Kachelöfen, Bratäpfel, Meditation im Schloss : Was es bei einem Ausflug an die Oberhavel zu entdecken gibt

An der Oberhavel entdecken wir Keramikkunst, ein Scheunenviertel und buddhistische Andacht im Schloss Sommerswalde. Oooommmmm!

Lydia Brakebusch
Keramikmuseum Velten
Keramikmuseum VeltenFoto: Kitty Kleist-Heinrich

Kulturpessimisten mögen behaupten, die Adventszeit sei nur noch Konsumrausch, Lichterketten-Bling-Bling und Völlerei. Aber schon letzte Woche haben wir mit unserer Auswahl von Brandenburger Weihnachtsmärkten bewiesen: Es gibt sie noch, die traditionell geprägten Orte für die besinnliche Stimmung. Diese Woche geht es weiter – mit einer Nostalgie-Tour rund um Velten/Oberhavel.

Kacheln und Keramik

Bei winterlichen Temperaturen ist wohl jeder Berliner froh über eine Zentralheizung, die ohne jedes Kohlen-Schleppen wohlige Wärme verströmt. Und doch stimmt ein Besuch im Ofen- und Keramikmuseum Velten beinahe wehmütig – so schön, prunkvoll und detailreich gearbeitet sind die ausgestellten Kachelöfen im Vergleich zu schnöden Heizkörpern. 43 Ofenfabriken und keramische Werkstätten gab es einst in Velten, Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier rund 100.000 Kachelöfen jährlich produziert.

Die Wärmespender waren auch Designobjekt und Statussymbol: Im Museum gibt es die verschiedensten Exemplare zu sehen – neben vielen Infos über die Ofenstadt und weitere Verwendungen der Kacheln, beispielsweise an den Wänden des knallorangefarbenen U-Bahnhofs Rosenthaler Platz.

Ein zweiter Teil des Museums (Foto ganz oben) zeigt die zeitlose Kunst einer der bedeutendsten deutschen Keramikerinnen des 20. Jahrhunderts: Hedwig Bollhagen begann ihre Karriere in einer Veltener Steingutfabrik.

Kunstgewerbe gibt es auch am dritten Adventswochenende zu sehen, wenn das Museum zum traditionellen Weihnachtsmarkt lädt. Dort können sich Nostalgiker einen Kachelofen aus Lebkuchen basteln und so zumindest eine Mini-Version des alten Glanzes mit ins heimische Wohnzimmer nehmen.

Hinkommen: Mit dem Auto fährt man rund 40 Minuten über die A111 nach Velten. Per Zug geht es von Spandau mit dem RE6 direkt nach Velten oder per S-Bahn nach Oranienburg oder Hennigsdorf und von dort mit dem Bus (824 bzw. 807). Das Museum hat von Di-Fr von 11-17 Uhr geöffnet, am Wochenende von 13-17 Uhr. Eintritt 5, ermäßigt 4,50 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei. Der Weihnachtsmarkt öffnet am Samstag, 14. Dezember, von 13-20 Uhr, am Sonntag, 15. Dezember, von 11-18 Uhr.

[Ausflugstipps von Tagesspiegel Berliner Draußen: Die schönsten Seen, die idyllischsten Spaziergänge, die besten Landgasthöfe und Events im Berliner Umland – jede Woche per Mail. Hier kostenlos abonnieren!]

Bratapfel am Havelufer

Foto: Gasthaus zum weißen Schwan Promo

Im Ortsteil Hohenschöpping wurden die Kacheln der Veltener Ofenfabriken auf Lastkähne verladen. Die Schiffer und Flößer stärkten sich schon im 19. Jahrhundert im Gasthaus zum Weißen Schwan. Die traditionsreiche Gaststätte wird heute in der fünften Generation geführt. Nach einem kleinen Spaziergang am Havelufer bringen Bratapfelstrudel, Winterpunsch und das rüschige Antik-Ambiente die Seele zum Glühen.

