Warum soll ich mich an Regeln halten?

Seite 2 von 2
Kampfradler-Debatte : Kämpfen, Radler, kämpfen!
Ein rotes Herz für Radfahrer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein echter Kampfradler hier stehen bleibt.
Ein rotes Herz für Radfahrer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein echter Kampfradler hier stehen bleibt.Foto: dpa

Dazu kommt die Verzweiflung über die Idiotie der Verkehrsplaner. Nicht nur, dass Ampelschaltungen grundsätzlich den Autoverkehr privilegieren, regeltreue Radfahrer also an jeder Kreuzung warten müssen. Dazu kommen gefährliche, uralte und im Winter nicht geräumte Radwege, die noch dazu auf schmalen Gehwegen laufen, gerne auch direkt durch die Wartezonen von Bushaltestellen, so, als ob Radfahrer und Fußgänger sich leicht arrangieren könnten. Tatsächlich aber bewegen sich Erstere in der Regel fünfmal so schnell, aber nur halb so schnell wie Autos.

Ganz toll sind auch die Baustelleneinrichter. Da enden Fahrradwege dann einfach im Nichts oder werden direkt in den fließenden Verkehr geleitet. Der Klassiker ist das Schild mit der Aufschrift, „Fahrradfahrer, bitte absteigen“, eine Frechheit ohnegleichen. Auf das Schild „Autofahrer, bitte schieben“, warte ich dagegen bis heute vergeblich.

Abgefahren - Ihre unbeliebtesten Radstrecken
Zugemüllte Stadt. Seit Tagen versperrt dieser Müllberg einen Radstreifen der Blissestraße in Wilmersdorf, obwohl Fahrradaktivisten sich beim Ordnungsamt beklagten. - Foto: PolizeibeobachterWeitere Bilder anzeigen
1 von 621Polizeibeobachter
20.12.2018 13:12Zugemüllte Stadt. Seit Tagen versperrt dieser Müllberg einen Radstreifen der Blissestraße in Wilmersdorf, obwohl Fahrradaktivisten...

Der Radler lernt also auf die harte Tour, dass er wenig Schutz genießt, wenn es die motorisierten Mitmenschen nicht wollen. Das löst bei vielen jedoch früher oder später die gleiche Reaktion aus. Wenn ich keine Rechte habe, warum soll ich mich an die Regeln halten? Noch dazu, wenn es die meisten Ampeln eh nur wegen der Blechkisten gibt. Deren Fahrer sind stark sichtbehindert und immer übermotorisiert, was sie fortwährend zwischen Frustration und Aggression oszillieren lässt. Darum müssen sie gezähmt werden. Aber Radfahrer gefährden zumeist nur sich selbst. Mit vollem Rundumblick können sie ihre Chancen, bei Rot lebend davonzukommen, gut einschätzen. Und die größte Gefahr droht ihnen ohnehin bei Grün, weil die Abbieger sie in ihren Karossen nicht sehen.

Also, liebe autofahrende Zeitgenossen, ich verstehe, dass Ihr euch ärgert. Aber vielleicht bedenkt ihr beim nächsten Mal, dass wir doch gute Gründe haben, wenn wir nicht nach euren Regeln spielen. Und mal ehrlich: Wenn ihr manchmal so an euren roten Ampeln vor leeren Kreuzungen steht, fühlt Ihr euch dann nicht auch wie dressierte Affen? Einfach durchfahren kann so befreiend sein.

Artikel auf einer Seite lesen

Autor

318 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben