Unterwegs im Hohen Fläming : Ein Ausflug zu Burgen, Urwäldern und überraschenden Gipfeln

Rauf und runter geht’s im Fläming. Das sieht erstmal nicht, wer diesen rund 100 Kilometer von Berlin entfernten Landstrich vom Auto- oder Zugfenster aus beobachtet.

Theresa Wißmann
Ein Erlebnis für Schwindelfreie ist die Turmbesteigung auf Burg Rabenstein. Über steile Stiegen geht es hoch hinauf.
Ein Erlebnis für Schwindelfreie ist die Turmbesteigung auf Burg Rabenstein. Über steile Stiegen geht es hoch hinauf.Foto: Theresa Wißmann

Da wirkt der Flickenteppich aus Feldern mit junger grüner Saat, nacktem Boden und Kiefernwald eher flach. Ein wenig aus der Puste kommen aber alle, die dort einen Burgturm erklimmen oder sich auf dem Großen Brachwitz ins Gipfelbuch eintragen. Sollte einem trotz dieser körperlichen Aktivitäten noch immer nicht warm werden, empfehlen wir ein Whisky-Tasting.

***

Steile Stiegen auf Burg Rabenstein

Eine Ritterrüstung lehnt in einer dunklen Ecke, die Folterkammer offenbart hinter dicken Gitterstäben ein Sammelsurium von Martergeräten. Beim Erkunden der Burg Rabenstein reiht sich ein schmaler und dunkler Raum an den nächsten. Wer größer ist als 1,50 Meter, muss hier öfter mal den Kopf einziehen, die Türstürze sind gefährlich niedrig.

Seit rund 800 Jahren ragt der mächtige Burgturm mit seinen 30 Metern Höhe auf dem „Steilen Hagen“ – einer natürlichen Erhebung – aus dem Wald empor. Schon auf dem Weg zum eigentlichen Burghof ist die alte Scheune mit ihrem ausgefallenen Spitztonnendach ein echter Hingucker. Die urige Gastwirtschaft ist am Wochenende geöffnet und lädt außerdem regelmäßig zu Ritteressen und Gruseldinnern ein. Sogar übernachten kann man auf der Burg: Die schlichte Herberge zieht vor allem Schulklassen an.

Ein Erlebnis für Schwindelfreie ist die Turmbesteigung. Über steile Stiegen geht es hoch hinauf. Die letzte Treppe vor der Dachluke hat es noch einmal in sich, das Geländer reicht nicht mal bis zum Knie. Draußen auf dem Dach darf dann durchgeatmet werden, der Rundumblick ist herrlich. Die Rabener Dorfkirche ragt nicht weit entfernt empor.

Profi-Tipp: Wer die Burg einmal umrunden will und den Trampelpfad wählt, der rechterhand unterhalb der dicken Burgmauern entlangführt, kommt nach drei Vierteln der Strecke nicht weiter. Noch bevor wieder der Ausgangspunkt erreicht werden kann, verläuft sich der Weg im Gebüsch. Nun kann man entweder umdrehen (zu empfehlen!), oder sich durch eine Lücke im Zaun zwängen (nicht empfehlenswert und auch nicht erwünscht!). Zur Not wählt man  – etwas eleganter – statt der Zaunlücke den Weg außen um den Zaun herum.

Hinkommen: Vor dem Saisonstart im Frühling erreicht man das Dorf Raben am besten mit dem Auto über die A115. Ab Ostern aber fahren wieder die Busse der Burgenlinie 572 ab Bad Belzig direkt nach Raben. 
Die Burg Rabenstein ist samstags und sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet, ab April mittwochs bis sonntags von 11 bis 19 Uhr. Die Turmbesteigung kostet für Erwachsene 2 Euro, für Kinder 0,50 Euro. An der Treppe dient eine Holzbox als Vertrauenskasse. Es gibt kein Wechselgeld, deshalb sollte man Kleingeld dabei haben.
Rechts der Burg ist eine Falknerei angeschlossen, Öffnungszeiten hier: 1. April bis 15. Oktober, Flugvorführung dann täglich außer montags um 14:30 Uhr, Eintritt: 6 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Kinder.

