Unterwegs im südlichen Oderbruch : Auf den Deich, durch die Winterfrische und rein in den Gasthof!

Der Winter geht, das Licht kehrt zurück. Die perfekte Anlaufstelle, um das zu zelebrieren, ist das Oderbruch an der polnischen Grenze.

Lydia Brakebusch
Auf ins Weite! Bei Spaziergang an der Oder kann man sich im Panorama verlieren.
Auf ins Weite! Bei Spaziergang an der Oder kann man sich im Panorama verlieren.Foto: Lydia Brakebusch

Flach ausgebreitet liegt die Landschaft da – als hätte sie sich auf den Rücken geworfen, um die erste Frühlingssonne zu genießen. In alle Himmelsrichtungen: nur grün und blau und Horizont. Raus aus den Häuserschluchten, auf in die Weite!

In den sanierten Fachwerkhäusern der alten Dammmeisterei ist seit 2010 das gleichnamige Restaurant ansässig.
In den sanierten Fachwerkhäusern der alten Dammmeisterei ist seit 2010 das gleichnamige Restaurant ansässig.Foto: Lydia Brakebusch

Fach- und Backwerk

 Es geht dort los, wo es losging: Neulietzegöricke war nach der Trockenlegung des Oderbruchs, 1753 durch Friedrich den Großen, das erste Kolonistendorf. In der Mitte verlief ein Schacht als Wasserabzugsgraben, auf dessen Aushub wurden zu beiden Seiten die Häuserreihen errichtet. Das denkmalgeschützte Straßendorf ist ein Traum für Architektur-Nostalgiker: Ein liebevoll saniertes Fachwerk-Kleinod reiht sich ans nächste. 2014 verwandelte Martina Herrlich-Gyrzan, deren Familie seit Generationen hier lebt, den ehemaligen Dorf-Konsum in das Kolonisten-Kaffee. Hier kann man sich vor der anschließenden Deichwanderung mit Kaffee und süßen oder herzhaften Kleinigkeiten stärken.

Mit dem Auto fährt man rund anderthalb Stunden bis nach Neulietzegöricke. Per Bahn dauert es circa eine Stunde länger: Mit dem RE3 nach Eberswalde, dann mit dem RB60 nach Wriezen und weiter mit dem Fahrrad – oder, unter der Woche, mit dem Bus 875.

 

In Neulietzegöricke hat Martina Herrlich-Gyrzan, deren Familie seit Generationen hier lebt, den ehemaligen Dorf-Konsum in ein Café verwandelt.
In Neulietzegöricke hat Martina Herrlich-Gyrzan, deren Familie seit Generationen hier lebt, den ehemaligen Dorf-Konsum in ein Café...Foto: Lydia Brakebusch

Deichspaziergang und Mittagspause

Weiter nach Zollbrücke: 1755 errichteten Siedler hier eine Brücke über die Oder und verlangten Zoll fürs Überqueren. Die Brücke wurde 1806 in einem Eishochwasser zerstört. Heute laufen die Menschen hier nicht mehr über die Oder, sondern an ihr entlang – das aber dafür umso passionierter. Obwohl der Touristenmagnet des Ortes - das Theater am Rand - noch im Winterschlaf liegt, ist der Ort schon im Februar gut besucht: Spaziergänger steuern den Deich an, auf dem man – leicht erhöht und den Sonnenstrahlen etwas näher – ausgiebig marschieren und das Panorama genießen kann.

Danach werden die abgelaufenen Kalorien wieder aufgefüllt: Wo einst der Dammmeister für Hochwasserschutz und Sicherheit der Deiche sorgte, gibt es heute regionale und deutsche Küche für Ausflügler. In den zwei sanierten Fachwerkhäusern der Dammmeisterei ist seit 2010 das gleichnamige Restaurant ansässig. Vom Fischtopf über Käsespätzle bis zur Gänsekeule reicht das Angebot. Der Kellner rennt treppauf, treppab und rein und raus – denn der Gastraum ist im einen Fachwerkhäuschen, die Küche im anderen. Die Gäste lehnen sich entspannt zurück und beobachten durch die bodentiefen Fenster das wogende Schilf und die Spaziergänger auf dem Deich.

