Motorradtest : Was Ducatis Monster zu bieten hat

Mit der Monster 797 will die italienische Edelmarke auch Einsteiger behutsam an die Marke heranführen. Die Monster macht aber auch geübten Fahrern Spaß.

Die Ducati Monster gibt es in rot, weiß und schwarz.
Die Ducati Monster gibt es in rot, weiß und schwarz.Foto: privat

Früher gab es einen Spruch in der Motorradszene: Einmal Ducati, immer Ducati. Das gilt heute nicht mehr. Denn die italienische Edelmarke hat in den letzten Jahren harte Konkurrenz bekommen: BMW, KTM und die japanischen Hersteller, die solide Motorräder auf den Markt bringen. Ohne die Monster in den neunziger Jahren würde es Ducati wohl heute auch nicht mehr geben. Die erste Monster wurde 1992 vorgestellt. Die Ur-Monster, nackig, knackig, unverkleidet – so präsentierte sich die M 900 damals und rettete Ducati, heute an der VW-Tochter Audi angedockt, die Existenz. Nach oben gab es bisher in der Monster-Baureihe kein Limit. Doch wie kann man Motorrad-Einsteiger behutsam an Ducati heranführen, die nicht gleich einen Schock bei der 214 PS starken Panigale V4 S für fast 22 000 Euro bekommen sollen? Schafft das die 2017 auf den Markt gekommene Monster 797?

Gitterrohrrahmen sticht sofort ins Auge

Auf den ersten Blick schaut die Monster agil, wendig und einfach zu fahren aus. Und der rote durchgehende Gitterrohrrahmen mit feinen Schweißnähten über dem erstmals nach 2014 wieder eingesetzten luftgekühlten Motor in der Monster-Reihe sticht sofort ins Auge. Der Desmodue, so bezeichnet man den luftgekühlten Zweizylinder, ist in dem Rahmen integriert und für die Monster stilbildend. Der 16,5 Liter fassende Tank wirkt bullig und kraftvoll. Der Tank verjüngt sich, so dass auch ein enger Knieschluss problemlos möglich ist. Und die Sitzhöhe von 805 Millimetern ist Standardmaß, höhere und niedrigere Sitzbänke sind bei Bedarf als Zubehör erhältlich. Hinten ein Sachs-Federbein mit einstellbarer Vorspannung und Dämpfung, vorne eine 43er-Kayaba-Upside-down-Gabel mit 130 Millimetern Federweg.

Die Monster rollt auf Speichen-Leichtmetallrädern.
Die Monster rollt auf Speichen-Leichtmetallrädern.Foto: privat

Aufsteigen, anlassen, losdüsen – so soll wie bei der 797 Motorradfahren sein. Die breiten Lenker sind schön griffig, keine Verrenkungen notwendig. Doch so geschmeidig wie gewohnt verhält sich das Getriebe im Stadtverkehr unter 3000 Umdrehungen nicht. Der erste Gang muss mit Nachdruck eingelegt werden – und bei den weiteren Gängen ist zunächst Fingerspitzengefühl notwendig. Denn der Zweizylinder will genaue, präzise Befehle, sonst ist schon mal ein Zwischen – oder falscher Gang drin. Im Berliner Sommerbaustellen-Stau zwischen den Pkw zu lavieren, immer die Hand an der Kupplung zu lassen und schnell zwischen erstem und zweiten Gang zu wechseln, erfordert Übung. Das Sechs-Gang-Getriebe ist etwas zu ruppig im Stadtverkehr für echte Motorradeinsteiger. Man gewöhnt sich zwar daran, aber eines fehlt der Monster, was für Neulinge nicht unwichtig sein kann: die Ganganzeige im Cockpit.

Display bietet zu wenig Informationen

In Zeiten der Digitalisierung bietet das LCD-Display zu wenig Infos: nur Geschwindigkeit, Tageskilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit, Uhrzeit und Drehzahl sind vorhanden. Angaben wie die Ganganzeige fehlen wie zum Verbrauch. Bei den Ausfahrten in die schwach besiedelte Altmark oder in die sächsische Provinz sollte man kein Risiko eingehen, sondern beim Aufleuchten der Reservetank-Anzeige die nächstbeste Tankstelle ansteuern.

Das Fahren auf der Landstraße mit der Monster macht richtig Spaß. Auch geübte Fahrern bekommen bei den 73 PS (54 kW) ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Mit den 73 PS gibt es kein Gefühl dass die Monster in irgendeiner Weise untermotorisiert wäre.

Die Maschine liegt ausgezeichnet in den Kurven – auch dank der Pirelli Diablo Rosso II. Das maximale Drehmoment wird schon ab 5750 Umdrehungen erreicht. Aber die Brembo-Bremsanlage greift sehr scharf: zwei 320 Millimeter Scheiben beißen vorn, hinten eine 245er Scheibe. Das  Daran gewöhnt man sich, aber man muss sich herantasten. Das geht schon, da alles von einem fein gereglten Bosch-ABS kontrolliert wird. Auf eine Traktionskontrolle kann man getrost verzichten. Bloß ein Manövrieren auf engem Raum ist aufgrund des engen Lenkeinschlags und somit des großen Wendekreises etwas mühsam.

Beim Sound geht noch was

Auch auf Autobahnfahrten über 180 km/h bleibt die Monster auch bei Unebenheiten dank der Federelemente und der Grundabstimmung in der Spur. Einzig das winzige Windschild hilft nicht wirklich bei Gegenwind – auf dem Motorrad liegen ist bei hohen Geschwindigkeiten die richtige Position. Die Monster hat im Stop-and-Go im Stadtverkehr gute 7 Liter verbraucht. Ducati gibt den Durchschnittsverbrauch mit 5,3 Litern auf 100 km an.

Die 797 hat Scheinwerfer mit LED-Standlicht.
Die 797 hat Scheinwerfer mit LED-Standlicht.Foto: privat

Ducati fahren ist und bleibt cool. Die 797 ist ein dynamisches, gut zu fahrendes Motorrad nicht nur für Einsteiger, das wirklich Spaß macht, wenn man es außerhalb der Stadt bewegt. Der Preis ab 8990 Euro für eine Monster geht angesichts der guten Verarbeitung und der hochwertigen Komponenten völlig in Ordnung. Nur das typische „desmodromische Dröhnen“, wie der Hersteller aus Borgo Panigale bei Bologna den unverwechselbaren Sound des Zweizylinders beschreibt, hätte bei der Monster ruhig noch kräftiger sein können. Da geht noch was.

 

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