Ausflug nach Wandlitz : Der beste See im C und Honeckers geheimer Garten

Gerade in diesen Tagen tut ein Spaziergang gut: In Wandlitz entdecken wir den fjordähnlichen Liepnitzsee, Honeckers ehemaligen Bungalow und blühende Maiglöckchen.

Der Himmel spiegelt sich im Wasser des Liepnitzsees bei Wandlitz.
Der Himmel spiegelt sich im Wasser des Liepnitzsees bei Wandlitz.Foto: Jonas Bickelmann

Wichtiger Hinweis: Dieser Text ist vor der Coronavirus-Quarantäne entstanden. Bitte halten Sie die allgemeinen Empfehlungen ein und belassen Sie es während dieser Zeit bei Spaziergängen. Öffnungszeiten gelten für Nicht-Quarantäne-Zeiten.

Mehr Idylle kann man mit einem BVG-Fahrschein nicht erreichen. Nur ein kleiner Spaziergang ist es vom Bahnhof Wandlitz bis zum Liepnitzsee, die Station liegt gerade noch im Bereich C des Berliner Verbunds. Im Sommer fühlt es sich dort fast ein bisschen wie in Mitte an, unter den Buchen wird viel Englisch und Spanisch gesprochen. Aber die klare Luft, das grün leuchtende Wasser und diese Weite, das gibt es nur hier draußen!

Politbüro-Wald

Wandlitz steht für viele Menschen bis heute eher für Politbüro als für Natur. In einer streng geheimen Siedlung im Wald lebten Margot und Erich Honecker, Egon Krenz, Erich Mielke, Walter Ulbricht und andere DDR-Kader. 650 Stasi-Leute schützten sie.

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1123-032 Zimmermann CC BY SA 3.0

In der Wendezeit durfte erstmals ein Team des DDR-Fernsehens auf das Gelände – das Video ist eine interessante Einstimmung auf den Besuch. Das schmiedeeiserne Tor ist noch da, aber heute nicht mehr verschlossen. Auf dem Gelände befindet sich heute eine Rehaklinik. Die Häuser der Nomenklatura stehen noch. Von Luxus kann keine Rede sein. Es handelt sich um eine deprimierende Bungalowsiedlung in Einheitsbauweise.

Hinkommen: Mit der S-Bahn und dem RB 27 schafft man es in unter einer Stunde vom Berliner Zentrum. Mit dem Auto dauert es kaum länger. Ab dem Bahnhof Wandlitz (nicht zu verwechseln mit Wandlitzsee, etwas weiter nördlich) folgen Sie der Bernauer Chaussee und dann dem Radweg entlang der B273 bis zur Waldsiedlung. An der Bundesstraße gibt es reichlich Parkplätze. Gerade aus dem Berliner Norden ist die Strecke auch mit dem Fahrrad gut zu bewältigen.

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Barnim-Fjord

Heute baden im nahegelegenen Liepnitzsee nicht mehr Margot und Erich, sondern Besucher aus der Hauptstadt und dem Umland. Der See ist so groß, dass es selbst im Sommer nicht zu voll wird, auch auf die große Insel in der Mitte kann man ausweichen. Zum Schwimmen ist der März zu kalt, aber für einen Spaziergang lohnt sich der Weg allemal. Enten schlafen auf dem See, Eichhörnchen springen durch das kahle Geäst. Und die zwei einsamen Fischer in ihrem Boot treiben auf der Spiegelung von Wald und Spätwinterhimmel, wie es sich auch ein flämischer Meister nicht besser hätte ausdenken können.

Von den Parkplätzen an der der B273 folgen Sie den Wegweisern zum See durch den Wald. Zu Fuß dauert es kaum länger als zehn Minuten zum Ufer.

Foto: Jonas Bickelmann

Auf der Maiglöckchenwiese

Wandlitz war ursprünglich nicht mehr als ein kleines Dorf mit Kopfsteinpflasterstraßen und einer Feldsteinkirche. Die liegt inmitten einer Wiese, auf der jetzt schon Maiglöckchen sprießen. Auf einem Bauernhof in der Nähe der Kirche bauen Holger und Katrin Gerstel ökologisch Getreide und Gemüse an. Sie haben auch 60 Hennen und halten Mutterkühe – die werden nicht gemolken, sondern geben alle Milch ihren Kälbern. Der Hofladen öffnet am Freitag und Samstag.

Foto: Jonas Bickelmann

Etwas profan auf dem Lidl-Parkplatz gelegen, lohnt das kleine Café „Alles Quark..?!“ einen Besuch –  wegen der Spezialitäten aus dem eigenen Ofen. Käsekuchen gibt es dort klassisch oder mit Birne, Kirschen, Heidelbeeren... Auch Bio-Brot aus einer Eberswalder Bäckerei ist erhältlich.

Gerstels Bioladen ist freitags von 9 bis 18 und samstags bis 13 Uhr offen. Eine Ferienwohnung gibt es auch. Das Käsekuchen-Café hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet, samstags nur bis 17 Uhr; Sonntag und Montag geschlossen.

Baumhaus mit Ausblick

Gegenüber des Biohofs Gerstel parkt ein panzerähnliches Gefährt aus sowjetischer Produktion. Aber das Kettenfahrzeug hat mehr mit Landwirtschaft als mit der Roten Armee zu tun – es ist ein Traktor aus der Sammlung des Natur- und Agrarmuseums Barnim-Panorama.

Neben der großen Fahrzeugsammlung gibt es auch steinzeitliche Werkzeuge aus dem Umland und einen ausgestopften Heckrindbullen zu sehen. Zwei Zoodirektoren wollten mit dieser Nachzucht den ausgestorbenen Auerochsen wiedererstehen lassen. Besonders sehenswert sind auch der Bohrkern aus dem Wandlitzsee neben dem Panoramafenster im obersten Stockwerk und das Baumhaus im Schaugarten.

Das Zentrum öffnet täglich außer Freitag von 10–18 Uhr, Einlass bis eine Stunde vor Schließung. Erwachsene: 6 €, ermäßigt 4, Kinder (6-16) 2,50, Familien 14. Übrigens bekommen Sie im Museumsshop auch Marmelade vom Biohof Gerstel, falls der Hofladen geschlossen ist.

Haus am See

Der Liepnitzsee ist zwar der schönere See im Umkreis, der Wandlitzsee dafür etwas mondäner. Durch Arkaden kann man vom Bahnhof Wandlitzsee zum Strandbad wandern. Kurbad-Vibes sind auch im Hotel Seeterrassen am Ufer zu spüren. Durch große Glasfenster fällt der Blick über das Gewässer. Gut sind die Spaghetti mit Gemüse und Büffelmozzarella. Schöne Auswahl an einfallsreichen Desserts.

Nach Ostern schließt das Restaurant für einen umfassenden Umbau. Die Küche wird dann neu konzipiert – vielleicht ja auch mit veganen Optionen.

Das Restaurant hat von Dienstag bis Samstag jeweils von 17 bis 23 Uhr geöffnet.

Auch kommende Woche (sofern Quarantänegründe nicht dagegen sprechen) fahren wir wieder raus vor die Tore Berlins und freuen uns über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen. Gerne (wie auch alle anderen Hinweise, Kritik und Wünsche!) per Mail an berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –

Jonas Bickelmann