***

Mit dem Urwald von Klein Marzehns wurde hier eine sogenannte Naturwaldzelle eingerichtet.
Mit dem Urwald von Klein Marzehns wurde hier eine sogenannte Naturwaldzelle eingerichtet.Foto: Theresa Wißmann

Urwald mit Gipfelbesteigung

Egal wie das Wetter mitspielt, dieser Spaziergang geht immer! Für die sieben Kilometer auf dem Naturpark-Rundwanderweg 42 braucht man gute eineinhalb Stunden. Startpunkt ist die Burg Rabenstein, von hier aus führt der sehr gut ausgeschilderte Weg über Felder hinaus Richtung Wald. Und der ist hier sehr besonders: Nach dem üblichen Wechsel aus Kiefernstämmen und Lichtungen ändert sich plötzlich die Umgebung. Der Weg schlängelt sich in Kurven zwischen Eichen und Buchen hindurch, Moos bedeckt die Stämme und immer wieder liegen umgefallene Bäume kreuz und quer. Mit dem Urwald von Klein Marzehns wurde hier eine sogenannte Naturwaldzelle eingerichtet, man überlässt die Natur sich selbst und schaut, wie sich das Gebiet ohne menschliche Eingriffe entwickelt. Die Prognosen besagen, dass sich die Rotbuche hier weiter ausbreitet und damit ein Stück des europaweit immer seltener werdenden Tieflandbuchenwaldes erhalten werden kann.

Interessant ist auch die „Millionenbrücke“, die wenig später über den Wanderweg hinweg führt: Hier tragen ein moderner Betonbau von 1999 und ein denkmalgeschütztes Steingewölbe von 1936 gemeinsam die sechsspurige Autobahn A9. Ob die Brücke ihren Spitznamen wegen der vermeintlichen Baukosten oder wegen der Anzahl der verbauten Ziegelsteine bekommen hat, ist nicht ganz klar.

Dass man auf dem Weg sogar noch einen Gipfel erreicht, bemerkt man erst an der Markierung des Großen Brachwitz (139 Meter) mitsamt Wanderbriefkasten und Gipfelbuch. Hier natürlich unbedingt verewigen! Und ja, vielleicht geht einem der Atem beim Anstieg sogar etwas schneller.

Der Wanderweg 42 ist ab dem Parkplatz vor Burg Rabenstein ausgeschildert, eine Broschüre mit allen Informationen findet sich hier.

***

Ein Dorf namens Raben

Am Fuße der Burg Rabenstein und von dort über den Naturerlebnispfad durch ein kleines Schutzgebiet erreichbar, liegt das Dorf Raben. Hier empfängt das Naturparkzentrum Hoher Fläming Wanderer und Ausflügler. Zwar ist das Gebäude als „Alte Brennerei“ bekannt, weil dort einmal Schnaps oder Kalk (man weiß es nicht so genau) gebrannt wurden. Die Überbleibsel einer anderen Nutzung aber gibt es heute immer noch zu bestaunen: Vom Boden bis zur Decke streckt sich die gusseiserne Säule eines Pferdegöpels, oben sitzt ein großes Zahnrad. In früheren Zeiten wurde damit durch Pferdekraft Wasser zur Burg hinauf gepumpt.

Die Erlebnisausstellung im oberen Stockwerk wird gerade überarbeitet, voraussichtlich ab Ostern können kleine und große Entdecker dort wieder über das Leben von Wölfen lernen, sprechenden Bäumen lauschen oder mitten am Tag auf Nachtwanderung gehen. Wer Produkte aus der Region zu schätzen weiß, wird im kleinen Fläming-Laden im Kellergewölbe des Gartenhauses seine Freude haben. Dank eines liebevoll zusammengestellten Sortiments mit Spezialitäten umliegender Lebensmittelmanufakturen, Töpfereien und Werkstätten sowie ausgewählten Büchern mit Naturthematik wird der Wanderrucksack nach Besuch des Ladens sicher ein bisschen schwerer wiegen als zuvor.

An wärmeren Tagen ist der Spielplatz gegenüber eine Hauptattraktion. Dann treffen sich hier Familien und genießen den Schatten alter Eichenbäume oder versammeln sich an Picknickbänken und Tischen.

