• Geld vom Land für die Beichte hinter Gittern Vertrag über Finanzierung katholischer Seelsorger

Boxen : Geld vom Land für die Beichte hinter Gittern Vertrag über Finanzierung katholischer Seelsorger

Sandra Dassler

Beichten im Gefängnis werden nun mit Landesmitteln finanziert. Brandenburg stellt künftig 200 000 Euro für die Finanzierung von katholischen Gefängnisseelsorgern bereit. Ein entsprechender Vertrag wurde gestern zwischen dem Land und den Bistümern Berlin, Görlitz und Magdeburg abgeschlossen.

Justizministerin Beate Blechinger (CDU) begrüßte, dass die Betreuung von Gefangenen und deren Angehörigen durch die Katholische Kirche nun vertraglich geregelt sei: „Die gedankliche Beschäftigung von Gefangenen mit ihrer Tat, das Empfinden von Schuld und Reue, das Erlernen von Demut vor dem menschlichen Leben geht häufig auf das inspirierende Wirken der Gefängnisseelsorger zurück“, sagte sie.

Bislang war nur die Seelsorge der evangelischen Kirche in den märkischen Gefängnissen vertraglich vereinbart, sagte der Sprecher des brandenburgischen Justizministeriums, Thomas Melzer. Er dementierte ausdrücklich Meldungen, wonach die Finanzierung der katholischen Seelsorger mit der steigenden Zahl polnischer Strafgefangener zusammenhänge: „Die derzeit sieben katholischen Seelsorger arbeiten ja schon länger in unseren Gefängnissen, nur wurden sie bislang von ihrer Kirche finanziert“, sagte er. Grundlage für die Neuregelung sei vielmehr der 2004 in Kraft getretene katholische Staatskirchenvertrag.

Für die evangelische Kirche sind derzeit ebenfalls sieben Seelsorger mit der Betreuung von Gefangenen beschäftigt – allerdings leisten sie mehr Stunden hinter Gittern als ihre katholischen Amtsbrüder. „Der Anteil protestantischer Häftlinge ist viel höher“, sagt Melzer: „Außerdem nehmen auch viele atheistische Gefangene den seelischen Beistand als Angebot an.“

Tatsächlich bilden Polen die zahlenmäßig stärkste Gruppe von ausländischen Gefangenen: Von rund 2100 Häftlingen kommen 80 aus dem Nachbarland. Insgesamt befinden sich in Brandenburgs Gefängnissen derzeit Menschen aus 52 Nationen – die nach den Polen stärksten Gruppen bilden Vietnamesen und Litauer.