Projekt „Spielen Lernen“ : Hilfe für die ersten Schritte

Wie Eltern die Bewegung und Sprache ihrer Kleinkinder fördern, erfahren sie bei „Spielen lernen“

Eine schöne Umgebung und anregende Materialien laden zum Spielen ein.
Eine schöne Umgebung und anregende Materialien laden zum Spielen ein.Foto: Bürgerstiftung Berlin

Die ganze Hand oder einzelne Finger einsetzten, sich beim Hochziehen an der Kletterwand ausprobieren, schmecken, riechen, hören und sehen - Kleinkinder erleben viel, wenn sie die ersten Schritte machen. Die Entwicklung der Sinnesreize sowie Bewegungserfahrungen sind elementar für die nächsten Jahre. Die heutige Lebensumwelt bietet Kindern allerdings häufig eine Überlastung optischer und akustischer Reize. Oft werden schon Babys vor dem Fernseher geparkt. Immer mehr Eltern sind nicht in der Lage, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen, vor allem junge Eltern sind häufig mit der alltäglichen Erziehungsarbeit überfordert.

Das Projekt „Spielen Lernen“ der Bürgerstiftung Berlin unterstützt Eltern nach der Geburt ihrer Kinder. Häufig müssen Mütter und Väter selbst wieder Spielen lernen, um ihre Jüngsten bei den ersten Bewegungen und Erfahrungen zu begleiten. „Ich sensibilisiere die Eltern, indem ich ihnen anschaulich die nächsten Schritte der Entwicklung erkläre“, sagt die Projektleiterin Sabrina Böhm.

Sie lässt Mütter und Väter auch mal die ersten Tastversuche ihrer Kinder nachmachen und stellt Materialien und Räume bereit. Insbesondere das Spielen sei wegen seiner interaktiven Dimension wichtig. Die emotionale Bindung zur Bezugsperson stärkt das Vertrauen eines Kleinkindes. Nur auf der Basis eines soliden Grundvertrauens werde es seinen Wissens- und Erfahrungsdrang entwickeln und ausleben können. Schließlich bildet die frühkindliche Entwicklung in den ersten Lebensjahren die Grundlage für den Erwerb von wichtigen Kompetenzen im späteren Leben.

Durch ein Netzwerk wird schnell Hilfe vermittelt

Sozialarbeiter des Kinder- und Jungendgesundheitsdienstes der Bezirksämter bieten Eltern nach der Geburt einen Hausbesuch an und beraten sie beispielsweise dabei, wie die Anträge für Kindergeld oder Elternzeit gestellt werden. Wenn den Sozialarbeitern auffällt, das die Eltern überfordert sind und Unterstützung brauchen, empfehlen sie die Angebote des Projekts „Spielen Lernen“ zu nutzen. Einmal pro Woche bietet das Projekt im Haus des Säuglings in Charlottenburg eine Beratung an. „Oft geht des darum, wie Alleinerziehende mit dem Kinderwagen in den Bus einsteigen, was sie beachten müssen, wenn sie mit dem Baby schwimmen gehen oder auch darum, dass das Kind nicht zunimmt“, sagt die Erzieherin, Spielpädagogin- und therapeutin Böhm. Durch ein gutes Netzwerk vermittelt sie schnell einen anderen Kinderarzt und Beratungen zur Ernährung. Anderen Eltern bringt sie das Spielen mit ihrem Kind näher und zeigt, wie sie auf diese Weis die Entwicklung unterstützen können. Grundsätzlich orientieren sich die Angebote des Projekts immer am Bedarf der Eltern und ihrer Kinder.

Die Idee zu „Spielen Lernen“ hatte die Hebamme Karin Tandler-Schneider. Gemeinsam mit den Frauenärzten des Fertility Centers wollte sie eine Beratung schaffen, die bereits nach der Geburt einsetzt und nicht erst mit dem Eintritt in die Grundschule. „In den ersten Tagen nach der Geburt sieht man schnell, ob die Mütter Stillschwierigkeiten haben, ob sie mir ihrem Baby umgehen können oder gar eine Vernachlässigung droht“, sagt Professor Heribert Kentenich vom Fertility Center. Gemeinsam mit der Bürgerstiftung Berlin, die sich seit vielen Jahren für die Zukunft von Kindern einsetzt, konnte das Projekt 2010 starten. Finanziell unterstützt wird es durch Spenden des Fertility Centers Berlin. In den wöchentlichen Beratungszeiten können Eltern individuelle Probleme ansprechen. Dazu bietet das Projekt unterschiedliche Kurse für Säuglinge und Kleinkinder bis zu drei Jahren und deren Eltern an. Diese haben das Ziel, vor allem die Bewegung und die Sprachentwicklung zu fördern. Kinder erleben in den Kursen erste soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen im Beisein ihrer Eltern. Lieder, Fingerspiele und Materialien zum Erforschen und Entdecken regen die Kinder dazu an, ihre Umwelt zu begreifen. Zudem ermutigt das Projekt die Eltern, Vertrauen in die Fähigkeiten ihres Kindes zu entwickeln und ihm die Aufmerksamkeit zu schenken die es braucht.

„In den Kursen bieten wir die Möglichkeit, dass Eltern durch das gemeinsame Spielen mit ihren Säuglingen oder Kleinkindern Erziehungskompetenzen erwerben und damit aktiv die Entwicklungschancen ihrer Kinder fördern“, erklärt Helena Stadler aus dem Vorstand der Bürgerstiftung Berlin. Das Konzept des Projekts nutzen inzwischen auch andere Bezirke: Ein vergleichbares Angebot gibt es in Neukölln, in Tempelhof ist eines geplant.