Ausflug ins Ruppiner Land : Kalte Tage, warme Kachelöfen und ausgezeichneter Käse

Wir empfehlen eine Wanderung am Wutzsee, Brandenburgs besten Ziegenkäse und eine Stadt auf drei Inseln. Aus dem kostenlosen Berliner Draußen-Newsletter

Felix Denk
Ruppiner Land: Auch im November einen Ausflug wert
Ruppiner Land: Auch im November einen Ausflug wertFoto: Promo RegioNord

Es wird ruhig im November, auch in Brandenburg. Die meisten Sommerfrischler bleiben in Berlin, die Seen sind sogar für die ganz Beherzten nun zu kalt und viele beliebte Ausflugziele verabschieden sich in die Winterpause. Manche sagen, es sei die schönste Jahreszeit im Ruppiner Land, 90 km nördlich von Berlin, zwischen Stechlin und Uckermark, knapp südlich der Müritz. Nebel liegt jetzt über den Feldern.

Spazieren gehen kann man über lange Alleen, entlang der stoppeligen Felder und den Wolken dabei zusehen, wie sie der Herbstwind über den Himmel bläst. Und auch die Havel fließt mit vielen Kurven ganz in der Nähe vorbei.

Mit dem Auto kommt man in knapp 1:30 Stunde direkt nach Fürstenberg/Havel, mit dem Zug mit dem RE5 kommt man in einer guten Stunde dorthin; zum Gut Boltenhof fährt von dort der Bus 838.

Wandern am Wutzsee

Eine besonders schöne Wanderung in der Gegend führt rund um den Wutzsee. Los geht’s am Kloster Lindow und dann auf der nördlichen Uferseite entlang auf Rundwanderwegs vorbei an Kiefern, Buchen und Robinien, auf und ab, immer wieder mit überraschenden Blicken auf den See. Wer sich von den gut vier Kilometer unterfordert fühlt: von Lindow über Meseberg nach Gransee geht es 20 Kilometer entlang quer durchs Ruppiner Land.

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Auf der Seite des Naturparks Stechlin & Ruppiner Land finden sich nicht nur genaue Beschreibungen der Route, sondern auch Geo-Daten zum Download

St. Martin im Rittergut

Schweine, Ponys, Enten, Ziegen, Esel und Hühner – Tiere leben einige auf dem Gut Boltenhof, einem alten Rittergut bei Fürstenberg an der Havel. Den ganz großen Auftritt aber haben die 280 Gänse jeden Morgen, wenn sie in geschlossener Formation aus dem Stall quer über die alte Allee mit den knorrigen Linden auf die Weide watscheln, wo sie ihre Tage verbringen.

Gut Boltenhof
Gut BoltenhofFoto: Promo Gut Boltenhof

Noch, zumindest. Denn jetzt, wo St. Martin und dann schon der Advent naht, trifft man einige der Gänse auch im Gutess, dem Bistro des Boltenhofs, wo seit diesem Sommer Christian Schwarzlose kocht, der zuvor schon in mancher eleganten Adresse in Berlin und auf der ganzen Welt über den Herd wachte.

Wer zu viert oder zu sechst kommt, bekommt am 16. November und an den Adventswochenenden nach Vorbestellung eine ganze Gans im Saal mit den gemütlich knarzenden Dielen serviert – samstags jeweils ab 18 Uhr  und sonntags ab 12:30 Uhr.

Kachelöfen in kühlen Nächten

So, und jetzt kann man natürlich mit Gans im Bauch nachhause fahren. Oder eben gerade nicht: Denn in den letzten Jahren hat die Betreiberfamilie Riest die Zimmer und Ferienwohnungen peu à peu renoviert und so hat man jetzt die Qual der Wahl. Lieber Ferienwohnung mit Kachelofen in den umgebauten Arbeiterwohnungen? Oder eins der Doppelzimmer im alten Gutshaus? Mit dem Brandenburgzimmer hat die Potsdamer Produktdesignerin Bernadette Wüchner außerdem eine Art Showroom für schöne Dinge aus Brandenburg geschaffen.

Wie schön es auf Gut Boltenhof auch zu allen anderen Jahreszeiten ist und wie gut die Ruhe und die Tiere tun, hat unsere Kollegin Susanne Kippenberger vor Kurzem für das Unterwegs-Spezial des Tagesspiegel aufgeschrieben.

Der Schwur des Käsepapsts

Auch die wahrscheinlich beste Ziegenkäserei Brandenburgs ist ganz in der Nähe des Gut Boltenhof. Der Berliner Käsepapst Fritz Lloyd Blomeyer schwört auf den Käse des Capriolenhofs, den Sabine Denell aus der Milch der Ziegen herstellt, die hier auf der Heide grasen.

Käse vom Capriolenhof
Käse vom CapriolenhofFoto: Promo Capriolenhof

Das nette Café des Schleusenhofs ist schon in den Winterschlaf entschlummert, aber wer sich einen Tag vorher per Mail anmeldet (an info@capriolenhof.de), für den machen Sabine Denell und Hanspeter Dill am Wochenende den Hofladen auf. Allein die Anfahrt von Bredereiche durch den tiefen Wald entlang der Havel ist ein Erlebnis.

Wer der Anfahrt scheut, aber heiß auf den Käse ist: Bei Blomeyer‘s Käse in der Pestalozzistr. 54a in Charlottenburg findet man eine Auswahl sowie samstags von 8-13 Uhr auf dem Markt der Domäne Dahlem.

Eine Stadt auf drei Inseln

Auf drei Inseln und zwischen drei Seen liegt Fürstenberg. In dem hübschen Städtchen gibt es ein barockes Schloss, eine imposante Backsteinkirche, Brücken, Schleusen, Kanäle und natürlich Wasser wohin man blickt.

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Und es gibt etwas außerhalb, in Ravensbrück, eine Gedenkstätte. Denn hier war von 1939 bis 1945 das größte Konzentrationslager für Frauen auf deutschem Gebiet, später kamen noch ein Männerlager und das sogenannte „Jugendschutzlager Uckermark“ dazu.

Die Dauerausstellung in der ehemaligen Kommandantur erzählt die leidvolle Geschichte, die hier vor 70 Jahren stattfand und die sich gerade an diesem Wochenende um den 9. November, gerade in diesen Zeiten und in einer Region, die vom wieder anschwellenden Nationalismus geplagt wird, zu besuchen lohnt.

Nächstes Mal fahren wir in den Fläming – und wir freuen uns wie immer über alle Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte dort und überall rund um Berlin, gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de