1968 im Tagesspiegel : Studenten über ihre Probleme

Seit dem Sommer 1967 gab es die Rubrik "Studenten über ihre Probleme" im Tagesspiegel

Die Polizeihistorische Sammlung Berlin präsentierte zum 50. Jahrestag der Erschießung von Benno Ohnesorg die Sonderausstellung "Heute Student morgen tot". Zeitungstitel vom Juni 1967.
Die Polizeihistorische Sammlung Berlin präsentierte zum 50. Jahrestag der Erschießung von Benno Ohnesorg die Sonderausstellung...Foto: Jörg Carstensen / dpa

Wie hat der Tagesspiegel das Jahr 1968 begleitet? Wir publizieren regelmäßig einen ausgewählten Text aus der Zeitung von vor 50 Jahren – zur Studentenbewegung, sowie zu anderen Themen, die die Stadt und die Welt bewegt haben. Diese den Studentenschaften zur Verfügung gestellte Rubrik erschien seit 1967 regelmäßig in jeder Dienstagausgabe unserer Zeitung - bis auf wenige Ausnahmen, so wie am 27. Februar 1968.

Im Sommer 1967 haben wir für die jeweilige Dienstagausgabe diese Rubrik eingeführt, um den Studentenvertretungen Gelegenheit zu geben, ihre Probleme einer breiten Öffentlichkeit darzulegen. Eine einschränkende Bedingung hatten wir gestellt: Die Erörterung von Fragen der allgemeinen Tagespolitik gehört nicht an diesen Platz. In der letzten Dienstagausgabe mußten wir leider den Abdruck eines vom AStA der FU verfaßten Artikels wegen grober Mißachtung dieser Bedingung ablehnen. Für die heutige Ausgabe wurde uns nun ein von den AStAs der FU, der Pädagogischen Hochschule, der Kirchlichen Hochschule, der Hochschule für Bildende Künste und von der Studentenvertretung der Technischen Universität gemeinsam unterzeichnetes Manuskript vorgelegt. Seine Überschrift ist: "Wann müssen Studenten Sterne tragen?"

Es handelt sich um eine flugblattartig angelegte Streitschrift gegen "die Herren Schütz, Springer, Neubauer, Amrehn, Wohlrabe, Sickert usw.", deren Schlußsätze wir zitieren: "Die Studenten in diesem Land werden sich nicht abschrecken lassen durch Drohungen mit Polizeiknüppel, Tränengas, Pistolen und Gefängnis; sie werden das verfassungsmäßige Recht auf Widerstand in Anspruch nehmen und alles tun, damit sich nicht wiederholt, was 1945 tot zu sein schien. Jeder, der unbewußt oder bewußt den Faschismus fördert, soll wissen, daß er mit uns zu rechnen hat."

Obwohl gegen die Begründung unserer am vergangenen Dienstag notwendig gewordenen Ablehnung keinerlei Widerspruch laut wurde, versucht man nun in geschlossener Front eine noch nachdrücklichere Mißachtung unserer einzigen Bedingung. Der Zweck liegt auf der Hand. Selbst wenn es sich nicht um ein an diesem Platz unzulässiges Pamphlet handeln würde, müßten wir heute eine Veröffentlichung dieser Art in Spalten unserer Zeitung ablehnen. Der Tagesspiegel hat zu mehreren Erscheinungen der letzten zwei Wochen selbst einiges sehr kritisch vermerkt, hat alle vor einer Steigerung und einem übersteigern der Gefühle gewarnt und die Vernunft an Stelle von Schlagworten als lebensnotwendig für unsere Stadt erklärt. Es hieße dieser unserer Haltung ins Gesicht schlagen, ließen wir mit Hilfe des Tagesspiegels ein neues "Anheizen" zu.

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