Das Naturparkzentrum Hoher Fläming ist noch bis zum 29.2. täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet, danach von 9 bis 17 Uhr. Eintritt für die Erlebnisausstellung (ab Ostern wieder geöffnet) Erwachsene 2,50 Euro, Kinder 1,50 Euro.

***

Schon von außen ist die Rabener Dorfkirche hübsch anzusehen. Innen wird es dann richtig bunt.
Schon von außen ist die Rabener Dorfkirche hübsch anzusehen. Innen wird es dann richtig bunt.Foto: Theresa Wißmann

Eine knallbunte Kirche

Links hinter dem Naturparkzentrum rückt gleich das nächste Ziel in den Blick. Im Bogen geht es, ruckel-zuckel, über das Kopfsteinpflaster der Dorfstraße zur mittelalterlichen Dorfkirche Raben. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Feldsteinen errichtet und später um einen barocken Fachwerkturm ergänzt, ist sie schon von außen hübsch anzusehen. Innen wird es richtig bunt, der dunkle Innenraum ist üppig ausgemalt: rostrote Farbtöne und florale Ornamente schmücken die hufeisenförmig umlaufende Empore und Apsis, an der Balkendecke dominieren blau-graue Farben.

Die Dorfkirche Raben ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet, mehr zur Kirche hier.

***

Whisky, Bier und Eis

Whisky ist ja – rein funktional – ein Wintergetränk. Fröstelt man, hilft es, wenn entweder heißer Tee oder feurige Spirituosen von innen wärmen. Ein malziger Duft in der Nase, ein Hauch Schokoladenkaramell auf der Zunge, das zarte Brennen in der Kehle und eine Kraft, die durch den ganzen Körper rauscht – da kribbeln auch die klammen Füße wieder.

Unterhalb der trutzigen Burg Eisenhardt in Bad Belzig, dort, wo eine kursächsische Postmeilensäule Entfernungen zu umliegenden Orten anzeigt, betreibt Familie Eggenstein die Old Sandhill Whisky Destillerie und brennt Single Malt Whisky. Vier Jahre lang reift der Edelbrand hier im Holzfass, bevor er verkostet wird.

Doch das ist nicht das Einzige, was in den alten Gemäuern passiert, die im 18. Jahrhundert zu einem Hospital gehörten. Vater und Sohn Eggenstein teilen sich das Reich der kupferglänzenden Kessel, verfolgen dabei aber jeder eine eigene Leidenschaft: Der eine brennt Whisky; der andere braut Bier. Unfiltriert und frisch vom Fass werden helle, dunkle und wechselnde Spezialiätenbiere dann direkt nebenan im Pub des Burgbräuhauses serviert.

Zum Glück geht es nun schon bald nicht mehr nur ums Aufwärmen, sondern mit zunehmenden Sonnenstunden auch wieder ums Abkühlen. Und weil die Tochter und der Schwiegersohn in der warmen Jahreszeit im Hof auch noch das Eiscafé zur Postmeile betreiben, ist die Einkehr bei den Eggensteins winters wie sommers eine gute Idee.

Bad Belzig erreicht man ab Berlin stündlich mit dem RE7. Bei Old Sandhill Whisky gibt es Brauerei- und Whiskyführungen auf Anfrage. Das Eiscafé zur Postmeile öffnet ab 6. März, das Burgbräuhaus ist freitags und samstags ab 18 Uhr geöffnet.

***

Auch kommende Woche fahren wir wieder raus vor die Tore Berlins und freuen uns über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen. Gerne (wie auch alle anderen Hinweise, Kritik und Wünsche!) per Mail an berliner-draussen@tagesspiegel.de

Alle bisherigen Ausflüge finden sich hier.
Mehr vom Tagesspiegel BERLINER? Gibt es auf Instagram!
Und wer „Draußen" weiterempfehlen mag, kann das gerne mit diesem Link tun.

Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER

Theresa Wißmann

Theresa Wißmann ist freie Autorin und hat, gemeinsam mit Sina Schwarz, das BuchMilch & Moos  Vom Wandern und vom guten Essen" veröffentlicht