Historische Bauelemente, Bärenklauer Weg 2 / Ritterstraße, Marwitz. Geöffnet ist Di-Fr von 10-18 Uhr - und jeden ersten Samstag im Monat.

Schön und teuer

Sollten Sie Ihre Nostalgietour wochentags begehen oder an einem ersten Samstag im Monat, dann ist ein Besuch der Historischen Bauelemente Marwitz am Ortsrand von Velten ein Muss. Antiquitäten von Renaissance bis Bauhaus sind hier auf einem weitläufigen Gelände in verschiedenen Hallen zu bestaunen: von der Jugendstil-Tür über die Alt-Berliner-Fliese bis zur Gipsskulptur.

[Ausflugstipps von Tagesspiegel Berliner Draußen: Die schönsten Seen, die idyllischsten Spaziergänge, die besten Landgasthöfe und Events im Berliner Umland – jede Woche per Mail. Hier kostenlos abonnieren!]Vieles ist sehr hochpreisig – eine gute Lektion für eine traditionelle Adventszeit: Der Konsumrausch wird automatisch im Zaum gehalten. Kleine Liebhabergeschenke für Freunde können sich Vintage-Shopper aber durchaus leisten.

Historische Bauelemente, Bärenklauer Weg 2 / Ritterstraße, Marwitz. Geöffnet ist Di-Fr von 10-18 Uhr - und jeden ersten Samstag im Monat.

Alles vintage

Die Stadt Kremmen wurde in den Jahren 1606 bis 1680 fünfmal fast vollständig durch Scheunenbrände zerstört. Per kurfürstlichem Erlass wurde schließlich verordnet, dass Scheunen außerhalb der Stadt zu errichten und „mit Steinen zu belegen“ seien. Das Ensemble aus 50 Gebäuden steht heute unter Denkmalschutz und wurde mit der Restaurierung in den 90er-Jahren wiederbelebt: Cafés, Restaurants, ein Theater und allerlei Läden zogen ein. Wem die Auswahl in Marwitz zu kostspielig war, der kann hier einen zweiten Antiquitätenbummel anschließen. Oder unter dem breiten Angebot an Kunsthandwerk und Holzmöbeln nach Weihnachtsgaben suchen.

Scheunenviertel, Scheunenweg 50, Kremmen, verschiedene Öffnungszeiten der einzelnen Angebote - bitte hier nachschauen!

Richtig Runterkommen

Foto: Tharpaland Promo

Zum Abschluss des Oberhavel-Ausflugs geht es ins Forsthaus Sommerswalde im Veltener Nachbarort Oberkrämer. Neben Wildbratwurst oder Fisch steht hier in der Vorweihnachtszeit auch mal ein Braten von der freilaufenden Gans auf der Karte. Auch Vegetarier und Veganer werden kulinarisch in Festtagsstimmung gebracht. Für Übernachtungsgäste gibt es Ferienwohnungen.

Wer fürs neue Jahr plant, sich in Achtsamkeit zu üben, der bucht ein Retreat-Wochenende im Schloss Sommerswalde, gleich neben dem Forsthaus. Dort hat das Tharpaland Meditationszentrum seinen Sitz und lädt mittwochs und donnerstags zu offenen Meditationskursen (6 Euro). Beim Retreat erlernen Teilnehmer*innen verschiedene Techniken, inneren Frieden zu finden – an den Vormittagen wird durchgehend geschwiegen. Auch mal schön, vor oder nach all den wuseligen Weihnachtsfeiern. Für den 13.-15. Dezember gibt es noch freie Plätze. Oooommmmm.

Forsthaus Sommerswalde, Sommerswalde 4-5, Oberkrämer. Tharpaland Meditationszentrum im Schloss Sommerswalde, Sommerswalde 8, Oberkrämer.

Kommende Woche fahren wir an den Stechlin – und freuen uns über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen und überall rund um Berlin. Gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –
Lydia Brakebusch

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