Infrastruktur : Ersatz für alte Bäume

Die Alleen an Bundes- und Landesstraßen in Brandenburg sollen für die nächsten 100 Jahre mit dem Projekt "Strategie 21 für die Alleen" gesichert werden. Geschätzte Kosten: 8,5 Millionen Euro pro Jahr.

Potsdam - Entlang der Bundes- und Landesstraßen sollten langfristig 2500 Kilometer Alleen erhalten werden, sagte Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) bei der Vorstellung eines Konzepts. Derzeit gebe es knapp 2400 Kilometer Alleen an den Bundes- und Landesstraßen. Allerdings seien 35 Prozent der Bäume zwischen 70 und 90 Jahre alt. Das Lebensalter von Alleebäumen liege bei etwa 80 Jahren. Deshalb sollten künftig mindestens 5000 Bäume pro Jahr gepflanzt werden.

Aus Sicht der Grünen taugt Dellmanns Konzept allerdings nichts. Es sei ein Kahlschlag zu befürchten, sagte die Bundestagsabgeordnete und Vize-Vorsitzende der Alleenschutzgemeinschaft Cornelia Behm. Nach Auffassung der Linkspartei ist die Umsetzung nicht gesichert. Die SPD begrüßte das Konzept und forderte ähnliche Schritte für die Alleen der Kreise und Kommunen.

Behm kritisiert Konzept

Nach Angaben von Dellmann muss in großen Zeiträumen geplant werden, um eine ausgeglichene Altersstruktur der Bäume zu schaffen. Für jeden gefällten Baum solle ein neuer gepflanzt werden. Zudem sollten neue Alleen geschaffen werden. In den nächsten Jahren solle geprüft werden, welche Bundes- und Landesstraßen dafür geeignet wären. Bei der Auswahl der Baumarten müssten die regionalen Gegebenheiten berücksichtigt werden.

Der Erhalt der Alleen kostet nach Schätzungen des Ministeriums rund 8,5 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld soll unter anderem über den Landeshaushalt, den Naturschutzfonds sowie Sponsoren aufgebracht werden. Kabinett und Landtag sollen sich noch vor der Sommerpause mit dem Konzept befassen.

Nach Ansicht von Behm sind die Vorschläge aber ungeeignet, Alleen zu erhalten und zu schützen. Die Hälfte der Alleen entlang der Bundes- und Landesstraßen sei in Gefahr. Der "kulturelle Schatz" vieler Straßen werde verschwinden. Dellmann müsse "massiv nacharbeiten".

Kritik von der Grünen Liga

Nach Auffassung der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen geht das Konzept nicht weit genug. Sprecher Wolfgang Mädlow unterstrich, mit nur 5000 Neupflanzungen im Jahr sei ein Erhalt der bisherigen Alleen nicht möglich. Allein 2006 seien 6300 Bäume gefällt worden. Zudem gebe es noch aus den vergangenen Jahren ein großes Defizit bei den Nachpflanzungen.

Die Grüne Liga bemängelte ebenfalls, dass kein Ausgleich für Fällungen der vergangenen Jahre vorgesehen ist. Zudem sollten die Bäume künftig nicht mehr einzeln betrachtet, sondern ganze Alleen gefällt werden, warnte ein Sprecher.

Die umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Carolin Steinmetzer-Mann, lobte die Zielsetzung des Konzepts. Allerdings fehle ein gesichertes Finanzierungsinstrument. Insofern sei das Konzept nur eine Willensbekundung. Die Linksfraktion verlange einen eigenständigen Haushaltstitel für die Alleen.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jens Klocksin, sagte, endlich gebe es ein konkretes Programm für Brandenburgs Alleen. Diese Straßen seien ein Markenzeichen des Landes. Sie seien nicht nur von großer Landschaftsprägender Ästhetik, sondern auch wichtiger Lebensraum für viele Tiere sowie "Frischluftproduzent und CO2-Schlucker". (Von Susann Fischer und Gregor Landwehr, ddp)