpentin darauf, das die Farbe löst. Überlagertes schimmert durch oder scheint als minimale Spur an den Kanten auf. Das gilt umso mehr für die neueste, in Schanghai entstandene Serie des 49-Jährigen. Davon ist eine große, titellose Arbeit (6200 Euro) zu sehen, die Schmitz in fein nuanciertem Gelb gehalten hat. Wie ein Leuchtkörper irisiert daneben eine kleinere, ebenfalls unbetitelte Arbeit in sattem Gelb (980 Euro). Sie erinnert an Mark Rothkos Farbfeldmalerei, ist jedoch eine Monotypie und mit dem Offsetdrucker zu Papier gebracht. Doch ähnlich wie Rothkos Werke ist auch diese Arbeit ein visuelles Ereignis, das wogt, pulsiert. Die Lust an Texturen verbindet seine Werke mit denen Oellerichs. Anregende Arbeiten, immer in ausreichendem Abstand zur Eindeutigkeit. Carmen Gräf

Galerie Seitz & Partner, Carmerstr. 10; bis 5. Juni, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 13–17 Uhr

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