Lausitzer Tagebauseen : Flutung kommt schneller als geplant

Mit einem neuen Flutungskonzept wird den Tagebaurestlöchern in der Lausitz ab diesem Jahr noch mehr Fremdwasser zugeführt. Am 15. März startet das bislang größte Projekt: der Ilse-See.

Großräschen - Die Tagebauseen im Süden von Brandenburg sollen sich schneller füllen als bisher angedacht. Das kündigte Klaus Zschiedrich, Technischer Leiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungs GmbH (LMBV) an. Auf den in den vergangenen Jahren kontinuierlichen Grundwasseranstieg ist der Bergbausanierer vorbereitet. Die kürzlich abgeschlossene Oberflächenvermessung soll gefährdete Bebauungen in der Lausitz rechtzeitig vor Problemen warnen.

Mit Flutungsbeginn des Ilse-Sees am 15. März, an dem auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) teilnimmt, beginnt die LMBV das größte Projekt der vergangenen Jahre. Der bis zu 70 Meter tiefe und rund 770 Hektar große ehemalige Braunkohletagebau Meuro soll bis Mitte des kommenden Jahrzehnts Schritt für Schritt mit Wasser volllaufen.

Europas größte künstliche Gewässerlandschaft

Spätestens 2018 werde die Flutung abgeschlossen sein, sagt Zschiedrich. Der Ilse-See genieße bei der LMBV oberste Priorität. In diesem Jahr werde hier verstärkt Wasser zugeführt, um schnell das Niveau der umliegenden Gewässer zu erreichen. Zwischen dem benachbarten Sedlitzer- und dem Ilse-See herrschen teilweise Unterschiede von 40 Höhenmetern. "Der Wasserstand wird angeglichen und dann gemeinsam hochgeführt", sagt Zschiedrich.

Die Lausitzer Seen werden im Wesentlichen von drei Flüssen geflutet - durch Spree, Neiße und Schwarze Elster. Das überarbeitete Flutungskonzept sieht unter anderem eine neue Überleitung aus der Neiße vor. Des Weiteren werde ständig an der Optimierung der Zuflutung gearbeitet, betont der Technische Leiter. In der Lausitz entsteht so Europas größte künstliche Gewässerlandschaft. Mit dem Ende der Flutung sollen in Südbrandenburg elf Seen über 13 schiffbare Verbindungen miteinander verknüpft werden, wodurch sich insgesamt eine Wasserfläche von 7000 Hektar ergibt.

Anstieg des Grundwasserspiegels führt zu Problemen

Durch die kontinuierliche Flutung der Lausitzer Braunkohletagebaue ist auch der Grundwasserspiegel in der Vergangenheit wieder angestiegen, was bereits jetzt teilweise zu erheblichen Problemen führte, etwa im sächsischen Hoyerswerda. "Drei dauerhaft installierte Tiefenbrunnen werden hier in Zukunft die Bausubstanz sichern", führt Zschiedrich an. Die LMBV hat die gesamte Lausitz und Mitteldeutschland höhenmäßig neu vermessen und den Grundwasserstand errechnet.

Mögliche Probleme können deshalb schon frühzeitig erkannt werden. "Es wird im Gebiet der LMBV aufgrund des Grundwasseranstieges keine unvorhergesehenen Schäden geben", ist Zschiedrich überzeugt. Lediglich bei nicht genehmigten und nicht registrierten privaten Bebauungen könnten Schäden entstehen. Die Bergbaugesellschaft versucht mit gezielten Gegenmaßnahmen Probleme zu vermeiden. So werden beispielsweise Abwasserkanäle oder Flüsse vertieft.

Insgesamt 172 Bergbaufolgeseen geplant

Derzeit werden in der Lausitz 18 Seen geflutet. In den vergangenen Jahrzehnten war in der Lausitz ein Grundwasserdefizit von sieben Milliarden Kubikmeter entstanden. "Mehr als die Hälfte des Verlustes ist wieder aufgefüllt worden", bilanziert Zschiedrich. Bis zum Jahr 2030 soll der Grundwasserspiegel in der Lausitz wieder ausgeglichen sein und sein ursprüngliches Niveau erreicht haben.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft kümmert sich seit 1994 im Auftrag des Bundes um die Rekultivierung der ehemaligen Braunkohlegruben. Die LMBV betreut aktuell 172 Bergbaufolgeseen mit einer Gesamtfläche von rund 30 000 Hektar. Davon befinden sich 111 Seen mit 17 000 Hektar Fläche in der Lausitz und 61 Seen mit insgesamt 13 000 Hektar in Mitteldeutschland. Bei 54 Tagebaurestlöchern ist der Grundwasseranstieg bereits abgeschlossen. (Von Lars Hartfelder, ddp)

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