Ausflug nach Bad Saarow : Villen, Wälder, Wellness

Wohlige Wärme im Thermalbecken, einen traditionsreichen Biohof und Natur, die schon Maxim Gorki schätzte. All das gibt es in und um Bad Saarow.

Sina Schwarz
Seeufer in Bad Saarow
Seeufer in Bad SaarowFoto: Kitty Kleist-Heinrich

Die aufregend funkelnden letzten Wochen des vergangenen Jahres liegen hinter uns — und vor uns der nasskalte Januar. Jetzt beginnt die Zeit des Winters, mit der wir oft nicht viel anzufangen wissen. Außer vor ihr zu flüchten — aufs Sofa, in die sechste Staffel unserer Lieblingsserie oder in eine frühlingshafte Ferne.

Bessere Idee: ein Ausflug aufs Land. Um dort zu finden, wonach wir uns gerade jetzt sehnen: Ruhe nach dem Dezembertrubel und ein wenig wohlige Wärme.

Beides lässt sich besonders gut in der Gegend rund um Bad Saarow verbinden. Dort kann man nachmittags am Scharmützelsee spazieren oder durch das Zwielicht stiller Wälder — und sich anschließend herrlich im Thermenbecken oder beim Saunaaufguss wieder aufwärmen. Danach fühlt sich der Januar auch gar nicht mehr so schlimm an, versprochen!

Hinkommen: Bad Saarow liegt rund 75 km südöstlich von Berlin. Mit dem Regionalexpress (via Fürstenwalde) braucht man eine knappe Stunde dorthin, mit dem Auto dauert es etwa eineinviertel Stunden.

Das Flair vergangener Tage

Als Kur- und Zufluchtsort für natursehnsüchtige Großstädter war Bad Saarow bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts beliebt. In den Goldenen Zwanzigern blühte der Ort immer mehr auf, hier traf sich die Prominenz aus der Film- und Kunstszene, weilte Schriftsteller Maxim Gorki zur Erholung und gaben sich Box-Weltmeister Max Schmeling und Schauspielerin Anny Ondra im Sommer 1933 das Jawort. Auch heute noch lässt es sich recht mondän zwischen Villen, durch den Kurpark und am Ufer des Scharmützelsees flanieren. Zwischendurch genießt man am besten Kaffee, Kuchen oder heiße belgische Waffeln in der Kaffeerösterei oder kehrt auf eine deftige Mahlzeit in das Restaurant Die Bühne am Bahnhof ein, um bei ein wenig 20er-Jahre-Flair den einen oder anderen kulinarischen Klassiker zu verspeisen.

KaffeeRösterei, Seestraße 2a. Öffnungszeiten: Mo–Sa 10–19 Uhr, So 13–18 Uhr. Jeden letzten Donnerstag im Monat finden abends Kaffeeverkostungen statt.
Restaurant & Hotel Die Bühne, Bahnhofsplatz 3. Geöffnet täglich, 11:30–15:30 Uhr und 17–22:30 Uhr.

Rohmilch und Brotzeit

Biohof Marienhöhe
Biohof MarienhöheFoto: Promo Bad Saarow

Etwas außerhalb von Bad Saarow liegt sehr idyllisch Hof Marienhöhe, der seit 1928 nach den Grundsätzen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft arbeitet. 28 Menschen jeden Alters leben in der Hofgemeinschaft und betreiben Milchviehhaltung und Schweinezucht, bauen Getreide, Obst und Gemüse an, produzieren köstlichen Käse, Honig und Brot. Im Hofladen vor Ort findet sich alles, was man für eine gute Brotzeit braucht. Auch kann man hier in den seltenen Genuss von Rohmilch kommen — gänzlich unbehandelte Milch, die nicht im normalen Handel verkauft werden darf.

Hofgemeinschaft Marienhöhe, Marienhöhe 3, 15526 Bad Saarow. Ab dem 7. Januar hat der Hofladen wieder dienstags, freitags und samstags geöffnet (genaue Öffnungszeiten siehe hier). Die Produkte lassen sich auch in ausgewählten Bioläden Berlins und Brandenburgs und ab dem 11. Januar wieder auf dem Wochenmarkt auf dem Chamissoplatz in Kreuzberg finden. Bei strengem Frost bleibt der Gemüsestand allerdings geschlossen.

