Unterwegs in der Märkischen Schweiz : Mystische Schluchten, hübsche Häuschen und Nächte im Nirgendwo

Kurz bevor der graue, müde Winter übernimmt, sollte man den Herbst noch einmal draußen genießen. Besonders schön geht das rund um Buckow.

Milena Zwerenz
Besonders schön läuft es sich von Buckow aus entlang des östlichen Ufers des Schermützelsees, vorbei an den beiden Tornowseen (hier das Ufer des Großen Tornowsees).
Besonders schön läuft es sich von Buckow aus entlang des östlichen Ufers des Schermützelsees, vorbei an den beiden Tornowseen...Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

In der Märkischen Schweiz schimmern die Wälder gerade noch orange-rot. Besonders schön lässt sich diese Gegend, etwa 50 Kilometer östlich von Berlin gelegen, von dem kleinen Kneippkurort aus erkunden. Frische Luft atmen, runterkommen, Vitamin D tanken (wichtig)!

Am schnellsten erreicht man Buckow in etwas über einer Stunde mit dem Auto. Mit der Bahn geht es aber auch: Stündlich fährt der RB26 bis Müncheberg, von da geht es mit dem Bus weiter nach Buckow. Von Mai bis Oktober kann man am Wochenende außerdem die Buckower Kleinbahn nehmen, die zwischen beiden Orten pendelt.

 Wandern im Herbstlaub

Echte Berge sucht man um Berlin natürlich vergebens, aber die Märkische Schweiz, Brandenburgs kleinster und ältester Naturpark, klingt zumindest alpin – und hat eine tolle, hügelige Landschaft zu bieten. Wanderwege gibt es hier viele.

Besonders schön läuft es sich beispielsweise ab der Bushaltestelle Jugendherberge in Buckow entlang des östlichen Ufers des Schermützelsees, vorbei an den beiden Tornowseen. Das Waldgebiet mit seinen vielen Schluchten mutet fast mystisch an. Auf dem Weg zurück nach Buckow liegt das Café Pritzhagener Mühle, das von außen nach heimeligem Schwedenhaus aussieht, drinnen aber mit einer skurrilen Mischung aus Oma-Kuchen und Radio-Schlagern überrascht.

Eine Übersicht diverser Wanderrouten gibt auf der offiziellen Seite der Touristeninformation, etwas anschaulicher berichtet das toll gemachte Oderbruch-Blog; ob die Pritzhagener Mühle zu dieser Jahreszeit noch geöffnet ist, war leider nicht herauszufinden – besser eine Thermoskanne und zwei Stullen mehr einpacken.

 

Buckow, meine Perle

Schon Fontane beschrieb Buckow als "Perle der Märkischen Schweiz" – und das ist der etwa 800 Jahre alte Ort am Schermützelsee auch heute noch. Ein bisschen fühlt man sich hier in eine heile Welt versetzt: hübsche Häuschen, Villen, Wassernähe. Alles ist überschaubar und auch ohne große Anleitung findet man das Kneippbecken unweit des historischen Marktplatzes, schlendert durch den Schlosspark oder läuft an der ehemaligen Sommerresidenz von Bertolt Brecht und Helene Weigel vorbei.

"Buckow hat einen guten Klang hierlands, ähnlich wie Freienwalde, und bei bloßer Nennung des Namens steigen freundliche Landschaftsbilder auf: Berg und See, Tannenabhänge und Laubholzschluchten, Quellen, die über Kiesel plätschern" schreibt Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg".

Bio in Brandenburg. Das Naturkontor “Buckower Köstlichkeiten” gehört schon seit Jahren zum Stadtbild.
Bio in Brandenburg. Das Naturkontor “Buckower Köstlichkeiten” gehört schon seit Jahren zum Stadtbild.Foto: Eva Pause-Bora

Obst und Gemüse

Irgendwie ist man als Berliner*in ja immer noch überrascht, wenn man mitten in Brandenburg vor einem Bioladen steht. Dabei gehört das Naturkontor “Buckower Köstlichkeiten” in Buckow schon seit Jahren zum Stadtbild. In dem kleinen Ladencafé am Marktplatz gibt es leckeren Honig aus dem Nachbardorf oder frische Ravioli aus der Nudelfabrik Märkische Schweiz sowie Obst und Gemüse. Wer möchte, kann hier bei einem Käffchen oder Tee auch länger verweilen.

Wer neben lokalen Produkten auch lokale Begegnungen sucht: Immer freitags ab 18 Uhr lädt das Naturkontor Buckow zum gemeinsamen Speisen.

Das "lokal" könnte locker als Wohnzimmer von Buckow durchgehen: Die zusammengewürfelte Einrichtung erinnert an eine WG.
Das "lokal" könnte locker als Wohnzimmer von Buckow durchgehen: Die zusammengewürfelte Einrichtung erinnert an eine WG.Foto: Dominique Schwarz

Pause, lokal

Das “lokal” könnte locker als Wohnzimmer von Buckow durchgehen: Die zusammengewürftelte Einrichtung – leicht retro, rustikal und bunt – erinnert an eine WG und so gemütlich geht es hier auch zu: selbstgemachte Kuchen, eine Spielecke für Kinder, leckerer Kaffee, großes Sonntagsfrühstück, manchmal sogar veganes Essen. Das Cafékonzept fußt auf einem schönen Miteinander und regem Austausch, so dass hier regelmäßig Polnischkurse, Kneipenquizze und Afro-Funk-Partys stattfinden.

Obacht: Die Öffnungszeiten des Cafés variieren je nach Wochentag. Am besten einfach vor dem Besuch online rückversichern, dass man nicht vor verschlossenen Türen steht!

Mach mal Piano

Mitten im märkischen Nirgendwo steht der Biohof Ihlow von Marion Rothschild. In insgesamt drei Ferienwohnungen kann man hier unter- und runterkommen, in einer von ihnen steht ein Klavier. Wer nicht selbst spielen kann, für den bietet Frau Rothschild, die gelernte Musik- und Klavierpädagogin ist, Klavierstunden an. Perfekte Herbstbeschäftigung!

Übernachten kann man hier ab 60 Euro pro Nacht/Ferienwohnung. Wer mit der Bahn anreist, kann sich vom S-Bahnhof Strausberg Nord abholen und zurückbringen lassen, für 20 Euro pro Fahrt. Vormerken: Ab Frühling haben auch das hauseigene Café und der Hofladen wieder geöffnet!

Kommende Woche fahren wir ins Boitzenburger Land – und wir freuen uns über Ausflugsziele, Geheimtipps und Lieblingsorte da draußen und überall rund um Berlin. Gerne per Mail: berliner-draussen@tagesspiegel.de

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Viel Vergnügen da draußen & herzliche Grüße vom Tagesspiegel BERLINER –

Milena Zwerenz

Milena Zwerenz ist Journalistin und Autorin und schreibt meist über Essen, Trinken und Ausflüge.