Ausflug nach Templin : Kaltes Wasser, warmes Wasser und entlang der Wachtürme

Auf dem Feld ein Dutzend Kraniche. Nebel zwischen Kiefernstämmen. Sonst ist nicht viel los. Genau das ist das Schöne im Naturpark Uckermärkische Seen.

Theresa Wißmann
Der Weg nach Annenwalde - okay, ganz so grün sieht es da im Moment nicht aus...
Der Weg nach Annenwalde - okay, ganz so grün sieht es da im Moment nicht aus...Foto: Steffen Lehmann/TMB Fotoarchiv

Auf dem Weg in den Naturpark Uckermärkische Seen ziehen Alleen, Wälder und Hügel vor dem Fenster vorbei, sobald man die Autobahn verlässt (oben auf dem Bild: der Weg nach Annenwalde - okay, ganz so grün sieht es da im Moment nicht aus...). Über Land zu fahren macht nirgends sonst so viel Spaß wie in der Gegend um Templin.

Eines der drei schmucken Stadttore in Templin.
Eines der drei schmucken Stadttore in Templin.Foto: Colin Smith / CC BY-SA 2.0

An der Mauer, auf der Lauer

Einmal rings herum dauert ein Spaziergang entlang der Stadtmauer von Templin eine Dreiviertelstunde. Abgesehen von ein paar Durchbrüchen zugunsten des Verkehrs steht die mittelalterliche Mauer heute nach wie vor als geschlossener Ring von 1.735 Metern Länge. Wer aufmerksam die ganze Anlage abläuft, zählt 47 Wiekhäuser, halbrunde Ausbuchtungen für die Wachposten. Drei schmucke Stadttore gibt es (oben das am Ende der Martin-Luther-Straße), sowie ein paar kleinere Nebentore. Gut zu wissen: Den Pulverturm erkennt man an seinem hohen steinernen Hut, im Eulenturm wurden einst Gefangene eingesperrt.

Innerhalb der Stadtmauer fällt die Orientierung leicht, dem Schachbrettmusterplan der Straßen sei Dank. Hinter dem barocken Rathaus auf dem Marktplatz lohnt sich ein Abstecher in die Rühlstraße, wo sich bei manchem alten Fachwerkhäuschen im Wortsinne die Balken biegen. Zu beschaulich wird es jedoch nie, als Kontrast zum alten Charme lockern nüchterne Sechzigerjahrebauten das Stadtbild auf.

Templin hat in diesem Jahr 750. Jubiläum. Das wollen die Templiner feiern, sogar mit einem Rekordversuch. Am 6. September soll hier der größte Brunch der Welt stattfinden. Um es ins Guinness-Buch zu schaffen, müssen 1.600 Gäste kommen, die sich an einer langen Tafel einmal quer durch die Innenstadt zum Frühstück treffen.

Hinkommen: Ab Berlin-Mitte erreicht man Templin in gut 1,5 Stunden mit dem Auto. Parkmöglichkeiten direkt an der Stadtmauer gibt es in der Heinestraße. Die Regionalbahn RB 12 braucht ab Berlin-Lichtenberg ebenfalls 1,5 Stunden bis zum Bahnhof Templin Stadt. Etwas verwirrend: Templin besitzt zwei Bahnhöfe. Stadtführungen bietet die Tourist-Info dienstags um 14 Uhr und samstags um 10:30 Uhr an. Kosten: 4 Euro.

Das warme Salzwasser in der Templiner Naturtherme schmeckt immer ein bisschen nach Urlaub.
Das warme Salzwasser in der Templiner Naturtherme schmeckt immer ein bisschen nach Urlaub.Foto: Naturtherme Templin

Zwischen Schwitzbad und Salzwasser

Man kann es nicht oft genug sagen: Um es sich am Wochenende vor den Toren Berlins gutgehen zu lassen, zählt im Winter ein Thermenbesuch zum Pflichtprogramm. Die Naturtherme in Templin fördert Thermal-Sole, das warme Salzwasser ist gut für Haut und Atemwege und schmeckt immer ein bisschen nach Urlaub. Während sich im Wellenbad die Kinder austoben, geht es im Warmwasser-Bereich unter freiem Himmel ruhiger zu. Zwischendrin frische Luft schnappen kann nebenan im Saunagarten auch, wer nach einem Schwitzgang mit Salz-Honig-Aufguss noch in den Nebel der Dampfsauna eintauchen will.

