1968 im Tagesspiegel : Was tut die Filmförderungsanstalt?

Vor 50 Jahren wurde der Vorstand der Filmförderungsanstalt gebildet

Uschi Glas (r.) zusammen mit ihrem Schauspielerkollegen Werner Enke und Regisseurin May Spiels 1967 bei Dreharbeiten für den Film "Zur Sache Schätzchen".
Uschi Glas (r.) zusammen mit ihrem Schauspielerkollegen Werner Enke und Regisseurin May Spiels 1967 bei Dreharbeiten für den Film...Foto: Brix / dpa

Wie hat der Tagesspiegel das Jahr 1968 begleitet? Wir publizieren regelmäßig einen ausgewählten Text aus der Zeitung von vor 50 Jahren – zur Studentenbewegung, sowie zu anderen Themen, die die Stadt und die Welt bewegt haben. Am 9. März 1968 wurde über die neu gegründete Filmförderungsanstalt berichtet.


Nachdem sich der aus 27 Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat der Filmförderungsanstalt konstituiert hat und das sieben Mitglieder umfassende Präsidium dieser Institution bereits berufen wurde, ist jetzt auch der Vorstand auf die Dauer von fünf Jahren bestellt worden. Vorstand der Filmförderungsanstalt, die ihren Sitz in Berlin hat, sind der bisherige Geschäftsführer des Verbandes deutscher Spielfilmproduzenten, Dipl.-Volkswirt Dr. Roland Caspary, und der bisherige Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der Filmtheater Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, Dipl.-Volkswirt Robert Backheuer.

Etwa 20 ständige Arbeitskräfte

Die Filmförderungsanstalt wird ihre Arbeit in Berlin am 15. März aufnehmen. Als Sitz wurde, wie aus unterrichteten Kreisen zu erfahren war, ein Stockwerk im Europa-Center in Aussicht genommen. Die endgültige Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Man schätzt, daß etwa zwanzig ständige Arbeitskräfte benötigt werden, um die Aufgaben dieses neuen Instituts zu bewältigen.

Aufgabe der Filmförderungsanstalt ist es, die einlaufenden Mittel - je in der Bundesrepublik und in West-Berlin verkaufte Kinokarte sind es zehn Pfennig - nach bestimmten Richtlinien an die Filmindustrie zu verteilen. Es ist also ein bestimmter Kreislauf der Mittel, die wieder der Filmindustrie zugute kommen sollen. Die Filmabgabe von zehn Pfennig wird bis zum 31. Dezember 1972 erhoben.

Der größte Teil ist für die Produktion bestimmt, ein Drittel etwa ist den Filmtheatern zugedacht, und' ein weiterer Betrag ist für die Öffentlichkeitsarbeit bestimmt. Außerdem muß sich die Filmförderungsanstalt aus den ihr zufließenden Beträgen selbst erhalten. Jeder deutsche Spielfilm, der innerhalb von zwei Jahren mindestens 500 000 DM Einspielergebnisse, und jedes mit den Prädikaten "wertvoll" oder "besonders wertvoll ausgezeichnete sowie jedes auf einem Festspiel prämierte Werk, das mindestens 300 000 DM Einspielergebnisse aufzuweisen hat, bekommt in Zukunft von der Filmförderungsanstalt den Grundbetrag von 150 000 DM.

Außerdem werden jeder Produktion für die Nutzung der Fernsehrechte innerhalb der Bundesrepublik weitere 100 000 DM zugestanden. Diese Zuwendungen sollen automatisch erfolgen, während die Zusatzbeträge von maximal 250 000 D-Mark von einer sieben Mitglieder umfassenden Kleinen Kommission bestimmt werden. Kurz-, Kinder- und Jugendfilme werden, wenn sie das Prädikat "besonders .wertvoll" oder einen Festivalpreis vorzuweisen haben, auf Antrag in die Förderung mit einbezogen. Als Berufungsinstanz gegen die Entscheidungen der Kleinen Kommission fungiert, was die Zusatzbeträge angeht, der Verwaltungsrat. Aufsichtsbehörde ist das Bundeswirtschaftsministerium.

Förderung von bis zu 50 Filmen

Geht man davon aus, daß in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr etwa 250 Millionen Kinobesucher gezählt wurden, dann kann man für 1968 für die Filmförderungsanstalt mit Einnahmen von etwa 25 Millionen D-Mark rechnen. Mit diesen Mitteln und den Einnahmen aus den Fernsehnutzungsrechten ließen sich nach ersten Schätzungen rund fünfzig Filme fördern. Nach Auskunft des Filmproduzentenverbandes in Wiesbaden würden von der Produktion des Jahres 1967 auch etwa fünfzig deutsche und deutsch-ausländische Koproduktionen Anspruch auf die Mittel des Förderungsgesetzes haben, während etwa fünfzehn bis zwanzig Filme die Voraussetzungen nicht erfüllen dürften.

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