1968 im Tagesspiegel : Reisefieber unterm Funkturm

Vor 50 Jahren wurde über die Internationale Tourismusbörse berichtet

Die Sehnsucht nach exotischen Urlaubszielen wächst bei den Deutschen in den 60er Jahren. (Symbolfoto)
Die Sehnsucht nach exotischen Urlaubszielen wächst bei den Deutschen in den 60er Jahren. (Symbolfoto)Foto: imago

Wie hat der Tagesspiegel das Jahr 1968 begleitet? Wir publizieren regelmäßig einen ausgewählten Text aus der Zeitung von vor 50 Jahren – zur Studentenbewegung, sowie zu anderen Themen, die die Stadt und die Welt bewegt haben. Am 8. März 1968 wurde über die 2. Internationale Tourismusbörse berichtet.


Noch riecht es nach Firnis und Farbe in den meisten Hallen des Ausstellungsgeländes am Messedamm. Fieberhaft hämmern und streichen die Handwerker. Bretter werden gesägt, Zelte gerichtet und Informationsstände aufgebaut. Eile ist geboten, denn morgen wird die "Internationale Boots- und Freizeitschau Berlin 1968" eröffnet. Nicht allein der Geruch von Wasser, lackierten Bootskörpern und Zeitwenden wird dem Besucher jedoch dann in die Nase steigen, sondern zugleich auch der Duft der großen Ferne. Denn parallel zur traditionellen Freizeitausstellung wird in diesem Jahr auch eine "Internationale Börse des Tourismus: Urlaubsziele in aller Welt" veranstaltet, die vom 9. bis 17. März dauert. Eine ähnliche Börse mit Zielrichtung speziell auf die Entwicklungsländer hatte bereits im September 1966 unter dem Funkturm stattgefunden.

Die "Internationale Börse des Tourismus" wird aus mehreren Veranstaltungsreihen bestehen. Ihr Hauptzweck ist es, den 651 Fachleuten für Touristik aus 53 Ländern, die sich bis jetzt angemeldet haben, Gelegenheit zu Gesprächen und Kontakten mit ihren Kollegen zu geben. Sie soll ein "Reisemarkt" sein, auf der die vielseitigen Probleme des in den letzten Jahren stark gewachsenen und inzwischen sehr finanzkräftigen Wirtschaftszweiges Touristik erörtert werden (die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr betrugen im letzten Jahr immerhin 56 Milliarden DM und steigern sich jährlich um 11,2 Prozent). Die Vertreter staatlicher Fremdenverkehrsorganisationen, privater Reiseunternehmen, der Reisebüros, Hotels und anderer Zweige der Touristik können sich über die Nachfrage nach attraktiven Urlaubszielen und das Angebot von "Ferien-Terrain" sowie über die Erschließungsmöglichkeiten neuer Erholungsgebiete informieren. Diese Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch ist das Besondere an der Börse, zumal bislang dafür ein zentral gelegener Platz fehlte.

Informationsausstellung für Reisende

Interessant für die Besucher des Messegeländes wird die zugleich stattfindende Informationsausstellung in den Hallen G, H, I, K, und L sein, die sich besonders an den "Reisekonsumenten" wendet und täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet ist. An den Ständen von vielen Ländern aus den verschiedensten Gebieten der Erde - afrikanische Staaten sind ebenso vertreten wie asiatische und natürlich europäische, darunter auch ein Stand Rumäniens - kann man sich über die einzelnen Angebote für die Ferien informieren. Mit eigenen Ständen sind unter anderem neun Flugverkehrsgesellschaften, sechs Schifffahrtslinien, 20 Reiseunternehmen und sechs Hotelgesellschaften vertreten.

Darüber hinaus ist auch für die Unterhaltung gesorgt. Viele Aussteller warten mit Spezialitäten ihres Heimatlandes auf. Zu bewundern sind altägyptischer Reliefwandschmuck, kambodschanisches Kunstgewerbe, auch ein Safari-Bus und Modelle modernster Passagierdampfer. Dem glücklichen Gewinner eines Preisausschreibens winkt eine Flugreise nach Indien. In einer Sonderschau in der Halle G werden gelungene Reiseplakate gezeigt, deren drei beste eine Jury ermitteln und am 16. März prämiieren wird. Eine tunesische Gruppe wird auf einer Folklore-Bühne in der Halle G Tänze und andere Darbietungen zeigen, und eine Gruppe aus Ceylon gibt Einblicke in die Kultur ihres Landes. Ein "Reise-Kino" in der gleichen Halle bietet Filme über die Schönheiten naher und ferner Länder, wobei zugleich landesübliche Getränke ausgeschenkt werden.

Kongreß von Touristikfachleuten

Als Ergänzung der Börse, die vom Ausstellungsdienst Berlin veranstaltet wird, findet vom 13. bis 15. März ein Kongreß von Touristikfachleuten in der Kongreßhalle statt, der sich mit Problemen des internationalen Reiseverkehrs befaßt. Eine zweitägige Fachtagung "Der junge Tourist" ist dem Jugendtourismus, der in den letzten Jahren zu ungewöhnlicher Bedeutung kam, gewidmet. Auch im Berliner Stadtbild wird die Börse in Erscheinung treten: Von verschiedenen Hotels werden eine "Ägyptische Woche", eine "Baseler Woche" und eine französische und eine tunesische Spezialitätenwoche arrangiert. Für die Teilnehmer der Börse, die vom Senator für Familie, Jugend und Sport, Horst Korber, eröffnet wird, gibt der Regierende Bürgermeister; Klaus Schütz, am 14. März im Schloß Charlottenburg einen Empfang.

In Zukunft soll die Börse, die sich in Fachreisen eines regen Interesses erfreut, alljährlich in Berlin veranstaltet werden. Im kommenden Jahr wurde dafür der Termin auf den 14. bis 23. März festgelegt.

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