Die Naturtherme Templin liegt etwa 3 Kilometer außerhalb des Ortskerns. Zwar fahren Busse (am Wochenende halbstündlich), jedoch nicht mehr abends. Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 26 Euro, unter der Woche gibt es vergünstigte Feierabendtarife.

Die Kirche in Annenwalde. Ohne Turm, dafür von Schinkel.
Die Kirche in Annenwalde. Ohne Turm, dafür von Schinkel.Foto: Doris Antony/Wikicommons/CC

Ein Dorf und sein Glas

Annenwalde. Würde ein Dorf mit diesem Namen nicht idyllisch und verschlafen daherkommen, wären wir doch sehr enttäuscht. Und? Links der Dorfstraße ein Reiterhof. Rechter Hand das Restaurant Kleine Schorfheide, ein Ort für den Hunger auf deftige Küche oder knusprige Flammkuchen. Etwas weiter dann eine Schinkel-Kirche. Ohne Kirchturm zwar, aber eine Kirchenglocke gibt es doch. Sie hat ihren Platz vor dem Gebäude in einem hölzernen Glockenstuhl gefunden, auf Augenhöhe.

Beim Besuch der Glashütte spürt man der Geschichte nach: Annenwalde war als Glashüttendorf gegründet worden. Hier wurden Flaschen für Apotheken und Brauereien produziert. Benannt ist der Ort übrigens nach der Frau des Glasmachers, der hier Mitte des 18. Jahrhunderts die erste Hütte gründete.

In dem Betrieb von heute werden Kunstwerke statt Flaschen gefertigt, man kann sie im Skulpturenpark des Geländes bewundern.

Von Templin aus sind es etwa 12 km bis Annenwalde. Es fahren mehrmals täglich Busse (Linie 517). Das Restaurant Kleine Schorfheide hat immer freitags und samstags von 12 bis 21 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. In der Glashütte Annenwalde werden auch Workshops angeboten. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 11 bis 16 Uhr.

In Lychen ist das Wasser nie weit weg. Hier ein winterlicher Blick auf den Wurlsee.
In Lychen ist das Wasser nie weit weg. Hier ein winterlicher Blick auf den Wurlsee.Foto: Steffen Lehmann/TMB Fotoarchiv

Winterfrische am Wasser

In Lychen ist das Wasser nie weit weg. Egal um welche Straßenecke man biegt, bald ist wieder einer der sieben Seen in Sicht, die den Ort umgeben. Die Flößerei war über Jahrhunderte wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Heute ziehen die Gewässer Touristen an. Vor allem natürlich im Sommer – jetzt hat man die Seen für sich und muss die Wanderwege nur selten mit anderen Besucher*innen teilen.

Der Wurlsee-Rundweg ist mit etwa fünf Kilometern Länge in gut eineinhalb Stunden zu bewältigen. Ausgerüstet mit dicken Handschuhen, Mütze und imprägniertem Schuhwerk bleiben bei dieser Streckenlänge alle Ausflügler gutgelaunt. Der zuverlässig ausgeschilderte Weg (gelbes Kreuz) führt viel auf schmalen Pfaden direkt am See entlang. Laubwald, Erlenbrüche und ein Ausblick über hügelige Felder stillen die Natursehnsucht. Einmal biegt der Weg sehr abrupt ab, um ein Privatgrundstück zu umgehen, die Führung ist aber nicht zu übersehen. Der beste Einstieg für den Wurlsee-Rundweg ist der Parkplatz beziehungsweise die Bushaltestelle am Netto-Markt in der Berliner Straße.

Lychen liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich von Templin, die Busverbindung ist am Wochenende eher umständlich. Einen Track zur Wurlsee-Wanderung gibt es hier. Allerdings führt die hier beschriebene Strecke bis zum Lychener Zentrum und verlängert sich so auf 7 Kilometer.

Vor allem aber ist die Uckermark zwischen Templin und Lychen so schön, dass sie auch durch die Windschutzscheibe begeistert. Sonntagsfahrer*innen, die schon während der Anreise nach Templin und Umgebung die Landschaft genießen wollen, haben auf der Route über Groß Schönebeck und die Landstraßen 220, 100 und 216 ihre Freude. Ist es auf dem Rückweg bereits dunkel, sind die Bundesstraßen die bessere Wahl. Einfach, weil sie breiter sind.

Nächste Woche geht es in den Osten des Barnim! Wir freuen uns über über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen und überall rund um Berlin. Gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –

Theresa Wißmann

Theresa Wißmann ist freie Autorin und hat, gemeinsam mit Sina Schwarz, das Buch "Milch & Moos – Vom Wandern und vom guten Essen" veröffentlicht

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