• Goldene Waffengurte und Geweih-Harpunen – was Archäologen im märkischen Grund fanden

Boxen : Goldene Waffengurte und Geweih-Harpunen – was Archäologen im märkischen Grund fanden

Andreas Wilhelm

Brandenburg/Havel - Wo in der Erde gebuddelt wird, tritt häufig Erstaunliches zutage. So auch in Schönefeld, wo zurzeit besonders viel Boden umgewühlt wird. Bei Diepensee nämlich fanden Landes-Archäologen bei den ersten Bauarbeiten zum neuen Großflughafen einen kompletten Friedhof aus dem Mittelalter. „Ein herausragender Fund, der uns völlig überrascht hat und uns sagenhaft viel über die Vergangenheit verrät“, wie Thomas Kersting, Referent beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege sagte.

Rund 200 Spezialisten der Branche sowie Vertreter von etwa 40 Fachfirmen trafen sich jetzt zu ihrer jährlichen Forschungs-Konferenz und werteten die Funde des Jahres 2006 im Land aus. Die ältesten Zeitzeugen des vergangenen Jahres, so Kersting, seien 10 000 Jahre alte Geweih-Harpunen, die Kanalarbeiter in Zeestow bei Wustermark aus der Tiefe geholt haben. Neben relativ gewöhnlichen Funden, wie 4000 Jahre alte Grabgefäße aus Ton, die beim Braunkohle-Abbau in der Lausitz aufgetaucht sind, holten die Schatzgräber auch wahre Kostbarkeiten aus dem märkischen Boden. „Darunter waren 700 Jahre alte Schwerter mit Silber-Knäufen oder goldbesetzte Waffengurte“, wie Kersting berichtete.

Doch auch in der Neuzeit haben die Experten geforscht. Eine von der Berliner Humboldt-Uni ausgewertete Müllgrube des Konzentrationslagers Sachsenhausen gebe wichtige Aufschlüsse über die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter während der Naziherrschaft.

Herausragend aus archäologischer Sicht war das Jahr 2006 aber vor allem wegen des mittelalterlichen Friedhofs, der unter der künftigen Landebahn bei Schönefeld auftauchte. „Die Gräber erzählen sehr genaue Geschichten über die katastrophalen Lebensumstände zu dieser Zeit“, sagte Kersting. „Wir wissen jetzt zum Beispiel, dass die Sterberate von jungen Müttern kurz nach der Entbindung extrem hoch war.“ Erfreulich sei hingegen, dass die Schatzgräber bei diesem Projekt wirklich alles bergen können. Angesichts des riesigen Bauetats des Flughafens seien die Kosten für die Grabungen geringfügig. Im Normalfall können die Denkmalpfleger wegen fehlender Gelder nur einen Bruchteil der Bodendenkmäler bergen. Der Rest wird wieder zugeschüttet oder gar nicht erst ausgegraben.

Schwerter und andere Kostbarkeiten gibt es ab November in der dann fertiggestellten Pauli-Kirche in Brandenburg an der Havel zu bewundern. Die Funde aus Diepensee können dagegen im Heimatmuseum Königs Wusterhausen bereits jetzt besichtigt werden.

Heimatmuseum Königs Wusterhausen, Schloßplatz 7 (ca. 500 m vom S-Bahnhof), Dienstag bis Samstag von 10–16 Uhr

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