In der Wintersaison bis März ist die Dammmeisterei Freitag bis Sonntag zwischen 11.30 Uhr und 21 Uhr geöffnet. Mit Anmeldung gibt es Sonntags um 9 Uhr auch Brunch. Achtung: Vom 10. bis 20.2. legt das Restaurant eine kreative Pause ein. Alternative für diesen Zeitraum: das Gasthaus Zollbrücke, gleich nebenan.

 

Nichts als Aussicht. Die Ruschebuhne bei Gieshof.
Nichts als Aussicht. Die Ruschebuhne bei Gieshof.Foto: Lydia Brakebusch

Träumen von der Sommerfrische

2002 stapfte Gerhard Schröder noch in Gummistiefeln durchs Oderhochwasser. Zehn Jahre später gibt es andere Sorgen: Wegen fehlender Niederschläge führt die Oder im Sommer immer weniger Wasser. Der Rekordtiefstand im heißen Sommer 2015 wurde im Jahr 2018 noch untertroffen: Güterschiffe und Ausflugsdampfer standen wochenlang still, der Fluss konnte streckenweise durchwatet werden. Entsprechend breit ist an heißen Tagen der Sandstrand der Ruschebuhne. Vor dem Zweiten Weltkrieg plantschten hier die Berliner in geringelten Badeanzügen. Und auch heute erfrischen sich an der Uferstelle nahe Gieshof jene Ausflügler, die den Strom der Oder nicht fürchten. Jetzt, wo der nächste Hitzesommer noch fern ist, lassen nur kleine Sandausläufer den Strand erahnen. Der gepflasterter Damm, der sommers zur Badeinsel führt, endet mitten im Wasser. Noch sind kein Planschen, kein Johlen, keine Musik zu hören – nur das Rauschen des Schilfes. Ein verträumtes Ambiente für einen Frühlingsspaziergang.

Kürzester Weg von Zollbrücke zur Ruschebuhne: über Neulewin nach Gieshof. Dann die Gieshofer Hauptstraße bis zum Ende fahren und dort parken.

 Arbeiten und Runterkommen

In Ruhe arbeiten – aber doch nicht ganz allein sein? Konzentrationsförderndes Umfeld, aber trotzdem Natur vor der Tür? Seit 2018 gibt es in der Alten Schule Letschin einen Coworking-Space. Für Freiberufler, die sich vernetzen wollen, ohne immer gleich nach Berlin zu pendeln. Und für Ausflügler, die einen kreativen Zwischenstopp einlegen möchten. Ein Tagesticket inklusive Kaffee an der gemütlichen Bar kostet 10 Euro, einen Meetingraum gibt es für einen halben Tag schon für 20 Euro.

Zum Übernachten nach getaner Arbeit eignet sich beispielweise der Apfelwiesenhof in Kienitz – ein alter Dreiseithof mit Ferienwohnungen und Gästezimmern. Auf den umliegenden Wiesen laufen und watscheln Hunde, Katzen, Hasen und Gänse. An mehreren Wochenenden im Jahr lädt der Hof zur „Yogazeit im Oderbruch“. Gäste dürfen aber auch ohne jede Asana am Kamin oder in der Sauna entspannen und es dem Oderbruch gleichtun: Einfach flach ausgestreckt daliegen und die Frühlingssonne genießen.

Das Coworking Oderbruch in der Alten Schule Letschin ist Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet - angemeldete Coworker haben aber 24/7 Zugang dank eines Schlüsseltresors. Am 2.4. lädt das Team zum Kreativ-Frühstück. Das nächste Yoga-Wochenende auf dem Apfelwiesenhof findet vom 24. bis 26.4. statt.

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Auch nächste Woche fahren wir wieder raus vor die Tore Berlins und freuen uns über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen. Gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –

Lydia Brakebusch