Die personalisierte Suche wird zum Problem.

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Suchmaschinen : Googles verzerrtes Weltbild
Dominik Drutschmann

In den vergangenen Jahren ist Google nach Ansicht von Kritikern eher weniger objektiv geworden. Eine wichtige Neuerung war die Einführung der personalisierten Suche im Jahr 2009. Sie funktioniert über Cookies, kleine Textdateien, die Daten über besuchte Webseiten ohne Aufforderung speichern. Cookies verraten Webseiten, die man besucht, welche anderen Seiten einen zuvor interessiert haben. Das ist auch bei Google so. Sucht jemand nach „Ägypten“ und klickt in erster Linie Reiseinformationen an, sortiert Google diese in der Folge immer weiter oben ein. Schon 2007 erklärte Google dazu: „Unser Ziel war es immer, dem Nutzer genau die Information zu liefern, die er gerade haben will.“ Google versucht, die Wünsche seiner Nutzer zu erraten.

Bei der personalisierten Suche stellt sich die Frage: Lässt sie überhaupt noch Interessensvielfalt zu? Eine Antworten gibt Eli Pariser in seinem Buch „Filter Bubble“. „Mehr und mehr wird dein Computermonitor zum Spiegel, der deine eigenen Interessen reflektiert, während algorithmische Aufseher beobachten, was du anklickst!“, schreibt er. „Spiegelrealität“ heißt das Phänomen. Der Nutzer glaubt, durch eine Glasscheibe in die Tiefen des Internets zu schauen, dabei zeigt ihm Google lediglich eine Spiegelung seines Klickverhaltens.

Die Komponenten des Algorithmus, der die Suchergebnisse sortiert, hält das Unternehmen so geheim wie Coca-Cola das Rezept für seine braune Brause. Nur wird das Rezept bei Google immer wieder geändert. Bis zu 200 Mal im Jahr basteln Ingenieure an den Suchregeln. Der User bekommt davon meist nichts mit. Anders war das im vergangenen Jahr im Fall des Panda-Updates. Google wollte Seiten mit qualitativ guten, originären Inhalten bevorzugen. Sogenannte Content Farmen und Webseiten, die nur Inhalte anderer sammeln, wurden herabgestuft. Kritiker warnten: „Das ist so, als würden die Gelben Seiten einfach Firmen herausstreichen.“ Der Fall zeigte erneut: Was ganz oben steht, wird sehr wohl gezielt gesteuert. Zudem löscht das Unternehmen gezielt Einträge, etwa in China, wo mehrere Millionen Internetseiten ganz unterdrückt oder herabgestuft werden, in der Fachsprache nennt man das Downranking.

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