Boxen : Brandanschlag auf Moscheebaustelle

Polizeilicher Staatsschutz ermittelt. Konflikt in Heinersdorf spitzt sich zu

Lars von Törne

Auf die Moscheebaustelle der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in Pankow-Heinersdorf ist ein Brandanschlag verübt worden. Nach Angaben der Polizei brannte am Mittwochabend ein Lastwagen auf dem Grundstück an der Tiniusstraße. Hier finden seit kurzem Abrissarbeiten statt, damit auf dem Gelände eine zweigeschossige Moschee mit Minarett gebaut werden kann. Gegen 19.15 Uhr alarmierte ein Anwohner Polizei und Feuerwehr, weil aus einem von mehreren Baufahrzeugen auf dem Grundstück Flammen schlugen. Ein Kipplaster brannte, verletzt wurde niemand. Die Polizei fand Hinweise auf Brandstiftung, sagte ein Sprecher. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Gegen die Moschee gibt es seit Bekanntwerden der Pläne vor einem Jahr massive Proteste von Anwohnern, aber auch von organisierten Rechtsextremisten. Es ist das erste als solches erkennbare islamische Gotteshaus im Ostteil der Stadt. Der Grundstein für die Moschee war zu Jahresbeginn gelegt worden. Zwei Bürgerbegehren gegen den Bau blieben ohne Erfolg. In den vergangenen Tagen hat sich der Konflikt weiter zugespitzt. Zuletzt hatten Anwohner versucht, die Abrissarbeiten alter Gebäudereste auf dem Gelände mit einer Anzeige wegen „Körperverletzung durch Freisetzung von asbestverseuchtem Abbruchstaub“ zu verhindern. Der Baustopp wurde aber nach einem Tag wieder aufgehoben. „Die Atmosphäre ist vergiftet“, sagte Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) kürzlich über den Konflikt mit den Moscheegegnern in einem Interview. „Die Proteste werden von immer weniger Leuten getragen, aber radikalisieren sich“, heißt es bei der Initiative „Heinersdorf öffne Dich“, die sich für mehr Toleranz im Viertel engagiert.

Am kommenden Montag soll auf dem früheren Industriegelände ein großer Fabrikschornstein abgerissen werden, um Platz für die Moschee zu machen. Das kündigte der Imam der Gemeinde an, die derzeit noch ein Einfamilienhaus am Flughafen Tegel als Gebetsraum nutzt.

Die Ahmadiyya-Anhänger verstehen sich als separate Reformgemeinde innerhalb des Islam. Sie haben in Berlin etwa 200 Mitglieder und wenden sich gegen extreme, militante Strömungen. Kritiker werfen der Gruppe sektenähnliche Strukturen vor. Unter anderem deswegen hatte sich auch die CDU dem Protest gegen den Moscheebau angeschlossen. Fraktionschef Friedbert Pflüger hatte kürzlich bekräftigt: „Ich bin nicht gegen Moscheen in Berlin, aber diese Gemeinde ist eine Sekte, deren Mitglieder mit dem Stadtteil nichts zu tun haben“.

Die organisierten Moscheegegner von der Anwohnerinitiative „ipahb“ werfen der Ahmadiyya-Gemeinde vor, sie sei frauenverachtend und wolle die Demokratie abschaffen. Die Gemeinde hat dies stets zurückgewiesen und ihre Kritiker eingeladen, sich bei Besuchen vom Gegenteil zu überzeugen.