Boxen : Imker in der Region bangen um ihre Völker

Milben oder Klimawandel ? Nach einem großen Bienensterben in den USA wächst auch hierzulande die Angst vor dem Verlust der Tiere

Claus-Dieter Steyer

Hohen Neuendorf - Viele Imker Brandenburgs schauen in diesen Tagen mit einem bangen Gefühl nach dem Zustand ihrer Bienenvölker. Sie sind durch Meldungen aus den USA verunsichert, wonach dort die Mehrzahl der Bienen spurlos verschwunden ist. An der amerikanischen Westküste kollabierten Berichten zufolge fast 60 Prozent der Bienenvölker, an der Ostküste und in Texas sind es mehr als 70 Prozent. Doch das Brandenburger Landesinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf und der Verband der Brandenburgischen Imker kennen solche Horrorszenarien bislang nicht. „Es gibt zwar vereinzelt Totalverluste oder Einbußen von 15 bis 30 Prozent bei den Bienenvölkern“, sagt Institutschef Kaspar Bienefeld. „Aber im Schnitt dürften 90 bis 95 Prozent aller Völker den Winter überlebt haben.“

In den USA wird noch über die genaue Ursache der Katastrophe gerätselt. Bislang zeichnen sich vor allem die Varroamilbe und ein verändertes Klima als Faktoren des Bienensterbens ab. „Das milder gewordene Klima bringt die Bienen auf Trab“, sagt Gerhard Strauch vom Brandenburgischen Imkerverband. „Sie fangen viel früher mit ihrer Brut an und kennen praktisch keine Pause, um sich nicht zuletzt gegen die Milbe zu wehren. Irgendwann werden sie dadurch aber selbst geschwächt und sterben.“

Doch die Bienen sind für die Menschheit und ihre Kulturlandschaft unverzichtbar. Zwar können Pflanzen auch durch Hummeln oder andere Insekten bestäubt werden, aber längst nicht so effektiv und massenhaft. „Der Ertrag aus einem Rapsfeld steigt bei der Bestäubung durch Bienen um 30 Prozent“, erklärt der Imker Gerhard Strauch.

Dabei sei seit der Wende die Zahl der Bienenvölker in Brandenburg und Berlin um rund 90 Prozent zurückgegangen. Die DDR sei auf hohe Erträge angewiesen gewesen, so dass sie die Imkerei subventioniert und den Honig abgekauft habe. Heute erhalten die wenigen Berufs- und Hobbyimker keine Förderung mehr. Der Imkerverband hofft deshalb nicht zuletzt auf die Wirkung der schon 1949 von Albert Einstein ausgesprochenen Warnung: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Um Nachwuchs–Imker will Brandenburg jetzt verstärkt werben. Nicht mehr wie früher die Honigproduktion soll im Vordergrund stehen, sondern der Beitrag für die Erhaltung der Natur – und damit der Menschheit.