Political Animal : Wo die SPD nicht cool ist

Barbara Hendricks hätte ruhig Umweltministerin bleiben können. Warum das wünschenswert gewesen wäre und warum es nicht so gekommen ist.

Barbara Hendricks (SPD), ehemalige Bundesumweltministerin.
Barbara Hendricks (SPD), ehemalige Bundesumweltministerin.Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Manchmal kommt die Erkenntnis ja mit der Zeit. Zum Beispiel, dass Barbara Hendricks eigentlich eine Bundesministerin war, die man nicht hätte auswechseln sollen, oder sogar nicht hätte auswechseln dürfen. Jetzt sind Sie überrascht? Sollen Sie auch sein. Denn es gibt so viel, was der Öffentlichkeit nicht bekannt ist, aber hätte bekannt sein sollen. Dass Hendricks sich nicht darum bemüht hat, spricht nicht gegen sie; obwohl sie auch mal Pressesprecherin war.

Also: Hendricks war im Kabinett Merkel III zuständig für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. In diesem Amt hat sie die Kanzlerin auf ihre Seite gebracht, was insofern aufschlussreich ist, als Angela Merkel denkt, sie verstehe immer noch am meisten von Umweltpolitik (und von der Pressesprecherei). Allerdings verstand Hendricks, was kaum einer je zur Kenntnis genommen hat, auch schon länger etwas davon. Denn 1991 war sie zur Ministerialrätin im Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NRW ernannt worden.

Dazu ist Hendricks – ehemals Staatssekretärin mehrerer Ressortchefs auf diesem Gebiet – aber Finanzfachfrau. Was auch dazu geführt hat, dass sie 2008 zusammen mit dem Grünen Reinhard Loske den Adam-Smith-Preis für marktwirtschaftliche Umweltpolitik des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft erhalten hat. Interessant, oder? Die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie.

Nur eines ist sie nicht: jung

Aber vorbei. Warum? Das hängt mit ihrem Landesverband zusammen. Richtig zu verstehen ist es nicht. Immerhin erfüllt Hendricks wichtige formale Kriterien: Sie ist eine Frau und aus NRW. Dazu fachlich angesehen, auch international. Und national hat Hendricks sich von niemandem aus der Ruhe bringen lassen. Nicht von Merkel, nicht von ihrem Parteichef Sigmar Gabriel, erst recht nicht vom christsozialen Landwirtschaftsminister Christian „Glyphosat“ Schmidt. Barbara Hendricks hat anständige Arbeit abgeliefert.

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Nur eines ist sie nicht: jung. Hendricks wird im April 66. Aber die gesamte Gesellschaft altert, und diese Entwicklung gehört klugerweise im Kabinett abgebildet. Zumal das 60 von heute das 50 von früher ist. Wie erzählte Hendricks jetzt? „Selbst Alexander Dobrindt umarmt mich immer, wenn er mich sieht. Ich hab’ mal zu ihm gesagt: Du hältst mich doch sowieso für eine coole Alte.“ Hätte Merkel IV auch ganz gut zu Gesicht gestanden.

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