Ein Sandspaziergang

Eine landschaftliche Besonderheit, die auch im Winter ihre Reize hat, liegt südwestlich von Bad Saarow bei Storkow: die Binnendüne Waltersberge. Das rund 16 Hektar große, hügelig sandige Gebiet, das von knorrigen Kiefern umstanden ist, gehört mit mehr als 30 Metern über der Wasserfläche des Großen Storkower Sees zu einem der höchsten Dünenkomplexe Deutschlands. Früher wurden Teile der Fläche sogar als Weinberg genutzt, heute steht die Düne teilweise unter Naturschutz und bietet vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten (Ameisenlöwe! Ohrlöffel-Leimkraut!) einen Lebensraum.

Auf einem etwa zweistündigen Spaziergang ab dem Bahnof in Storkow lässt sich nicht nur der Sandhügel, sondern auch die mehr als 800 Jahre alte Burg Storkow im Ortskern entdecken. Über Natur- und Kulturgeschichte der Region von der Eis- bis in die Jetztzeit informiert dort die Dauerausstellung »Mensch und Natur — eine Zeitreise«. Kunstvolle Blicke auf die Tier- und Pflanzenwelt des angrenzenden Naturparks Dahme-Heideseen eröffnen die noch bis zum 19. Januar gezeigte Naturfotografieausstellung und die Sonderschau "Bunt ist meine Lieblingsfarbe".

Die Anreise nach Storkow per Zug erfolgt ab Berlin-Alexanderplatz über Königs Wusterhausen in etwa eineinhalb Stunden.
Burg Storkow, Schloßstr. 6, 15859 Storkow. Geöffnet in den Wintermonaten (Nov–Mär) täglich von 11–16 Uhr.

Entdeckung der Einsamkeit

Wer auf etwas naturnaheren Wegen wandern möchte, kann es dem im letzten Jahr allerorts gefeierten Theodor Fontane gleichtun, der die Gegend rund um Bad Saarow 1881 zu Fuß erkundete. Er war es auch, der dem Scharmützelsee den noch heute häufig zitierten Titel "Märkisches Meer" verlieh. Die Stille und Einsamkeit, die er dort empfand und in seinen "Wanderungen durch die Mark" festhielt, lässt sich heute noch genießen. Viele schöne und abwechslungsreiche Wandertouren finden sich rund um Bad Saarow und Wendisch Rietz, auch der bekannte 66-Seen-Wanderweg führt auf einem Abschnitt durch die Region. Für kurze, kalte Wintertage ist die rund acht Kilometer lange Rundtour um die Glubigseen ab Wendisch Rietz besonders gut geeignet — danach bleibt noch Zeit für eine entspannende Abendgestaltung.

Wendisch Rietz erreicht man mit dem RE über Königs Wusterhausen in etwa eineinhalb Stunden. Mit dem Auto dauert die Anreise über die A 113 etwa eineinviertel Stunden.

Aufguss!

Saarow Therme
Saarow ThermeFoto: Promo Saarow Therme

Was gibt es Schöneres, als den kalten, müden Körper nach einer Winterwanderung in einem Wellnesstempel wieder aufzuwärmen? Davon gibt es am Scharmützelsee gleich zwei, jeweils am nördlichen und südlichen Ende.

In der Saarow Therme kann man abwechselnd im Thermalsolebecken (oberes Bild) und in der modern gestalteten Sauna mit Seeblick entspannen. Das in der dortigen Brotbacksauna gebackene Brot kann sogar direkt verkostet werden.

In Wendisch Rietz wartet das Satama Sauna Resort & Spa auf Schwitzbegeisterte. In zehn unterschiedlichen Saunen lässt sich die Hitze nach individuellem Geschmack genießen — in meditativer Ruhe, mit Märchenuntermalung oder bei einem Show-Aufguss in launiger Runde.

Eigentlich also ziemlich gut, dass die kalten Temperaturen wohl noch eine Weile andauern werden...

Saarow Therme, Am Kurpark 1, 15526 Bad Saarow. Geöffnet So–Do von 9–21 Uhr, Fr und Sa von 9–23 Uhr. In den Winterferien (noch bis zum 4. Januar) schließt die Therme jeden Tag erst um 23 Uhr.
Satama Sauna Resort & Spa, Strandstraße 12, 15864 Wendisch Rietz. Geöffnet täglich von 9–23 Uhr.

Kommende Woche fahren wir ins Oderbruch – und freuen uns über über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen und überall rund um Berlin. Gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –

Sina Schwarz
(Sina Schwarz ist Designerin und hat, gemeinsam mit Theresa Wißmann, das Buch "Milch und Moos —Vom Wandern und guten Essen. Brandenburg" veröffentlicht.)