10316 Tage : Wo früher die Mauer stand - ein Vorher-Nachher-Vergleich

10.316 Tage: An diesem Montag ist die Berliner Mauer genauso lange weg, wie sie zuvor gestanden hat. Sehen Sie hier, wie sie einst aussah - und was daraus geworden ist.

Im Sommer 1984 spazierten zwei Männer durch die Sebastianstraße in Kreuzberg. Alltag im Leben mit der Mauer, die mitten durch die Straße verlief. 34 Jahre verschwinden gerade die letzten Brachen auf dem ehemaligen Todesstreifen hinter der Mauer, das zeigt die Baustelle im Hintergrund des aktuellen Fotos.

Harzer Straße in Neukölln. Vom Landwehrkanal bis zur Bouchéstraße trennte dort die Mauer Neukölln von Treptow. An der Ecke zur Bouchéstraße knickte das Bauwerk nach Nordosten ab. Im Februar 2018 schieben Bauarbeiter Schubkarren in Richtung des ehemaligen Todesstreifens. Die letzten Narben der Teilung verschwinden erst jetzt, wo die Stadt dringend Wohnraum braucht.

Kiehlufer Ecke Harzer Straße. Der Mauerbau blockierte für Neuköllner die Lohmühlenbrücke, eine wichtige Verbindung über den Kanal. Deswegen wurde extra eine Fußgängerbrücke gebaut, der inzwischen aber wieder abgerissen wurde.

In der Eckkneipe an der Heidelberger Straße zur Elsenstraße wurde 1986 der gute alte Engelhardt - Charlottenburger Pilsener ausgeschenkt. Heute ist hier ein Trödelladen. Der leere Raum durch die Grenzanlagen ist längst vollständig von grau-weißen Wohnhäusern gefüllt.

1989 bückte sich am Bethaniendamm eine Frau mit Kopftuch in ein Gemüsebeet, das damals im Niemandsland lag. 1983 hatte der türkischstämmige Osman Kalin begonnen, auf dem schmalen Streifen zu gärtnern. Heute gehört das Beet zum abgezäunten "Baumhaus an der Mauer", einer Bretterbude aus der Wendezeit, die auf der aktuellen Aufnahme aus der exakt gleichen Perspektive rechts im Hintergrund vage zu erkennen ist.

Ungefähr hundert Meter weiter kreuzt der Bethaniendamm die Köpenicker Straße, 1989 querte die bunt bemalte Mauer quer das Bild. Heute ist der Altbau links hinter der Mauer saniert, daneben steht der Rohbau einer Investruine, hinter dem die besetzte Köpi 137 verschwindet. Gegenüber hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einen Büroklotz hochgezogen.

Blick auf die St.-Thomas-Kirche, an der Ecke Bethaniendamm zur Köpenicker Straße.

Am Leuschnerdamm deutet nichts darauf hin, dass hier einmal die Mauer stand. Nur ein Blick auf die Häuser verrät die Vergangenheit beim Hin- und Her wischen.

Ein Autowrack stand 1989 auf der zerteilten Zimmerstraße, nichts Besonderes am Kreuzberger Mauerstreifen. Heute essen hier Touristen ihre Schnitzel, wenn sie den Checkpoint Charlie besucht haben. Geblieben ist der Blick auf das einstige Reichsluftfahrtministerium in der Wilhelmstraße, in dem heute das Bundesfinanzministerium untergebracht ist.

An der Stresemannstraße Ecke Niederkirchner Straße ist der Mauerverlauf mit Pflastersteinen im Asphalt markiert. Das Bild von 1985 zeigt die Grenze als lange gerade Line, die sich zwischen Abgeordnetenhaus und Martin-Gropius-Bau weiter gen Osten zieht.

Sehen Sie hier unsere große Galerie des Mauerstreifens mit vielen Leserfotos!

So sah die Mauer vor dem Fall aus
Mauertourismus, vermutlich im Jahr 1971. Die Gruppe ging an den gesprengten Häusern der Bernauer Straße entlang, die der DDR als Vormauer dienten. Im Hintergrund knickte die Mauer scharf nach Norden ab. Das Haus im Hintergrund ist die Oderberger Straße 30, gegenüber ist heute der Eingang zum Mauerpark. - Foto: Hans Lachmann/Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (CC: BY-SA 3.0)Weitere Bilder anzeigen
1 von 198Hans Lachmann
13.08.2018 08:08Mauertourismus, vermutlich im Jahr 1971. Die Gruppe ging an den gesprengten Häusern der Bernauer Straße entlang, die der DDR als...

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Zeitsprung im Tagesspiegel

Altstadt Spandau, Berliner Mauer in Kreuzberg, Prenzlauer Berg vor der Sanierung. Vorher-Nachher-Bilder: tagesspiegel.de/zeitsprung

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