Stechlin-Ausflug : Klarer See, gespiegeltes Schloss, waldgrünes Glas

Rund um den Stechlinsee entdecken wir stille Wanderpfade, ein überraschendes Industriedenkmal und feinsten Fisch, direkt aus dem klaren See.

Ufer des Großen Stechlinsees
Am Ufer des Großen StechlinseesFoto: Jonas Bickelmann

Und dann öffnet sich hinter dem Wald diese stahlgrau glänzende, weite Fläche. Da liegt er, der Große Stechlinsee. Im Sommer leuchtet sein Wasser manchmal so blau wie eine Bucht im Mittelmeer, denn der Stechlin ist einer der klarsten Seen Norddeutschlands. Jetzt, in der kalten Zeit, hat man den See fast für sich alleine. Noch märchenhafter sieht die Landschaft aus, wenn sie von Raureif bedeckt ist.

Hinkommen: Mit dem Auto dauert es ab Berlin etwa anderthalb Stunden nach Neuglobsow, über die B96. Parkplätze gibt es reichlich. Der erste von dreien liegt etwas außerhalb des Ortes – aber im Winter ist selbst der dritte, zentralste Parkplatz fast leer. Mit Bahn und Bus dauert es im besten Fall auch nicht viel länger, nehmen Sie dafür den RE5 nach Fürstenberg und dann Bus 839.

Süße Grundlage

Nach der Anfahrt aus Berlin ist das Café Glasklar Anlaufpunkt für eine kleine Stärkung. Hier, in einem lichten, hohen Raum, servieren Susanne Ludwig und ihr Team hausgebackene Kuchen. Empfehlung: die mit Blütenblättern bestreute Rüblitorte. Die Zutaten kommen meist aus regionaler und ökologischer Erzeugung. Das Team kocht auch Mittagessen. Außerdem im Angebot: regionale Köstlichkeiten zum Beispiel Salzkaramell aus der Rheinsberger Manufaktur „marmelo“, Bio-Imkerhonig (nicht geschleudert, sodass alle Inhaltsstoffe erhalten bleiben) oder im Café hergestellte Sirups. Aber auch wenn es hier so heimelig ist – auf, auf, der See ruft!

Das Glasklar liegt direkt neben dem zentralen Parkplatz. Es hat im Winter von Freitag bis Montag geöffnet, jeweils 9 bis 17 Uhr, außerdem am 25. und 26.12., am 24.12. 9 bis 13 Uhr.

Allein mit Wald und See

Über die Dorfstraße geht es immer weiter geradeaus. Ein paar hundert Meter weiter, hinter einem kurzen Waldstück, liegt er da, der glasklare See. Nur das Schwappen der Wellen erreicht die Ohren. Bis zu zwölf Meter reicht der Blick ins tiefe Wasser des Sees. Schon vor mehr als 70 Jahren wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt.

Aus Neuglobsow kommend, biegen Sie am Ufer nach links ab und folgen zunächst der roten Markierung. Wenn Sie wollen, geht es einmal ganz um den See herum (nach der roten folgen Sie dafür der blauen, dann der grünen Markierung). Zu entdecken: ein schwimmendes Seelabor, ein DDR-Atomkraftwerk (Ja, tatsächlich! Es ist aber längst stillgelegt.) und unzählige Bäume, von Moos beflaumt, das mit dem gefallenen Laub kontrastiert. Und immer wieder der Blick ins glasklare Wasser.

Die vollständige Umrundung ist 14 Kilometer lang und dauert etwa vier Stunden. Natürlich geht es auch umgekehrt, rechts um den See. Das alte Kraftwerk können Sie sogar besichtigen: Mittwochs in geraden Kalenderwochen um 13 Uhr. Anmeldung unter 033931/57561.

Diesen Fisch gibt es nur hier

Maränen in der Fischerei Böttcher
Maränen in der Fischerei BöttcherFoto: Jonas Bickelmann

Es ist Zeit für eine Stärkung:  Stechlin-Fischer Böttcher öffnet seine warme Stube auch jetzt in der kalten Jahreszeit. Auf dem Speiseplan stehen Fische, die im See gefangen und direkt verarbeitet werden. Spezialität des Hauses ist die Fontane-Maräne, eine lachsartige Fischart, die es nur im Stechlinsee gibt. Maränen fühlen sich in so sauberen Gewässern wohl. Aus Neuglobsow kommend liegt die Fischerei rechts am See, nur ein paar hundert Meter um eine Bucht herum.

Am 24.12 ist die Fischerei Böttcher bis mittags geöffnet, vom 20. bis 22. und 27. bis 29. Dezember jeweils von 11 bis 17 Uhr. An Neujahr gibt es Frühschoppen, dann ist erstmal Pause. Je nach Witterung geht es im Februar weiter. Maräne mit Beilagen kostet 10,50 Euro. Die Fischerfamilie bietet auch Ferienwohnungen in Seenähe an.

Glasklares Wasser, waldgrünes Glas

Glas ist am Stechlin nicht nur die bevorzugte Metapher, um das Wasser des Sees zu beschreiben. Neuglobsow wurde vor 240 Jahren als Siedlung von Glasmachern gegründet. Die Arbeiter lebten in einstöckigen Fachwerkhäusern – in einem rekonstruierten findet sich die Touristeninformation mit ihren stets hilfsbereiten Mitarbeiterinnen. Auch heute gibt es hier Glaskunst zu kaufen, sie kommt aus Thüringen oder Böhmen. Etwa von demselben Glasbläser, der auch die Lampen der Hamburger Elbphilharmonie herstellte.

Im angeschlossenen Glasmuseum lernen wir Faszinierendes über die Geschichte der Siedlung. Etwa, dass die Siedlung im männerdominierten 18. Jahrhundert von einer Frau gegründet wurde. Louise Pirl begründete den Erfolg des Neuglobsower Glases. Ebenfalls interessant: Die Glasmacher zahlten für die hübschen Fachwerkhäuser nur etwa 3,5 Prozent ihres Lohns.

Von November bis März öffnet das Museum Mittwoch, Donnerstag und Sonntag jeweils 10 bis 14 Uhr – oder nach Absprache. 2,50 € Eintritt.

Das stillere Sanssouci

Schloss Rheinsberg
Schloss RheinsbergFoto: Jonas Bickelmann

Aus Neuglobsow windet sich die Landstraße durch den Wald bis nach Rheinsberg. Friedrich der Große soll im hiesigen Schloss Ideen für Sanssouci ausprobiert haben. Aber den Vergleich hat Schloss Rheinsberg gar nicht nötig. Die Turmspitzen des klassizistischen Meisterwerks spiegeln sich im angrenzenden Grienericksee. Das ist bei jedem Wetter malerisch. Und hier muss man sich nicht durch Menschenmassen bewegen, sondern ist mit etwas Glück ganz allein im königlichen Gemäuer. Der Park ist ein Meisterwerk des 18 Jahrhunderts mit Brücken, Kanälen und Grotte. Und Postkartenblick aufs Schloss.

Die Innenräume des Schlosses sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet, abweichend an den Feiertagen. Eintritt ins Schloss 8 Euro, 10 Euro inklusive Kurt Tucholsky-Literaturmuseum (ebenfalls im Schloss). Aus Neuglobsow fahren Sie etwa 18 Minuten mit dem Auto bis Rheinsberg. Mit den Öffentlichen müssen Sie einen großen Umweg einplanen.

Kommende Woche machen wir eine kleine Weihnachtspause - am 2. Januar fahren wir nach Bad Saarow – und freuen uns über über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen und überall rund um Berlin. Gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –

Jonas Bickelmann